Billstedt: Aus Schülern werden Künstler

Anzeige
Aus Plastikbechern entsteht ein Lampenschirm Foto: fbt
Hamburg: Öjendorfer Weg 14 |

Bevor Bill Viola in den Deichtorhallen ausstellt, gestalten 13-Jährige eigene Installationen

Von Frank Berno Timm
Billstedt
Bevor der amerikanische Künstler Bill Viola seine Werke in den Deichtorhallen ausstellt, beschäftigen sich 300 Hamburger Schüler mit unterschiedlichsten Materialien (das Wochenblatt berichtete). Dabei sind auch die Siebtklässler aus der St.-Paulus-Schule in ihrem Ausweichquartier an der Billstedter Marktstraße. Brian Schreiber (13) ist ein bisschen wortkarg. Eigentlich ist der Schüler gerade damit beschäftigt, im Klassenzimmer Girlanden aufzuhängen: Wie Hopfenpflanzen wachsen sie mit breiten Bändern aneinander geknüpft. Es sollen viele werden: Erwachsene und Schüler haben sich an die Arbeit gemacht, Becher in unvorstellbaren Mengen sind an den Rand gestapelt. Ist das gut? „Ja“, antwortet Brian kurz, es sei Gelegenheit, Zeit miteinander zu verbringen und etwas gemeinsam zu tun.

Installation „The sun in the waterfall“


Auf der anderen Seite des Flurs hantiert Anastasija Zitzer (13) mit einer Klebepistole: Geschickt fügt sie die Becher wie in ein Halbrund aneinander, so soll ein Lampenschirm entstehen, die Glühlampe wird in der Mitte ihren Platz finden. Lehrerin Charlotta Riepe (36) arbeitet mit und erzählt etwas über die Hintergründe der Aktion: Es geht um den amerikanischen Installationskünstler Bill Viola, der sich viel mit Installationen und Räumen befasst. Die Bechergirlanden sollen ganz eng aufgehängt und in der Mitte eine Lichtung frei gelassen werden – so solle ein „Raum entstehen, in dem man sicher ist, in dem man sich wohlfühlt“, sagt die Lehrerin; wo man nachdenken und zur Ruhe kommen könne. Am nächsten Tag hängt ein Titel an der Tür: „the sun in the waterfall“ (die Sonne im Wasserfall) heißt die fertige Installation und die Assoziationen stellen sich schnell ein: Schließlich gibt es ja auch im Wassergetöse eines solchen Naturschauspiels Ruhe hinter den Fluten.

Viola-Ausstellung startet am 1. Juni


Christoph Schommer vom katholischen Erzbistum teilt mit, dass sich Schüler von sieben katholischen und zwei evangelischen Schulen mit insgesamt 30 Teilnehmern am „Bill Viola Laboratorium“ beteiligen und ihre Klassenzimmer besonders gestalten. Die Aktion läuft bis zum 18. Mai. Der amerikanische Künstler Bill Viola fordere dazu heraus, neu zu denken; wird die Leiterin des Educationprogramms Kulturforum21 an den katholischen Schulen zitiert. Die Ergebnisse sollen zur Eröffnung der Viola-Ausstellung in den Deichtorhallen am 1. Juni in einer Fotoausstellung sowie in eigens installierten Containern vor den Deichtorhallen Hamburg präsentiert werden. Viola gilt als einer der weltweit bedeutendsten, zeitgenössischen Künstler.

Lesen Sie auch: Kunst in der Schule

Weitere Infos: „Bill Viola-Laboratorium“
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige