Billstedt-Center verliert Buchhandlung

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Bisher deutet noch nichts auf den Wegzug der Thalia-Filiale hin Foto: Timm
 
Die geborene Billstedterin Nicole Joel bedauert den Weggang von Thalia Foto: Timm

September 2017 wird die Thalia-Filiale geschlossen. Gespräche mit Mitarbeitern laufen

Von Frank Berno Timm
Billstedt
Nach fast vier Jahrzehnten zieht die Thalia-Buchhandlung Ende September 2017 aus Billstedt weg – Enttäuschung nicht nur bei den Kunden. Ein weiterer großer Konzern zieht aus dem Billstedt-Center und verlässt den Stadtteil. Die Thalia-Buchhandlung wird Ende September 2017 geschlossen. Das bestätigte die Thalia-Zentrale dem Hamburger Wochenblatt. Nach Angaben des Börsenvereins des deutschen Buchhandels beendet damit die letzte Billstedter Buchhandlung ihre Geschäftstätigkeit. Viele Billsteder sind enttäuscht über die Entscheidung. „Mir fehlen die Worte“, sagt Nicole Joel (47). Wie oft habe sie hier für ihre Kinder eine Buchbelohnung für gute Leistungen in der Schule eingekauft, das geht bald nicht mehr. Schließlich gebe es keine Alternative, und genug Leute könnten eben keine Bücher online bestellen, weil sie aus Kostengründen keinen Netzanschluss hätten. Auch für die Volkshochschule (VHS) und diverse Vereine sei das Thalia-Ende ein herber Schlag, glaubt Nicole Joel – dabei denkt sie an eine Gruppe Lesementoren, die unzähligen Kindern beim Lesen lernen hilft. Julia Hattrup, Sprecherin bei Thalia, bestätigt das Aus zum 30. September 2017 und macht rückläufige Umsätze und einen auslaufenden Mietvertrag verantwortlich für den Schritt. Genaue Zahlen will sie aber nicht preisgeben. Eine Schließung sei immer bedauerlich, räumt die Thalia-Sprecherin ein, andere Filialen seien aber weiter gut erreichbar und auch im Netz könne bestellt werden. Betroffen sind nach ihren Angaben neun Mitarbeiter, mit denen noch Gespräche liefen. Das Geschäft im Billstedter Zentrum gibt es seit 1978, aktuell habe man „keine Pläne“, in Billstedt eine andere Filiale zu eröffnen. Und Hattrup versichert: „Das fällt auch uns nicht leicht“. Seit kurzem ist der Herder-Verlag Gesellschafter bei Thalia. Verleger Manuel Herder erklärt, die Entscheidung, Billstedt zu schließen, sei schon von den vorherigen Gesellschaftern getroffen und die Mitarbeiter informiert worden, deswegen wolle er sie nicht kommentieren. Michael Hechinger, Hamburger Vorsitzender des Börsenvereins des deutschen Buchhandels, sagt, eine Schließung bedeute jedes Mal, dass das Buch weniger sichtbar sei, das sei für das Medium „immer ein Nachteil“ .Börsenvereinsgeschäftsführerin Carolin Markwa ergänzt, damit fehle für die Leute ein äußerer Anstoß, Bücher, von denen sie gehört hätten, auch zu kaufen. Erfahrungsgemäß gehe bei einer Schließung 30 Prozent des Umsatzes einer Buchhandlung komplett verloren und könne nicht durch andere aufgefangen werden. Markwa macht allerdings auch darauf aufmerksam, dass mit der Buchhandlung „Seitenweise“ in Hamm eine der besten, inhabergeführten Buchläden im Hamburger Osten existiere. Dies zeigt nach ihrer Auffassung, dass ein solches Ende „nicht in Stein gemeißelt“ sei. Sichtlich betroffen reagiert Tessa Ermer vom Büro lokale Wirtschaft: „Das ist echt traurig“, eine Buchhandlung sei doch „wichtig für jeden Stadtteil“. Man müsse sehen, ob es nicht eine andere Immobilie für Thalia gebe. Aus dem Bezirksamt Mitte, wo gerade ein neues Nahversorgungskonzept in Arbeit ist, hieß es auf Anfrage, man könne eine solche geschäftliche Einzelfallentscheidung nicht kommentieren.

Kulturelles Angebot vor Ort geht verloren

Dörte Inselmann vom Kultur Palast wird dagegen deutlich: Die Aufgabe der Filiale sei gravierend. „Damit verliert nicht nur das Billstedt-Center ein wichtiges literarisches und kulturelles Angebot, sondern auch Billstedt, die Region und die Menschen, die letzte Buchhandlung vor Ort“. Sie hofft, dass die Thalia-Geschäftsführung diesen Schritt nochmal überdenkt.
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