Billstedt: Mein Gully gurgelt nicht...

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Verstopfte Gullys: Schon normale Regenfälle sorgen für Überschwemmungen am Steinbeker Weg Foto: Timm
Hamburg: Oststeinbeker Weg 2 |

Unwetter mit großen Niederschlagsmengen überfordern die Kanalisation in Hamburg

Von Frank Berno Timm
Billstedt
Dass ein heftiges Unwetter mit starken Regenfällen über Billstedt hinwegtobte, ist kaum zwei Wochen her. Wer nicht rechtzeitig nach Hause gekommen war, musste mit deutlich nassen Füßen rechnen, weil das Wasser an vielen Stellen nicht abfließen konnte. Als sich der Regen verzogen hatte, kamen die Ursachen zutage: Schlecht gepflegte Bürgersteige und langsam zuwuchernde und verstopfte „Wassereinläufe“, wie die Gullys im Amtsdeutsch heißen. Eine Stichprobe ergab: Am Anfang des Oststeinbeker Wegs (Höhe Hausnummer 2) bleibt das Wasser zwischen dem Fußweg zum Sonnenland bei Regen regelmäßig stehen – nur mit Gummistiefeln wäre trockenes Fortkommen möglich. Sorina Weiland aus dem Bezirksamt Mitte teilt mit, Kollegen aus dem Bezirksamt hätten „die Wege inspiziert.“ Ein Teilbereich der Entwässerungsrinne, der im Privatbesitz sei, solle in „Kürze umgepflastert werden.“ Der Eigentümer des betroffenen Areals sei zur Reinigung aufgefordert worden. Eines der Bilder, das die Bezirksamtssprecherin mitschickt, zeigt jedoch einen Gully, der vor lauter Dreck langsam zuwuchert.

Alles bleibt hängen

Der Weg vom Sonnenland (Höhe Grundschule Glinder Au) bis hinunter zur stadteinwärts gelegenen Bushaltestelle der Buslinie 12 zeigt, dass nur wenige Wassereinlaufstellen frei sind. Die Räume zwischen den einzelnen Zargen wuchern zu. Alle möglichen Arten von Müll und Sand finden sich. Dass schon bei normalem Regenwetter Gullys schlappmachen und das Wasser nicht abfließen kann, lässt sich leicht ausmalen. Hamburg Wasser macht klar, dass die Niederschlagshöhen am 19. April sogar deutlich über dem Normalen lagen. Für die Reinigung des Gully-Innenlebens sei Hamburg Wasser, für das Äußere die Stadtreinigung Hamburg (SRH) verantwortlich.

Zuständigkeit unklar?

Die Auskünfte der Stadtreinigung lassen nur den Schluss zu, dass unterschiedliche Ansichten existieren, was „Äußeres“ und „Inneres“ eines Gullys darstellt - und damit , welche Behörde zuständig ist. Behördensprecher Reinhard Fiedler: „Gullys werden von der SRH im Rahmen der normalen Fahrbahnreinigung mitgereinigt.“ Eine gesonderte Gully-Reinigung durch die SRH gebe es nicht. Dies hieße jedoch auch, dass beim Straßenfegen zwar die Oberfläche der Gullys gereinigt würde, die Verschmutzungen zwischen den Gitterstäben oder in den Sieben jedoch nicht entfernt werden. „Das ist Aufgabe der Hamburger Stadtentwässerung (HSE) nicht der SRH.“ Es gibt mehr als 10.000 Wassereinläufe in Hamburg. „Bei Starkregen werden sehr viele auch saubere Gullys gleichzeitig zugeschwemmt. Das ist kaum zu verhindern.“ Zwei Beispielfotos, die der SRH vorgelegt wurden, kommentierte Fiedler mit den Worten, die entsprechenden Gullys seien in einem durchaus guten Zustand, „weil aufnahmebereit“. Das ungeübte Laienauge dürfte die Wassereinlässe allerdings als nahezu unbrauchbar ansehen. Ole Braukmann von Hamburg Wasser erläutert: „Was unsere Reinigungen angeht, haben wir keinen vorgegebenen Rhythmus, der standardmäßig auf alle Straßeneinläufe angewendet wird“. Hamburg Wasser setze dagegen auf eine bedarfsgerechte Reinigung, da die Erfahrung gezeigt habe, „dass einige Straßeneinläufe bereits nach einem halben Jahr einer Reinigung bedürfen, andere wiederum nur alle drei Jahre gereinigt werden müssen“. Die Festlegung der einzelnen Reinigungs-Turni erfolge anhand der „allgemeinen Betriebserfahrung sowie durch Zustandsberichte sogenannter Trummenwarte – bei Hamburg Wasser heißen die Gullys nämlich Trumme. Die Warte begutachten den Zustand der Trummen in einem bestimmten Bereich und handeln nach Bedarf.

Gullys melden

Und wohin kann man sich wenden, wenn ein Gully nicht mehr sauber genug ist? Braukmann verweist an den „Melde-Michel“. Die entsprechenden Daten würden an Hamburg Wasser weiter gereicht
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