Bis zu 20 Minuten später...

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Die Metrobuslinie 12 muss auf ihrem Weg nach Allermöhe 45 Haltestellen bedienen – da sind Verspätungen kaum auszuschließen Foto: fbt

Unterwegs in Billstedt mit dem Metrobus 12: Schnell sein ist relativ

Von Frank Berno Timm
Billstedt
Den Zaun der Gartenfirma gegenüber kenne ich schon. Kosmetikerin, Hühnerbrater, Klempnerei: beim Warten auf den Metrobus 12 – meiner „Hauslinie“ in die Stadt – lerne ich meine Nachbarschaft schon mal auswendig. Und warten muss ich an der Steinbeker Marktstraße immer wieder: Regelmäßig rauschen die 12er mir vor der Nase weg. Also gut: Smartphone spielende Kinder, Riesen-Handtaschen und Oversize-Schals der jungen Mädchen, Einkaufstrolleys der Älteren – und die Fahrrad-Frau mit dem Hund wechselt auf die Straße, als sie uns stehen sieht. Wo bleibt der nächste Bus? Schon zwei in Richtung Bergedorf sind durch, haben kurz gehalten, sind weitergefahren. Dann kommt meiner doch: einsteigen. Hinter dem Steuer jeden Tag ein anderer Typ. Die Frau mit dem Rucksack am Fenster, die ihre kleinen Teddys in einer Reihe aufgestellt hat, bleibt mir im Gedächtnis. Immer wieder junge Männer: Busfahren scheint wieder ein interessanter Job zu werden (oder ich bin älter). Eine Buslenkerin zeigt die gepflegte Dame, eine andere trägt Kopftuch – die ganze Gesellschaft bildet sich hier ab. Meistens geht’s flott Richtung Stadt. Werktags (fast immer volle) Gelenkbusse, sonntags kürzere. Die Haltestellenansagen wechseln zwischen unnatürlich abgehackter, männlicher Computerstimme und gepflegter Frau – die meisten brauchen es nicht, sind Stammkunden. Heimwärts geht’s ähnlich: In Billstedt vermeldet eine Anzeige, wann der nächste Bus kommt. Steht dort „sofort“, müsste er eigentlich an der Haltestelle stehen und die Flut der Mitfahrer in die erste Tür einsteigen. Doch der Bus lässt schon mal auf sich warten – dabei stehen andere Fahrzeuge samt Fahrer seelenruhig auf dem Parkplatz und rühren sich nicht von der Stelle. Martin Beckmann von der VHH verspricht nicht nur Besserung, sondern wirbt um Verständnis. Die Metrobuslinie 12 führe über 45 Haltestellen von Allermöhe über Bergedorf bis Billstedt. In der Hauptverkehrszeit könne es vorkommen, „dass die Busse in Richtung Billstedt in Einzelfällen bis zu 20 Minuten Verspätung haben“. Beckmann betont, das solle eher die Ausnahme darstellen. Und die Situation stadtauswärts werde sich bessern, wenn das neue Betriebsleitsystem am Start sei. Notfalls kann ich heimlaufen – an die 25 Minuten Fußmarsch, das soll ja gesund sein. Dann bekäme ich allerdings nicht mit, dass die VHH sonntags ab und an ihre Hybridbusse einsetzt: die fahren die ersten Meter elektrisch und sollen so Brennstoff sparen. Martin Beckmann spricht von Brückentechnologie, freut sich aber, dass sein Unternehmen die Busse noch einmal beim Hersteller getauscht hat: die neue Variante spart noch mehr Sprit. Kauft die VHH keine Gelenkbusse dieses Typs? „Momentan nicht geplant“. Aber: Die Blankeneser „Bergziege“ kriegt einen zweiten E-Bus und für die Metrobuslinie 3 sind zwei E-Gelenkbusse „im Zulauf“.
Schnell sein ist übrigens relativ. Manchmal fegen die 12er ziemlich flott durch die Kurven der Kappellenstraße. In so einen Gelenkbus gehen über 100 Leute: Wären die alle mit dem Auto unterwegs, ginge selbst in Billstedt nichts mehr.
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