„Bleifeldfenster“ für Horn erhalten

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Von 1959 bis 2005 war das Fenster ein Teil des Gemeinschaftsraumes der LVA-Siedlung Stoltenstraße Foto: Gerd von Borstel
 
Seit 2016 ziert das Fenster den Balkon im Foyerbereich des Stadtteilhauses Horner Freiheit Foto: Gerd von Borstel

Hamburger Geschichtswerkstatt rettete kunstvolle Fensterelemente. Teil 20 der Serie „Horn – damals und heute“

Horn Die 20. Folge unserer Serie in Zusammenarbeit mit der Geschichtswerkstatt Horn zeigt dieses Mal den Weg eines „historischen Objektes“: Um die Wohnungsnot der Rentner zu lindern, baut die Landesversicherungsanstalt Hamburg Ende der 1950er-Jahre 128 Wohnungen an der Stoltenstraße/Ecke Manshardtstraße in Horn. Über den acht Wohnblöcken mit 112 Zwei-Zimmerwohnungen und 16 Einzimmerwohnungen wurde am 13. Mai 1959 der Richtkranz hochgezogen. Die Häuser gruppierten sich um ein eingeschossiges Gemeinschaftshaus, in dem die Anwohner ihre Freizeit verbringen konnten. Die südliche Fensterfront bestand aus einem fünfteiligen Bleifeldfenster mit einem Hamburg-Motiv. Es zeigte die Alster mit Segelbooten, dann vier der fünf Hamburger Hauptkirchen (Katharinen, St. Michaelis, Nicolai und Petri) sowie den Rathausturm und den Hafen. Der fehlende Turm von St. Jakobi erklärt sich dadurch, dass die im Krieg zerstörte Kirche erst 1963 wieder aufgebaut, das Fenster aber bereits 1959 – von einem bis heute unbekannten Künstler – erschaffen wurde.

Fensterelemente erhalten


Die ersten vier Backsteinhäuser dieser Altenwohnanlage mussten Ende 2005 dem Neubau von 41 Reihenhäusern weichen. Bei der fotografischen Dokumentation dieses Areals entdeckte die Geschichtswerkstatt Horn dann das wunderschöne Fenster und beschloss spontan, dieses Kunstwerk für Horn zu erhalten. Am 25.11.2005 machte man den Kauf perfekt und fand in der Glaserei Möller einen Partner, der die Fensterelemente auch fachmännisch ausbauen und einlagern konnte. Zum damaligen Zeitpunkt war allerdings noch völlig unklar, was mit dem Fenster jemals passieren könnte.

Neue Heimat im Stadtteilhaus


Der Traum von einem Stadtteilhauses nahm erst ab Juni 2007 konkrete Formen an. Bereits in den ersten Planungssitzungen wies die Geschichtswerkstatt auf ihren „Schatz“ hin und fand bei allen Beteiligten Zustimmung, die Fenster in einem zukünftigen Stadtteilhaus einzubauen. Klar war allerdings, dass sie nie wieder an der Außenfront als echte Fenster, sondern dekorativ im Innenbereich eingesetzt werden sollten. Nach einer intensiven Diskussion einigte man sich auf den Balkon zum Foyer, der nun für die Fenster zur neuen Heimat wurde. Die Tischlerei InnoHolz entwarf eine Konstruktion, um die Fenster von hinten zu beleuchten und Hamburgs letzte Glaskünstlerin Corinna Hempel reparierte ein beschädigtes Element fachmännisch und ehrenamtlich. Leider konnten aus Platzgründen nur vier der fünf Fenster eingebaut werden. Man darf mit Recht behaupten, dass sie am neuen Standort mehr Aufmerksamkeit erhalten, als das früher an der Stoltenstraße der Fall war.

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