Blick nach Osten

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Hier und dort würden ein Eimer Farbe dem Billstedter Marktplatz gut tun Foto: Timm
 
Auf dem Schiffbeker Weg bestimmen Autos die akustische Szenerie. Läden stehen leer Foto: Timm

Wie steht es um das Billstedter Ortszentrum? Bettelbande unerwünscht

Von Frank Berno Timm
Billstedt
Alles im Lot rund ums Billstedt-Center? Das Hamburger Wochenblatt hat sich im Karree Möllner Landstraße, Schiffbeker Weg, Reclamstraße und Öjendorfer Weg umgesehen. Das Ergebnis: ein lebhaftes Ortszentrum mit allem, was das Herz begehrt. Probleme mit einer Bettelbande scheinen gelöst. Hier, am Eingang zur Fußgängerzone in der Möllner Landstraße im Zentrum von Billstedt, ist es in der Spätwinterkälte nicht unbedingt gemütlich. Der „große Stehende“ des Bildhauers Fritz Fleer schaut mit Bronzeblick in die Landschaft. Jemand hat ein paar seiner Rippen mit blauer Farbe nachgezeichnet. Die Sitzbänke und Spielgeräte bleiben verwaist, Werbeplakate scheinen ziemlich unbeachtet. Es ist nachmittags: keine Schlange (wie sonst oft) in der Post, davor gibt es ein notdürftig abgedecktes Telefon, das sogar noch DM-Münzen nehmen würde, die doppelte Baumreihe in der Mitte des Boulevards ist immer noch klein. Heute ist es eher ruhig: Wochenmarkt ist an der Möllner Landstraße dienstags von
9 bis 13 und freitags von 9 bis 18 Uhr – Hunde und fahrende Radfahrer sind dann unerwünscht, wie ein Schild vermeldet. Bei Marktbetrieb beginnt die Szenerie mit einer Menge quergestellter Transporter, dahinter Stände mit Klamotten und viel Frischwaren, oft dicht umlagert. Und ohne Markt? Die Auswahl ist reichhaltig und kaum ein Laden steht leer. Dazu gibt es Arztpraxen, Physiotherapie, Bücherhalle und Banken. Und noch ein Kunstwerk: Edgar Augustins „Säule mit Frauengruppe“ in der Mitte der verkehrsberuhigten Zone. Wie anderswo auch gibt es hier im Billstedter Ortskern eine Art Grundrauschen im Geschäftsangebot: Friseure und Bäcker reichlich. Dazwischen ein Gemüsemarkt, Drogerieartikel, Spielzeug. Beratungsstellen, Krankenkassen, Tagespflege, Hörgeräte, und ein Telefonladen in der Außenfassade des Billstedt-Centers.

Unerwünschte Bettler


Wochenblatt-Leserin Gudrun Sauer berichtet, sie sei in der vorigen Woche siebenmal von jungen, aufdringlichen Männern mit einem markanten Klemmbrettern belästigt worden – innerhalb von zwei Tagen – auch im Center.
„Ich kenne die Bande nur aus der Innenstadt, die ziehen von einem Einkaufszentrum ins nächste“, sagt sie. Das Problem sind nicht die eingeforderten Unterschriften, sondern die Gefahr, dass es im Gespräch zu Diebstählen kommt. Christian Stamerjohanns, Sprecher des Centerbetreibers ECE, bestätigt, dass Bettler im Billstedt-Center waren und vom Wachdienst aus dem Haus verwiesen wurden. „Diese Art von Bettelei war im Billstedt-Center zuvor noch nicht aufgetreten“. Der Wachdienst wurde darauf hingewiesen, „dass derartige ‚Touren‘ sofort unterbrochen und die Personen aus dem Center geleitet werden müssen.“ Betteln sei in den Centern generell verboten, üblicherweise gebe es damit „keine größeren Probleme“. Bei einem wiederholten Auftreten werden Hausverbote erteilt oder die Polizei hinzugezogen. Das ist im konkreten Fall nicht passiert. Polizeisprecherin Karen Sadowsky sagt, es lägen keine Anzeigen vor. Sorina Weiland vom Bezirksamt Mitte ergänzt, aggressives Betteln sei verboten, die Zuständigkeit läge bei der Polizei.

Schiffbeker Weg


Noch ein Kunstwerk am Ende der Fußgängerzone, ein Titel findet sich nicht: eine Frau in Bronze, mit Einkäufen in beiden Händen, der alltägliche Moment zur Skulptur gewandelt. Ein paar Schritte weiter zieht demnächst ein neuer Imbiss ein. Um die Ecke, auf dem Schiffbeker Weg, übernimmt die Geräuschkulisse des Autoverkehrs wieder die akustische Herrschaft. Ein paar Läden sind leer, andere sichtbar alteingesessen, eine Bar an der Ecke zu einer Seitenstraße wird neu dekoriert und im Bettengeschäft toben ein paar Kinder fröhlich. Der Eindruck ist positiv – hier und da würden ein paar Eimer frische Farbe und häufigerer Einsatz von Besen und Wischmop das Viertel freundlicher wirken lassen. Aber das kann ja im Frühjahr noch werden.
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