Brunnenbau in Billstedt

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Jakob Michel (links) und Udo Robben beim Kranen der großen und mit Kunststoff beschichteten Stahlrohre für den neuen Billstedter Brunnen Foto: fbt
 
Lara Tholen ist Projektleiterin des Billstedter Brunnenbaus Foto: fbt
Hamburg: Öjendorfer Weg |

Zwei 36 Meter tiefe Förderstellen für Trinkwasser werden erneuert

Von Frank Berno Timm
Billstedt
In unmittelbarer Nachbarschaft des Kultur Palasts am Öjendorfer Weg sind Brunnenbauer dabei, einen neuen Brunnen zur Trinkwassergewinnung zu bauen. Die Arbeiten werden rund drei Monate dauern. Bevor es an die Baustelle geht, erläutert Projektleiterin Lara Tholen (28) ein paar Hintergründe. Der durchschnittliche Hamburger verbaucht 111 Liter Wasser pro Tag – vor drei Jahrzenten, sagt Hamburg-Wasser-Sprecher Ole Brauckmann, sei es wesentlich mehr gewesen. Sparen sei sinnvoll, es werde genug neues Grundwasser durch Niederschläge gebildet. Es ist laut Brauckmann nicht einfach, Plätze für neue Brunnen zu finden.

Zwei neue Flachbrunnen

Die Brunnenbauer unterscheiden zwei Varianten: Laura Tholen erklärt, ein so genannter Flachbrunnen sei rund 36 Meter tief. In 250 Meter reicht ein Tiefbrunnen hinab, von der flachen Variante würden zwei auf dem Grundstück neben dem Kultur Palast neu errichtet. In ganz Hamburg werden es dieses Jahr insgesamt sechs Tief- und zehn Flachbrunnen sein, die neu angelegt werden müssen. Alle 30 Jahre rücken die Brunnenbauer an, weil nach drei Jahrzehnten der eingebaute Filter nicht mehr richtig arbeitet und die Leistung der Wasserförderstelle sinkt.
Im hinteren Teil des Grundstücks brummt ein Bagger. An einem seiner Haken hängt das Innenrohr, das von den beiden Brunnenbauern Uddo Robben (30) und Jakob Michel (52) sehr sorgfältig Stück für Stück verlängert wird. Die fünf Meter langen, beschichteten Stahlrohre setzen sie mit einem speziellen Patent zusammen – mit Kunststoff sind die Rohre verbunden, Dichtgummis und Gleitcreme kommen zum Einsatz. Das fertige Rohr wird von einer schweren Fangschelle gehalten: dann kommt das neue Stück zum Einbau, als nächstes wird die Fangschelle ersetzt, das neue Rohrstück rutscht in die Tiefe. Von außen werden in festen Abständen Stahldrahtgeflechte angebaut: Das sind, erläutert Projektleiterin Tholen, Zentrierringe, die das Brunnenrohr in der Mitte des Bohrlochs halten. Rohrstück für Rohrstück schiebt sich das neue Wasserrohr so in die Tiefe. Hektik zeigt hier niemand, eher Liebe zum Detail.

Ziel ist das Wasserwerk Billbrook

Das blaue Wasserrohr sitzt in einem provisorischen Stahlrohr, dass das Bohrloch stabil hält – sind die 36 Meter Wasserrohr eingebaut, wird das Bohrloch-Rohr herausgezogen und die Bohrstelle am Ende rundherum mit Filterkies verschlossen. Dann folgen die ersten Proben. Lara Tholen erklärt, 24 Stunden werde Wasser gefördert, um herauszufinden, wie viel die Bohrstelle wirklich leistet. Das Wasser geht erstmal über ein Rohr provisorisch durch den Maukestieg ins Regenwasser. Am Ende wird das Brunnenhaus installiert – das Rohwasser fließt in das Wasserwerk Billbrook: Die hohen Eisen- und Mangananteile, erläutert Ole Brauckmann, müssen herausgefiltert und ein ganz bestimmter pH-Wert erreicht werden, bevor das Billstedter Wasser aus dem heimischen Hahn fließen kann. Die Installation eines neuen Flachbrunnens kostet eine sechsstellige Eurosumme. Ein zweiter neuer Flachbrunnen kommt hinzu, die beiden Vorgänger werden abgebaut.
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