Bundestagswahl 2017: Für wen die Erststimme?

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Das Hamburger Wochenblatt stellt die Direktkandidaten aus Hamburg-Mitte für den 19. Deutschen Bundestag vor Symbolfoto: thinkstock
 
Für die FDP: Michael Kruse, (33), Kfm. Geschäftsführer eines Beratungsunternehmens, lebt in Barmbek-Nord Foto: wb

Das Hamburger Wochenblatt stellt die Direktkandidaten von FDP, AfD und Linke aus Hamburg-Mitte für den 19. Deutschen Bundestag vor

Von Rainer Glitz
Hamburg-Mitte
Am 24. September wählt Deutschland die Zusammensetzung des 19. Deutschen Bundestags. Die Bürger bestimmen, wer künftig regiert. Und das geschieht nach dem Prinzip der sogenannten personalisierten Verhältniswahl. Das heißt: Jeder Wahlberechtigte hat zwei Stimmen. Eine für die Partei im jeweiligen Bundesland, und eine für die jeweiligen Kandidaten für ein Direktmandat in den insgesamt 299 Wahlkreisen deutschlandweit. Politik wird immer von Menschen gemacht. Und diese Menschen, die sich in Ihrem Wahlkreis in Hamburg um die Erststimme bemühen, wollen wir vorstellen. Allen haben wir dieselben Fragen gestellt. Den Auftakt machen die Kandidaten der Linken (Martin Dolzer), der AfD (Nicole Jordan) und der FDP (Michael Kruse):


Wochenblatt: Warum haben Sie sich entschlossen, in die Politik zu gehen?
Kruse: Ich bin ein sehr politischer Mensch. Und ich habe an vielen Fragestellungen in meinem Umfeld bemerkt: Ich habe eine bestimmte Vorstellung davon, wie es eigentlich laufen sollte. Dann kann man eben nicht immer nur meckern, sondern muss irgendwann auch selbst etwas machen.

Jordan: Ich hatte es satt, dass mir studierte Leute, von denen ein Teil in ihrem Leben nie wirklich gearbeitet hat, erzählen wollen, wie der normale Durchschnittsbürger hier lebt. Personen, die nicht wissen, wie es ist, am Monatsende eine vierköpfige Familie mit 50 Euro zu ernähren. Ich möchte ein Sprachrohr für die Leute sein, die die Sprache dieser Politiker nicht mehr verstehen.

Dolzer: Das war in den 1990-Jahren, als es in der Auseinandersetzung um das neue Asylgesetz ging. Da ich denke, dass alle Menschen die gleichen Rechte haben und auch das Grundgesetz und die Europäische Menschenrechtskonvention wichtig sind, engagiere ich mich seitdem in der Politik für Menschenrechte sowie gleiche soziale Rechte für alle.


WB: Welche politischen Erfolge haben Sie erreicht?
Kruse: Ich bin Bürgerschaftsabgeordneter und mache für die FDP-Fraktion die Wirtschaftspolitik. In dem Bereich kann man aus der Opposition heraus sehr gut auf Probleme in der Stadt aufmerksam machen und den Senat vor sich hertreiben. Ein Beispiel sind die Hafenfinanzen. Da habe ich dem Senat aufgezeigt, dass er nur sehr wenig Controlling hat. Und das wurde jetzt eingeführt.

Jordan: Ich bin auf Anhieb Landesschatzmeisterin der AfD und Bezirksvorsitzende geworden. Bei der Aufstellung der Landesliste habe ich gerade einmal 12 Stimmen weniger bekommen als unser Spitzenkandidat. Und auch als Direktkandidatin habe ich mich in einem Zweikampf durchgesetzt. Ich denke, das sind vorzeigbare Erfolge.

Dolzer: Früher habe ich viel für Bundestagsabgeordnete im Bereich Menschenrechte in der Türkei und im Mittleren Osten gearbeitet. Da haben wir das eine oder andere auch bewegen können. In der Bürgerschaft habe ich Vorschläge zum Resozialisierungsgesetz gemacht, die einfließen werden. Im Wissenschaftsbereich haben wir dazu beigetragen, dass der Hochschul-Fachbereich Holzwirtschaft erhalten blieb. Politik bewirkt immer etwas, auch wenn man es nicht sofort sieht.

WB: Was sind aktuell die wichtigsten Probleme im Wahlkreis?
Kruse: Mitte ist ein sehr heterogener Wahlkreis. Aber was ich überall wahrnehme ist der Wohnraummangel. Wir müssen wegkommen von bürokratischen Hürden, langen Verfahren und kleinteiligen Bauplanungen. Wir müssen noch mehr bauen, und das bedeutet dann vielleicht auch mal ein oder zwei Etagen mehr als bisher.

Jordan: Da ist einmal die Obdachlosigkeit, die immer wieder unter den Tisch gekehrt wird. Man sollte auch die Frauenhäuser im Fokus behalten, weil die häusliche Gewalt zunimmt, aber auch in Männerwohnheimen herrschen zum Teil schlechte Bedingungen. Das ist bundesweit ein Problem. In puncto Innere Sicherheit muss mehr getan werden. Die Kuscheljustiz muss aufhören.

Dolzer: Viele Menschen sind von überproportional steigenden Mieten betroffen, es werden über Umsetzverfahren teilweise auch Menschen vertrieben. Es gibt einen Mangel an günstigen Wohnungen. Dann ist in Mitte die Gentrifizierung ein Problem, in der Bildung gibt es großen Nachholbedarf. Die Renten sind zu niedrig, es fehlen Pflegekräfte. Insgesamt geht die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auf.

WB: Wenn Sie gewählt werden würden, was wäre Ihre erste politische Initiative im Bundestag?
Kruse: Ich würde mir als Erstes den Bereich Finanzen anschauen. Es ist Zeit, den Menschen, die sehr hart dafür arbeiten, und bei denen am Ende vom Brutto nicht sehr viel übrig bleibt, eine kleine Entlastung zukommen zu lassen, zum Beispiel beim Solidaritätszuschlag, aber auch beim Abbau der kalten Progression.

Jordan: Ich würde mich dafür einsetzen, dass etwas gegen die Altersarmut gemacht wird. Wer 40 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hat, muss davon leben können. Außerdem setze ich mich für den Erhalt des Bargelds ein. Man muss aufhören, den Menschen noch gläserner und manipulierbarer zu machen. Der Bund muss sich beim Thema Bildung mehr einmischen. Das heißt für mich: Zurück zum erfolgreichen dreigliedrigen Schulsystem.

Dolzer: Einer meiner Hauptbereiche ist Friedenspolitik. Wenn ich dort arbeiten dürfte, würde ich natürlich versuchen, die Waffenexporte zu stoppen. Generell würde ich an allen Punkten ansetzen, um die Schere zwischen Arm und Reich zu schließen. Etwa durch Vermögenssteuer oder Erbschaftssteuer, eine Umverteilung des Reichtums nach unten.

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1 Kommentar
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Rainer Stelling aus St. Georg | 03.08.2017 | 06:16  
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