Bundestagswahl 2017: Für wen die Erststimme?

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Das Hamburger Wochenblatt stellt die Direktkandidaten aus Hamburg-Mitte für den 19. Deutschen Bundestag vor Symbolfoto: thinkstock
 
Für die Grünen: Meryem Celikkol, 48, Wiss. Mitarbeiterin an der Uni Hamburg, lebt in Horn Foto: wb
 
Für die SPD: Johannes Kahrs, 53, Jurist und Oberst der Reserve, lebt in St. Georg Foto: wb

Das Hamburger Wochenblatt stellt die Direktkandidaten von SPD, CDU und Grüne aus Hamburg-Mitte für den 19. Deutschen Bundestag vor

Von Rainer Glitz
Hamburg-Mitte
Der Landeswahlausschuss hat 16 Parteien für die Bundestagswahl am
24. September zugelassen. Das gilt auch für deren Landeslisten und die Direktkandidaten in den sechs Hamburger Wahlkreisen. Damit können jetzt die Stimmzettel gedruckt werden. Diese werden bereits ab dem 15. August an alle verschickt, die schon die Briefwahl beantragt haben. Das ist online unter der Adresse www.hamburg.de/briefwahl möglich. Ab dem 21. August werden die Wahlbenachrichtigungen verschickt. Darin enthalten ist ein Formular, mit dem die Briefwahl auch per Post beantragt werden kann. Damit Sie wissen, wer zur Wahl steht, stellt das Wochenblatt die Kandidaten vor. Diesmal von CDU (Christoph de Vries), SPD (Johannes Kahrs) und Grünen (Meryem Celikkol).

Wochenblatt: Warum haben Sie sich entschlossen, in die Politik zu gehen?
Johannes Kahrs: Als es die „geistig-moralische Wende“ gab, war ich Schulsprecher. Und wir haben uns so darüber aufgeregt, dass aus Helmut Schmidt Helmut Kohl wurde, dass ich in die SPD eingetreten bin. Ich bin dann in die Kommunalpolitik gerutscht. Politik ist wie eine Droge. Sie macht nicht dick, aber süchtig.

Christoph de Vries: Ich habe mich schon früh für Politik interessiert. Der Grund für mich, in die CDU einzutreten, war die europäische Einigung. Dieses große Friedensprojekt des letzten Jahrhunderts nach den Weltkriegen war für mich entscheidend. Das ist auch nach wie vor mein Antrieb, dass wir die europäische Integration vorantreiben.

Meryem Celikkol: Weil ich mich für die Themen interessiere, für die ich auch einstehe. Wenn man engagiert ist und etwas bewirken möchte, dann muss man etwas dafür tun. Nur sitzen und sagen „die Welt ist so schlecht“, das geht nicht. Meine Anliegen sind Integration und Migrationsarbeit, und da fiel die Entscheidung schnell.

WB: Welche politischen Erfolge haben Sie erreicht?
Kahrs: Wir haben in den letzten vier Jahren viel für Hamburg getan. Das neue Hafenmuseum für 120 Millionen, wir haben den Viermaster „Peking“ zurückgeholt. Ich habe das Geld für die Sanierung des Bismarck-Denkmals mit organisiert. Wir haben für die Sportplätze im Hamburger Osten Geld organisiert, damit aus Grandplätzen Kunstrasenplätze werden. Das Museum der Arbeit bekommt ein neues Torhaus, das Museum für Hamburgische Geschichte wird saniert. Außerdem setzten wir uns ein für die Sanierung der Autobahnen und des Nord-Ostsee-Kanals.

de vries: Ich habe zehn Jahre Kommunalpolitik gemacht im Bezirk Mitte, jetzt in der Bürgerschaft. Ich habe viel durchgesetzt, glaube ich, im Bereich Kita-Politik, Kita-TÜV, dass wir eine Qualitätssicherung bei der Kinderbetreuung haben. Ich habe mich eingesetzt für das Thema Kinderschutz, einen Parlamentarischen Untersuchungsausschuss initiiert, nachdem junge Mädchen zu Tode gekommen sind in Hamburg. Mit dem Ergebnis, dass viel verbessert worden ist.

Celikkol
: Ich mache regionale Politik, das ist bescheiden und klein. Aber auch da gibt es einige Punkte. Ich verstehe mich als Brückenbauerin zwischen den Kulturen und den Institutionen. Da müssen wir aufklären, Vorurteile und Vorverurteilungen abbauen. Einfach nur durch den direkten Kontakt.

WB: Was sind aktuell die wichtigsten Probleme in Ihrem Wahlkreis?
Kahrs: Wir haben das Problem bezahlbare Wohnungen. Man muss neu bauen, das hat Olaf Scholz gut hingekriegt. Wir müssen aber auch die Grünflächen erhalten. Das ist der Spagat, den wir hinbekommen müssen. Wir müssen bezahlbare Wohnungen bauen, deshalb geben wir als Bund auch viel Geld für den sozialen Wohnungsbau an Zuschüssen.

de vries: Ein großes Thema ist die Innere Sicherheit. Wir haben wieder eine starke Drogenszenen. St. Pauli und St. Georg sind in den letzten Jahren schlimmer geworden. Überhaupt das ganze Thema Sauberkeit und Sicherheit. Man muss nur an den Hauptbahnhof gehen. Das ist keine schöne Visitenkarte für unsere Stadt. Und dann haben wir in Mitte viele Menschen, die von staatlichen Leistungen abhängig sind. Wir haben eigentlich eine tolle wirtschaftliche Entwicklung unter Angela Merkel, aber das ist im Wahlkreis noch nicht so angekommen.

Celikkol: Wichtig ist der Umgang mit Menschen anderer Kulturen. Wir reden nicht mehr über die Gastarbeiter, sondern die dritte Generation, die eine Identitätskrise hat. Die sind hier geboren und aufgewachsen, besinnen sich aber doch auf die Identität der Herkunft der Eltern. Das andere ist der Umgang mit Geflüchteten, das sehe ich auch in meinem Wahlkreis. Einige sind sehr offen, andere haben Vorbehalte. Da muss man stärker aufeinander zugehen.

WB: Wenn Sie gewählt werden würden, was wäre Ihre erste politische Initiative im Bundestag?
Kahrs: Ich bin ein großer Fan der Bürgerversicherung. Ein Gesundheitssystem für alle, dass es nicht mehr privat und gesetzlich Versicherte gibt. Und bei der Rente wollen wir anders als die CDU bei 48 Prozent bleiben, wir wollen keine Rente mit 70. Je nachdem, wann man angefangen hat, geht man nach 45 Beitragsjahren in Rente.

de vries: Bei uns spielen die Familien eine große Rolle. Wir wollen das Kindergeld und die Freibeträge erhöhen. Das finde ich eine sinnvolle Maßnahme. Die Politik muss die Gesellschaft ermutigen, Kinder zu bekommen, damit sie eine Zukunft hat. Ich würde mich aber auch der Inneren Sicherheit und den Gefahren von Islamismus und Terrorismus annehmen.

Celikkol: Das erste wäre ein Gang zum Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Ich würde schauen, ob man da einige Bemühungen nicht etwas verstärken könnte. Ich weiß aus juristischen Quellen, das Einiges dort noch nicht so läuft, wie es laufen sollte.

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