Chance für junge Künstler

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Die Kunsterzieherin Sabine Ziesenitz-Pulver (l.) mit den Atelierstipendiatinnen Anna Grath (Mitte) und Anik Lazar Foto: Grewe
 
„Synth Grow“, Baugerüst, nennt sich diese eigenwillige Kreation von Anik Lazar (2015) Foto: wb

Kultur- und Schulbehörde vergeben Stipendium. Zwei Jahre mietfreies Atelier

Von Elke Grewe
Billstedt
„Man kann machen, was man will.“ Die Freiheit, als Künstler nicht in ein enges „Korsett“ gepresst zu werden, ist für Anna Grath (31) und Anik Lazar (32) das A und O für ihren Beruf. Dafür nehmen sie auch finanzielle Unsicherheiten in Kauf: „Dass man mal wieder nicht weiß, wie man die Miete bezahlen soll“, so Anna. Allerdings zu düster müssen die jungen Frauen die Zukunft nicht sehen: Sie haben sich weit über Hamburg hinaus bis New York durch diverse Ausstellungen schon einen Namen gemacht. Und sie sind beide ab März die glücklichen „Genießer“ eines Atelierstipendiums.
Zum achten Mal hat die Kulturbehörde und die Behörde für Schule und Berufsbildung zwei Atelierstipendien an bildende Künstler vergeben. Die 70 Quadratmeter großen Arbeitsräume befinden sich im Schul- und Bildungszentrum der Stadtteilschule Mümmelmannsberg, die vergangenes Jahr ihr 40jähriges Jubiläum feierte. Kultursenatorin Prof. Barbara Kisseler: „Das Projekt schafft sehr erfolgreich, Künstlerinnen und Künstlern verbesserte Arbeitsbedingungen zu bieten und zugleich einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Bildung an der Schule zu leisten.“ Anna Grath ist bereits in ihr Atelier mit der nüchternen Nummer 0627 eingezogen, Anik Lazar wird demnächst den Raum 0617 beziehen. Betreut werden die beiden von der Kunsterzieherin der Schule, Sabine Ziesenitz-Pulver, die bereits 16 Jahre an der Stadtteilschule unterrichtet.

Mietfreies Atelier


Aus über 20 Bewerbungen hat eine Jury die Hamburger Künsterlinnen Anna Grath und Anik Lazar für das Mümmelmannsberg-Studium, das einmalig in Hamburg ist, ausgewählt. Die Stipendiatinnen erhalten für zwei Jahre mietfrei einen Raum. Sie bekommen außerdem monatlich einen Materialkostenzuschlag von 250 Euro und zum Abschluss des Studiums von der Kulturbehörde einen Katalogzuschuss von 2.500 Euro.
Im Gegenzug geben die Künstle-rinnen den Schülern Einblicke in ihre künstlerische Arbeit. Sie sollen auch zusammen mit ihnen Projekte mit Bezug zur Schule und/oder dem Stadtteil entwickeln. Auch Schülergruppen von anderen
Schulen die Künstlerinnen in ihrem Atelier besuchen.

Kurse für Kunsterzieher


Jeweils einmal im Jahr für zwei Tage organisiert Sabine Ziesenitz Fortbildungen für Kunsterzieher, bei denen diese Anna Grath und Anik Lazar über die Schulter schauen können. „Zurück zu den Wur-zeln. Das ist das Ziel dieser Meetings“ so formuliert es Ziesenitz. Die Kunsterzieher sollte im Berufsalltag nicht betriebsblind werden und den Kontakt zur Kunstszene verlieren.
Anna Grath und Anik Lazar, zwei Künstlerinnen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Anna, die Besonnere, hat eine große Affinität zu Materialien. Ob Kunststoff, Wolle, Metall, Keramik oder Holz: Verschiedene Materialien fügen sich bei ihr zu einem spannenden Kunstobjekt zusammen.

Kunst aus Alltagsmaterialien


2014 hat die Absolventin an der Hochschule für Bildende Künste ihr Studium am Lerchenfeld abgeschlossen: „Auf meine Diplom-Ausstellung bin ich besonders stolz. Meine Kunstobjekte kamen in dem großen Raum sehr gut zur Geltung.“ Auch diverse Preise wie den Hiscox Kunstpreis hat sie eingeheimst. In ihrem neuen Reich erkennt man auf den ersten Blick Annas Liebe zu Alltagsmaterialien, die wohl geordnet an der Wand hängen und irgendwann von ihr in einem Kunstobjekt einen neuen Sinn erfahren Anik, die Temperamentvollere von den beiden Frauen, die für ein Foto auch gern mal Faxen macht, deckt mit ihren Objekten fast die ganze Kunst-Palette ab: Malerei, Zeichnungen, Skulpturen.
Ihre Themen ziehen sich durch verschiedene Genres. Sie fertigt zum Beispiel Skulpturen für eine Ballettbühne an. Faszinierend sind auch die malerischen Collagen, zum Beispiel das Werk Nr. 1 aus der Serie Cluster Poster mit einer Größe von 2,10 mal 1,60 Meter. Wie das Kunstwerk entstanden ist? Unter dem Stichwort „Radkappe“ hat die Absolventin der Hochschule für Bildende Künste Hamburg Fotos im Internet gesucht und einige ausgedruckt und ausgeschnitten. Anschließend wurden sie von ihr zu einem „Gesamtkunstwerk“ zusammengefügt. Über Förderungen und Preise kann sich Anik Lazar nicht beklagen. Erst 2014 erhielt sie das Klaus-Kröger Atelierstipendium im Künstlerhaus Sootbörn. Die Künstlerin hat sich mit ihren Werken schon einen hohen Bekanntheitsgrad geschaffen. Zirka 600 Euro muss man für einen echten „Lazar“ ausgeben.
Kunsterzieherin Sabine Ziesenitz, die zum zweiten Mal das zweijährige Atelierstipendium betreut, verrät stolz, dass die letzten beiden Stipendiatinnen Verena Issel und Annika Kahrs eine steile Karriere gemacht haben und auf internationalen Ausstellungen präsent sind. Man darf gespannt sein, wie Anna Grath und Anik Lazar die Kunstszene in Zukunft „aufmischen“ werden. (eg)
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1 Kommentar
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Erich Heeder aus Billstedt | 10.05.2015 | 07:40  
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