Chancengleichheit für Migranten

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Chancengleichheit für Migranten? Die Bezirkspolitiker aus Hamburg-Mitte diskutierten mit der Muslimgemeinde Ahmadiyya: (v.l.) Prof. Dr. Jochen Hanisch (Die Linke), Katharina Fegebank (Die Grünen), Johannes Kahrs (SPD), Billstedter Gemeindevorstand Zahoor und Ijaz Ahmad, Dirk Marx (CDU), Anne Alter (Piraten) Foto: Muslimgemeinde Ahmadiyya

Muslimgemeinde und Kutlturpalast diskutierten mit Politik über Integration

Von Mona Kampe
Billstedt. Wie stehen Sie zur doppelten Staatsbürgerschaft? Was heißt eigentlich „Integration“? Können anonymisierte Bewerbungsverfahren die Chancengleichheit von Migranten auf dem Arbeitsmarkt erhöhen? Die muslimische Gemeinde Ahmadiyya stellte den Bezirkspolitikern aus Hamburg-Mitte provokante und wichtige Fragen, die Menschen mit und ohne Migrationshintergrund beschäftigen.
Integration, Inklusion, Migrationshintergrund, Chancengleichheit - alltägliche Begriffe, die die moderne Gesellschaft prägen. Deutschland als Einwanderungsland, Hamburg als multikulturelle Stadt mit 500.000 Migranten, in Billstedt allein 48 Prozent. Doch wie stehen die Chancen dieser Menschen in der Gesellschaft, der Gemeinde, auf dem Arbeitsmarkt, in der Politik und den Medien wirklich? Wie integriert ist der Islam in der Weltstadt? Die Muslimgemeinde Ahmadiyya lud in Kooperation mit dem Kultur Palast Hamburg und seiner Intendantin Dörte Inselmann am Freitag vor der Bundestagswahl Bezirkspolitiker aus Hamburg-Mitte zu einer Informationsveranstaltung rund um Glaubensfragen, -themen und -politik ein. Prof. Dr. Jochen Hanisch (Die Linke), Anne Alter (Piraten), Katharina Fegebank (Die Grünen), Johannes Kahrs (SPD), Dr. Najib Karim (FDP) und Dirk Marx (CDU) standen Besuchern mit und ohne Migrationshintergrund Rede und Antwort und setzten sich mit dem brisanten und schwierigen Thema „Integration“ auseinander.

Gesellschaftliche Teilhabe

Alle Parteien sprachen sich im Rahmen der Diskussion unter Moderation von Gemeindemitglied Iftikar Malik für eine gesellschaftliche Teilhabe und Toleranz von Menschen mit Migrationshintergrund aus. Ein Miteinander mit Respekt und ein „Zusammenleben zusammen zu gestalten“, so dass Integration einmal die Norm und nicht die Ausnahme darstelle, ist anzustreben. Vor allem Sprach- und Kulturbarrieren müssten durch interkulturelle Öffnung und Förderung abgebaut werden.
Das Antidiskriminierungsgesetz und die doppelte Staatsbürgerschaft sind ein erster Schritt in diese Richtung. Im Mittelpunkt des Abends stand das Thema Chancengleichheit für Migranten auf dem Arbeitsmarkt sowie in öffentlichen Funktionen und Medien. Linke, Grüne und Piraten sprachen sich für ein anonymisiertes Bewerbungsverfahren aus, um die weit verbreitete Ansicht, Migranten seien niedrig qualifizierte Arbeitskräfte, aus den Unternehmensköpfen zu bekommen.
Eine Frauenquote von 50 Prozent innerhalb der Partei bestätigten nur die SPD sowie die Grünen, eine Migrantenquote hielt kein Vertreter für förderlich, Qualifikationen fördern sei das Ziel. Alle Parteien zeigten sich mit Offenheit gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund und würden diese als Mitglieder begrüßen. Lediglich die CDU gab auf Grund ihrer christlichen Konfession und Ausrichtung Berührungsängste mit dem Islam zu, die durch innerparteiliche Öffnung und ein Kennenlernen langsam behoben werden könnten. Durch eine Bewusstseinsänderung, Vorbilder und Ausbildungsoffensiven könnten zudem die Chancen für Migranten in den Medien und öffentlichen Funktionen erhöht werden.

Zukunftsmodell

Fazit der Diskussion ist für alle Parteivertreter, dass das Zukunftsmodell interkulturelle, moderne, offene Gesellschaft aktiv gefördert werden muss. „Kulturelle Differenzen müssen zunächst durch den Abbau der Barrieren im Kopf überwunden werden.
Das hat viel mit Haltung zu tun“, so Katharina Fegebank von den Grünen. Welche Parteien die Ahmadiyya-Gemeindemitglieder gewählt haben, bleibt geheim, das Thema Integration bedarf jedoch weiterer öffentlicher Diskurse und Öffnung.
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