Chaos vor der Schule dank Elterntaxi

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Ein Auto stoppt in der Feuerwehrzufahrt, ein Lieferwagen will hinein, zwei weitere kommen nicht vorbei: Alltag an den Schulen Foto: fbt
 
Eigentlich machen zwei Schilder darauf aufmerksam, dass sich im Steinadlerweg eine Schule befindet Foto: fbt

Gebrüder-Grimm-Schule im Steinadlerweg kapituliert vor elterlichem „Bring- und Hol-Service“

Von Frank Berno Timm
Billstedt
Die Gebrüder-Grimm-Schule am Steinadlerweg ist nur ein Beispiel: Morgens und mittags beziehungsweise nachmittags bringen viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule und holen sie wieder ab. Doch weder Straße noch Bürgersteig an der Schule sind auf den Verkehr eingerichtet: Immer wieder kommt es zu gefährlichen Situationen. Am vergangenen Mittwoch, kurz vor Schulbeginn, bestätigt eine Mutter die Probleme am Steinadlerweg: „Die parken kreuz und quer“, sagt sie. Die Kinder hätten Schwierigkeiten, sicher zwischen den Autos über die Straße zu kommen. Und während die Mutter noch redet, kann man beobachten, was sie meint: Ein Auto biegt in die Feuerwehrzufahrt auf das Schulgelände ein, zwei weitere haben keinen Platz mehr, vom Schiffbeker Weg kommt ein Lieferwagen, der auch aufs Schulgelände will – der „Verkehrskollaps“ ist perfekt.

Keine „Drive-In-Schule“

Am Abend vorher hat der Regionalausschuss Billstedt beschlossen, dass geprüft wird, den Steinadlerweg zu einer Spielstraße zu machen. Autos müssten dann Schritt fahren, Fußgänger hätten entsprechend Vorrang, geparkt werden dürfte nur auf dafür ausgewiesenen Flächen. Schul-Standortleiter Lars Sojak und Hausmeister Frank Harder bestätigen ebenfalls, dass dringend etwas passieren muss. Harder berichtet, Eltern hätten gefragt, wo sich hier denn der Parkplatz befände, auf den man sein Auto abstellen könne. „Wir machen hier noch eine Drive-In-Schule“, scherzt er bitter und macht klar, dass längst Autos, die sich in die Feuerwehrzufahrt stellten, regelmäßig der Polizei gemeldet werden.

Problem ist weit verbreitet

Doch die Schule am Steinadlerweg ist nicht die einzige, an der es dieses Problem gibt. Paulus-Schulleiter Rainer Busenbender berichtet am Dienstag im Ausschuss der Bezirksversammlung, dass es auch an seiner Schule Ärger gibt. Vor vier Jahren habe der Bezirk darum gebeten, die Eltern zu veranlassen, auf der Rückseite des Schulgebäudes auf dem Parkplatz Reclamstraße ihre Kinder aussteigen zu lassen, dafür sei eine kleine Kehre angelegt worden. Nun ist die Verunsicherung groß, weil der Parkplatz gebührenpflichtig wurde (das Hamburger Wochenblatt berichtete). Außerdem hat der Bezirk laut Busenbender jetzt darum gebeten, wieder auf den Öjendorfer Weg zurückzugehen – der ist kaum breiter als der Steinadlerweg. „Wir fühlen uns nicht sehr gut damit“, so Busenbender – ab September kehrten die 420 wegen der Bauarbeiten am Öjendorfer Weg an die Steinbeker Marktstraße ausquartierten Kinder wieder zurück, damit sei ein Durcheinander programmiert. Die Mutter vom Steinadlerweg nennt noch eine dritte Schule, an der es Schwierigkeiten gibt: In Oberschleems hielten sich die dortigen Autofahrer nicht an die bestehende Tempo-30-Zone. Und Gerd Hörmann, Nachbar am Steinadlerweg, ist Schulbusfahrer und holt Grundschulkinder am Fuchsbergredder ab: Auch dort gibt es Durcheinander, wie er berichtet. Macht insgesamt mindestens vier Schulen mit dem gleichen Problem. Sorina Weiland, Sprecherin des Bezirksamts Mitte, erklärt, an der Paulusschule müsse man zwischen einer temporären Lösung und der langfristigen Andienung unterscheiden. Mit der ersteren ist der „Hol- und Bringdienst“ über den Parkplatz Reclamstraße gemeint, dort habe sich die Lage „wesentlich entspannt“.

Bezirksamt wirbt für Fußweg zur Schule

An einer längerfristigen Lösung werde derzeit gearbeitet, sie solle gemeinsam mit der Schule entwickelt werden. Die Rede ist offensichtlich von elf Parkplätzen für die Eltern auf dem Reclamstraßen-Platz, deren Kosten sich Bezirk und Schule teilen könnten. Man solle, fügt Sorina Weiland hinzu, „darüber nachdenken, ob es erforderlich ist, die Kinder mit dem Auto zu bringen“, gerade bei den Stadtteil-schulen. Michael Ahrens aus der straßenverkehrsbehördlichen Abteilung der Billstedter Polizei sagt, das Problem mit Stockungen und teilweise gefährlichen Situationen am Steinadlerweg und den anderen Schulen sei „seit Jahren bekannt“. Das Thema flamme immer wieder neu auf, die Straßenverkehrslehrer der Polizei bemühten sich um Aufklärung an den Schulen, die Gespräche dort seien darüber hinaus „einvernehmlich“. Man rate dazu, die Kinder früher aussteigen und den Rest des Weges zu Fuß gehen zu lassen. Gegen Geschwindigkeitsübertretungen setze die Polizei ihr Display- oder das Verkehrsstatistikgerät ein, dann würden entsprechende „Maßnahmen“ ergriffen.

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