Damals am Schiffbeker Weg

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Spiel auf der Straße: In der Vogelsiedlung wurden von der Nordwestdeutschen Siedlungsgesellschaft ab 1950 zweigeschossige Mietshäuser, Reihenhauszeilen und Doppelhäuser errichtet Foto: Geschichtswerkstatt
 
Nach Ende des Zweiten Weltkrieg entstanden am Schiffbeker Weg kleine Siedlungshäuser, auch am Schiffbeker Moor Foto: Geschichtswerkstatt

Geschichtswerkstatt blickt mit Ausstellung und Buch auf die Siedleranfänge

Billstedt Vom 9. bis zum 18. April zeigt die Geschichtswerkstatt Billstedt im Bill-stedt Center eine umfangreiche Ausstellung über die Geschichte der Siedlungen am Schiffbeker Weg. Der Bereich beiderseits des Schiffbeker Wegs wird heutzutage geprägt von weitläufigen Einzel-, Doppel- und Reihenhausgebieten, die für viel Grün und Lebensqualität in Billstedt stehen. Im Einzelnen sind dies die frühere Siedlungsgenossenschaft Schiffbeker Höhe, die Heimgärten, die Siedlung am Schiffbeker Moor, Märchensiedlung, Vogelsiedlung und Ostpreußensiedlung sowie Goldkoppel, Rehkoppel und einige weitere ehemalige Kleingartengebiete.

1920 ging es los


Die Anfänge der Bebauung gehen auf die 1920er Jahre zurück. „Der wesentliche Ausbau fand in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg statt, in Teilen zog er sich bis in die 1980er Jahre hin“, sagt Ralph Ziegenbalg, Leiter der Geschichtswerkstatt. Zum einen waren es vielfach Gartenlauben, die nach den schweren Luftangriffen auf Hamburg im Juli 1943 notdürftig zu Behelfsheimen ausgebaut worden sind und später durch massive Neubauten ersetzt wurden. Zum anderen gehen gleich mehrere Komplexe auf eine staatlich gelenkte Wohnungsbautätigkeit aus den frühen 1950er Jahren zurück.
In den vergangenen vier Jahren hat Ziegenbalg sich darum bemüht, die Geschichte dieses Gebietes, das ursprünglich den größten Teil der Feldmark des Dorfes Schiffbek ausgemacht hat, aufzuarbeiten. Das Team hat Interviews mit 40 Bewohnern geführt und ihre Erzählungen in 51 Themengebiete gruppiert. So gibt die Ausstellung auch Aufschluss über den Alltag damals, über die Anfänge der Strom- und Wasserversorgung, über die Entwicklung von Einzelhandel, Schule, Kirche und Verkehrswesen, aber auch über die Beschaffung von Bau- und Brennmaterial, den Gartenbau und die Tierhaltung, Hygiene und Entsorgung, Vereinswesen, Geselligkeit, Freizeitgestaltung sowie Kindheit.Ergänzt werden diese Erinnerungen durch zahlreiche Fotos und Karten, die die Hobbyhistoriker bei den Gesprächspartner einsammeln konnten.
Im Mai jährt sich das Ende des Zweiten Weltkrieges zum 70. Mal. Auch vor diesem Hintergrund ist die Ausstellung interessant. „Obwohl Billstedt, zu dem Schiffbek im Jahr 1927 mit Kirchsteinbek und Öjendorf zusammengeschlossen wurde, erst seit 1937 zu Hamburg gehört und ganz an dessen östlichem Rand liegt, wird die Situation in der Hansestadt in Krieg und Nachkriegszeit hier sehr gut greifbar“, sagt Ralph Ziegenbalg. Dies liegt nicht nur an den zahlreichen Behelfsheimen und Wohnungsbauten aus den frühen 1950er Jahren, in denen viele ausgebombte Hamburger untergekommen sind, sondern auch daran, dass es in unmittelbarer Nachbarschaft eine große Flakstellung gab, die immer wieder von alliierten Flugzeugen angegriffen wurde, wobei häufig auch die Siedlungen getroffen wurden.
Außerdem befanden sich in dem Bereich ein Segelflugplatz, der von der Wehrmacht für die Pilotenausbildung genutzt wurde, sowie ein Lager mit russischen Kriegsgefangenen. Und schließlich marschierten die englischen Truppen nach der kampflosen Übergabe Hamburgs just durch die am Schiffbeker Weg gelegenen Siedlungen in die Hansestadt ein.
Das Buch zur Ausstellung hat 152 Seiten und bietet Fotos, Karten und weitere Dokumente. Es kostet 20 Euro und ist in der Geschichtswerkstatt Bill-stedt sowie in der Thalia-Buchhandlung im Billstedt-Center erhältlich. Das Projekt wurde vom Bezirk Hamburg-Mitte bezuschusst und vom Billstedt Center unterstützt. (wb)
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