Das A und O der Kirchen-Architektur Hamburgs

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Der halbrunde Altarraum der markanten Kirche Fotos: Dombert
 
Das Mausoleum der Familie Sieveking. Der künstliche Hügel wurde aufgeschüttet, damit die Familie es von ihrem Wohnsitz aus sehen kann Foto: Dombert

Neue Serie „Die Kirchen in Hamburgs Osten“. Teil 1: Die Hammer Kirche seit 1693

Den Auftakt unserer Serie „Die Kirchen in Hamburgs
Osten“ bildet heute die Hammer Kirche


Von Stefan Dombert
Hamburg. Die Hammer Kirche wurde in den Jahren 1956 und 1957 gebaut. Ihre Größe sollte dabei an die ehemalige Bedeutung für den Hamburger Osten anknüpfen, die die Hammer Dreifaltigkeits-Kirche seit 1693 innehatte und noch heute hat. Sie gehört zu den bedeutendsten Kirchenbauten der Nachkriegszeit in Deutschland und steht unter Denkmalschutz.
Ihr Baukonzept sollte Geborgenheit und Bescheidenheit symbolisieren – Eigenschaften, die man nach der Naziherrschaft und dem Krieg vermisste. Der Beton ist nicht verputzt, die Steine nicht verdeckt – die bauweise steht für Transparenz und Ehrlichkeit. Ihre Frontmauern haben einen leichten Bogen, so dass sie den Stadtteil Hamm und seine Bewohner „umarmen“.

Das A und Ω der Architektur

Alpha und Omega – der erste und der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets sind das Symbol für Anfang und Ende, für Gott und für Christus als den Ersten und Letzten. Sieht man sich den Turm der Kirche an sieht man, dass er dem „A“ gleicht. Der Grundriss des Kirchenschiffes gleicht dem „Ω“, also dem Ende alles Vergänglichen. Durch diese Symbolträchtigkeit, aber auch den Baustil selbst, polarisiert die Kirche bis heute. So hatten vor ihrem Bau 60 Prozent der Hammer gegen diesen Entwurf gestimmt – wurden aber vom Hamburger Bischof überstimmt.

Eine Kirche voller Geschichte – von Napoleon bis heute

Als Napoleon Anfang des 19. Jahrhunderts den Russen gegenüberstand, befand sich dazwischen das damalige Dorf Hamm. Es wurde von den Franzosen komplett niedergebrannt, um freies Schussfeld zu haben. Die Bewohner suchten Schutz – und fanden ihn in den frisch ausgehobenen Gräbern und den Mausoleen der Hammer Kirche.
Nachdem 1943 nicht nur die Kirche, sondern nahezu ganz Hamm im Bombenhagel dem Erdboden gleichgemacht wurde (Operation Gomorrha), war der einst bevölkerungsreichste Stadtteil ohne religiöses Zentrum. Deshalb beschloss der ökumenische Weltrat, in Hamm die erste Notkirche Deutschlands zu bauen, um den vom Krieg besonders hart betroffenen Einwohnern Halt im Leben zu geben.

Bedeutender Friedhof – bedeutendes Mahnmal

Auf dem Friedhof der Hammer Dreifaltigkeitskirche, der gerade restauriert wird, liegen bedeutende Persönlichkeiten wie Amalie Sieveking und die Familie Wichern. Doch steht dort auch ein Mahnmal, das eines der ersten seiner Art in Deutschland war: ein Mahnmal, das an ganz normale Menschen erinnert – an die Hammer Bevölkerung. Auch dieses Gedenken an „Otto Normalbürger“ ist typisch für unseren Stadtteil.
Ein Schwerpunkt der Hammer Kirche ist die Kultur. So ist der Oratorienchor von herausragender Qualität bezüglich Besetzung und künstlerischer Leitung. Doch auch die Jugendarbeit ist sehr stark, angefangen von gut besuchten Bibelwochen bis hin zu Jugendfreizeiten. Die Seniorenarbeit ist sogar staatlich gefördert, sodass ein großes Angebot an Veranstaltungen wie Literaturkreis und Gymnastikgruppe entstanden ist.

Obdach für sechs Wohnungslose

Seit Jahren bietet die Hammer Kirche im Winternotprogramm zudem sechs Wohnungslosen aus dem Bezirk ein Obdach.
Die Hammer Kirche hat es in jedem Fall verdient, mit besonderen Augen betrachtet zu werden – vielleicht schon beim nächsten Spaziergang den Horner Weg entlang.
Dreifaltigkeitskirche zu Hamburg-Hamm, Horner Weg 2, Tel.: 21 90 12-10,
Info@Hammer-Kirche.de 
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