Das Horner Grün ist noch jung

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Die Culinstraße im Jahre 1960 und... Foto: Archiv Saga/GWG im Besitz des Museums der Arbeit, Gerd von Borstel
 
...die Culinstraße heute Foto: Archiv Saga/GWG im Besitz des Museums der Arbeit, Gerd von Borstel

Ein Blick in die Geschichte der Culinstraße. Stadtgrün dem Krieg zum Opfer gefallen. Teil 6 der Serie

Horn In der heutigen sechsten Folge unserer Serie in Zusammenarbeit mit der Geschichtswerkstatt Horn werfen wir einen Blick auf das Stadtgrün und wählen als Beispiel die Culinstraße. Wer heute die Gelegenheit hat, Horn aus der Luft zu betrachten – und sei es nur mit Google Earth – wird bestätigen, dass man hier in einem extrem grünen Stadtteil lebt. Dazu tragen die vielen Parkanlagen aber auch Horns Straßenzüge bei.

Horns ältester Baum


Bei der Größe mancher Bäume vermuten viele, dass diese schon „uralt“ sein müssen. Dabei gibt es nur wenige Bäume, die noch im 19. Jahrhundert angepflanzt wurden. Ältester Baum ist die Buche neben dem Löwen im Blohms Park, vermutlich 1817 gepflanzt, nachdem Merck Grundeigentümer geworden war (siehe Folge 2). Ein Teil des alten Horner Baumbestandes verbrannte im 2.Weltkrieg oder wurde im sogenannten Hungerwinter 1946/47 von den Hornern gefällt und als Brennholz verteilt. Aufgrund der ungeheuren Kälte kam die Kohleversorgung aus dem Ruhrgebiet ins Stocken. Um nicht zu erfrieren, verschwanden die Straßenbäume in den Horner Öfen. So ist zum Beispiel eine solche Fällaktion auf dem Pagenfelder Platz fotografisch dokumentiert. Vereinzelnd blieben markante Exemplare davon verschont: Die Kanadischen Pappeln am Autobahnkreisel (1928 – 1938 gepflanzt), eine Reihe Ahorn-Bäume am Beginn der Sievekingsallee (1881 – 1891), Eichen auf dem Mittelstreifen der Washingtonallee (1928/1930), eine Eiche in der Straße „Beim Rauhen Haus“ (1876). Mit dem Wiederaufbau wurden natürlich auch neue Bäume gepflanzt. Wie schnell diese wachsen, zeigt der Mittelstreifen der Sievekingsallee, wo noch bis März 1976 die Straßenbahn rollte. Die Bäume dort sind also gerade einmal 40 Jahre alt.
Teilweise stehen schon Bäume in der dritten Generation in Horn. So wurde der Bestand rund um die Horner Rennbahn mit deren Bau ab 1858 angelegt. Nach dem Krieg fällte man auch hier fast alle Bäume am Rand der Rennbahnstraße. Ersetzt wurden diese durch schnellwachsende Pappeln, die 50 Jahre später – im Oktober 2006 – wiederum der Kettensäge zum Opfer fielen und durch Neuanpflanzungen ausgewechselt wurden.
Unser heutiges Vergleichsfoto zeigt die am 5. Oktober 1959 eingeweihte Culinstraße. Hier lagen vor dem Krieg noch Kleingartenkolonien, die aber zusammen mit ihrem Baumbestand in den späten 1950er Jahren abgebrochen wurden. Um den zunehmenden Wohnraumbedarf zu decken, entstanden auf dem Areal moderne Wohnbauten. Die ersten Häuser wurden im östlichen Teilstück rechts vom Bauerbergweg von privaten Investoren errichtet und 1960 bezogen. Der im Foto abgelichtete westliche Teil folgte kurze Zeit später. Bauherr war das gemeinnützige Wohnungsunternehmen „Freie Stadt“, heute SAGA. Das große Hochhaus am Beginn der Straße war 1961 als Wohnheim für Männer konzipiert. Heute leben dort überwiegend osteuropäische Wanderarbeiter aus dem Baugewerbe.

Straße im Wandel


Das Bild aus dem Jahre 1960 zeigt eine fast klinisch saubere Straße, an deren Rändern gerade das erste Rasengrün sprießt. Ein Baum ist weit und breit nicht zu sehen. Ganz anders das Bild aus dem Jahr 2015: Haushohe Bäume lassen viele Wohnungen ganz im Grün verschwinden.
Warum die Straße zu ihrem Namen kam, muss noch von den Historikern der Geschichtswerkstatt erforscht werden. Benannt ist sie nach Vater und Sohn Johann Andreas Culin (1826-1896) und Andreas Culin (1852-1931), die beide eng mit der Hamburger Straßenbahngeschichte verbunden waren. Der Vater war maßgeblich an der Entstehung der Hamburger und der Berliner Straßenbahn beteiligt. Er wurde 1866 als leitender Ingenieur beim Bau der Pferdebahn Hamburg-Wandsbek eingesetzt. Später wurde er sogar Direktor der Straßenbahn-Gesellschaft.
Der Sohn beschäftigte sich mit dem Gleisbau. Er gilt als Erfinder der einteiligen Straßenbahnrillenschiene. Die Rille gewährleistet immer einen freien Spurkanal, in dem der Spurkranz rollt. Sie hatten also mit dem Stadtteil direkt nichts zu tun, waren keine „Horner“. Lediglich der Umstand, dass wir bis September 1968 über ein Straßenbahndepot in der Horner Landstraße verfügten, könnte der Grund für die Namensgebung gewesen sein.
Die Geschichtswerkstatt Horn hat zurzeit Sommerpause. Mit der Radtour rund um die Stadtteilgrenze geht es am 5. September wieder los. Das nächste offene Archiv findet am 9. September statt. (gvb)

Lesen Sie auch: Die Geschichte vom Horner Berg. Teil 1

Lesen Sie auch: Villen in Blohms Park. Teil 2

Lesen Sie auch: Als Pelikane in Horn lebten. Teil 3

Lesen Sie auch: Wie Horn nach 1945 neu entstand. Teil 4

Lesen Sie auch: (Fast) auf dem Trockenen. Teil 5

Weitere Infos zum Stadtteil Horn und seiner Historie gibt es online auf www.geschichtswerkstatt-horn.de
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