Das letzte Mittel

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Am Bullerdeich brachte die Feuerwehr brachte Bewohner in Sicherheit Foto: pressandart
 
Am Bullerdeich wohnen auffällige Flüchtlinge Foto: pressandart

Stadt mit Unterbringung von Flüchtlingen überfordert. Junge Flüchtlinge notfalls auch in geschlossene Einrichtung

Von Marco Dittmer
Hammerbrook
Immer wieder gibt es Probleme mit minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen, (MuFl). Tragischer Höhepunkt war eine Bluttat in Wilhelmsburg, bei der ein 17-Jähriger durch eine Messerattacke in einer Schule getötet wurde. Am Bullerdeich in Hammerbrook brannte ein Wohncontainer in der Flüchtlingsunterkunft. Ursache war offenbar Brandstiftung. Die Feuerwehr rückte mit mehr als 50 Einsatzkräften zu einem Großeinsatz aus. Täter und Opfer waren minderjährige unbegleitete Flüchtlinge, von der Polizei auch MuFl genannt. Ein kleiner Teil der rund 1500 in Hamburg lebenden jugendlichen Flüchtlinge stellt die Sozialbehörde und die Polizei immer wieder vor große Probleme. Sie fallen seit Monaten durch skrupelose Gewalttaten, Einbrüche und Überfälle auf. In besonders schweren Fällen könnte die Sozialbehörde in Zukunft jugendliche Flüchtlinge auch in einer geschlossenen Einrichtung unterbringen. Das teilte die Behörde auf Wochenblatt-Anfrage mit.

Gericht entscheidet


„Voraussetzung hierfür ist aber, dass alle anderen Möglichkeiten der Jugendhilfe erfolglos ausgeschöpft wurden“, sagt Marcel Schweitzer, Sprecher der Sozialbehörde. Ein Familiengericht würde darüber entscheiden. Dafür sei laut Sozialbehörde ein sozialpsychiatrisches Gutachten und ein Antrag des Amtsvormundes notwendig. Hamburg ist seit eineinhalb Jahren auf der Suche nach einem Standort für eine geschlossene Unterbringung. Eine Lösung scheint nun in Sicht. Seit wenigen Wochen spricht die Stadt mit Bremen über einen entsprechende Einrichtung. Die Verhandlungen sind bereits vorangeschritten. Offenbar ist noch zu klären, ob Bremen jugendliche Straftäter aus Hamburg aufnehmen kann. Eine Alternative zu den vorhandenen Angeboten scheint dringend nötig. Denn einige Jugendliche entziehen sich jedem pädagogischen Konzept und Betreuung.
Die Polizei geht mittlerweile davon aus, dass ein Bewohner das Feuer am Bullerdeich gelegt hat. In der Unterkunft wurden vor nicht einmal drei Wochen jene jungen Flüchtlinge zwischen 14 und 17 Jahren gebracht, „die durch ihr Verhalten in den anderen Einrichtungen (...) den Betrieb erheblich stören würden“, so beschrieb die Sozialbehörde die Gruppe von rund 30 Jugendlichen vor dem Einzug.
Die Jugendlichen waren zuvor an der Feuerbergstraße in Barmbek untergebracht, wo sie monatelang mit Gewalttaten und Einbrüchen auffielen. Viele von ihnen werden bei der Polizei als Intensivstraftäter geführt. „Bei diesen Flüchtlingen handelt es sich um Jugendliche, die teilweise seit Jahren auf der Straße leben und keinerlei Erziehung genossen haben. Drogen- und Suchtprobleme kommen erschwerend hinzu“, sagt Marcel Schweitzer von der Sozialbehörde. Die Unterkunft am Bullerdeich unterscheidet sich deutlich von anderen Erstaufnahmeheimen in Hamburg. Der hohe Sicherheitszaun und die Flutlichtanlagen erinnern eher an ein Gefängnis als an eine Unterkunft für Jugendliche. Auch das Betreuungskonzept ist ein anderes. Zu dem Angebot gehören Anti-Aggressionstraining, Verhaltenstraining, Sport- und Sprachkurse. Der jüngste Brand in der Unterkunft ist jedoch ein Rückschlag für die vier Pädagogen am Bullerdeich.
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6 Kommentare
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Rainer Stelling aus St. Georg | 22.04.2015 | 09:38  
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Elke Noack aus Rahlstedt | 23.04.2015 | 10:38  
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Elke Noack aus Rahlstedt | 23.04.2015 | 10:54  
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Michael Kahnt aus Barmbek | 24.04.2015 | 12:11  
1.240
Elke Noack aus Rahlstedt | 24.04.2015 | 16:19  
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Elke Noack aus Rahlstedt | 24.04.2015 | 16:26  
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