„Das sind die Ärmsten der Armen“

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Am U-Bahnhof Billstedt schlafen Menschen regelmäßig unter freiem Himmel Foto: wb
 
Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer fordert Schlafplätze für Obdachlose Foto: wb

Hinz & Kunzt-Sprecher fordert Schlafplätze für Wanderarbeiter. Sozialbehörde verweist auf Pik As

Von Mathias Sichting
Billstedt
Die Zustände am U-Bahnhof Billstedt sind nach wie vor erschreckend. Obdachlose Wanderarbeiter schlafen in Lagern unter freiem Himmel. Kleidungsstücke, Fäkalien und Reste der Nächte werden tagsüber sichtbar (das Wochenblatt berichtete). Immer mehr Anwohner beschweren sich per Leserbrief über die Zustände. In einem Fernsehbeitrag von Hamburg1 ist inzwischen vom „Wohnzimmer Busbahnhof“ die Rede. Das Wochenblatt hat mit Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer von Hinz&Kunzt gesprochen.
„Das sind die Ärmsten der Armen. Sie leben in desaströsen Zuständen. Die Wanderarbeiter werden hier bleiben, weil sie immer für zwei oder drei Euro eine Arbeit finden und es ihnen dadurch immer noch besser als in ihrer Heimat geht. Die haben nicht vor zurück zu gehen“, sagt Stephan Karrenbauer. Viele Billstedter fragen sich, wie man den Menschen helfen kann. Karrenbauer hat die Antwort: „Die Stadt muss Schlafplätze schaffen. Das Winternotprogramm ist toll. Nur stehen die Leute ab Frühling ohne Alternative wieder auf der Straße. Seit Anfang April sind das knapp 900 Menschen. Da darf sich niemand wundern, wenn die dann im Stadtbild auftauchen.“ Warum kann man dieses Notprogramm eigentlich nicht ganzjährig laufen lassen und so weitere Schlafplätze auch für die Flut der Wanderarbeiter schaffen? Marcel Schweitzer, Sprecher der Sozialbehörde: „Aus dem Winternotprogramm kann kein Jahresnotprogramm werden, denn es handelt sich um einen anonymen Erfrierungsschutz. Obdachlose haben ganzjährig einen Anspruch auf eine öffentliche Unterbringung, wenn sie Rechtsansprüche haben und wohnberechtigt sind. Wanderarbeiter aus Südosteuropa zum Beispiel sind das in der Regel nicht. Es sei denn, sie haben in der Vergangenheit in Deutschland gearbeitet und ins Sozialsystem eingezahlt. Nicht wohnungsberechtigten Obdachlosen können zeitlich befristet im Pik As übernachten.“ Laut Karrenbauer ist diese Unterkunft für den großen Ansturm der Obdachlosen nicht ausgelegt. Nach der Reduzierung der Aufnahmekapazität aufgrund von Brandschutzbestimmungen finden hier noch 260 Menschen einen Schlafplatz. Der Bedarf ist jedoch weitaus größer, die Unterkunft jede Nacht voll. „Man kann nicht die Schlafplätze reduzieren, ohne Alternativen zu schaffen“, mahnt Karrenbauer. Der Eindruck, dass die Wanderarbeiter verschwinden, wenn man nichts für sie macht, ist seiner Meinung nach falsch. „Die Stadt muss dafür Sorge tragen, dass keiner auf der Straße schlafen muss. Leider ist der politische Wille nicht vorhanden“, so der Sozialarbeiter. Eine echte Chance haben die Wanderarbeiter auf dem ersten oder zweiten Arbeitsmarkt nicht. Allein die Sprachbarriere ist groß, oftmals fehlen Papiere. „Man darf dieses Thema nicht nur auf Billstedt und das Gebiet rund um den U-Bahnhof reduzieren. Das ist ein hamburgweites Problem und kann nur durch die Schaffung neuer Unterkünfte bekämpft werden“, so Stephan Karrenbauer. „Man braucht sich doch nur die Schlafplätze am Nobistor, am Rathausmarkt, nachts in der Mönckebergstraße, unter der Kennedybrücke und in unzähligen Hauseingängen anschauen. Diese Schlafplätze sind überfüllt. Wir dürfen uns nicht an diesen Anblick gewöhnen.“
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7 Kommentare
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Erich Heeder aus Billstedt | 26.06.2015 | 15:09  
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Rainer Stelling aus St. Georg | 30.06.2015 | 06:55  
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Erich Heeder aus Billstedt | 30.06.2015 | 07:08  
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Rainer Stelling aus St. Georg | 30.06.2015 | 12:51  
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Erich Heeder aus Billstedt | 30.06.2015 | 18:02  
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Rainer Stelling aus St. Georg | 30.06.2015 | 18:36  
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Erich Heeder aus Billstedt | 30.06.2015 | 18:54  
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