Der etwas andere Familienbetrieb

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Das Show-Musikkorps Ahoy in Uniform: Rote Jacken, schwarze Hosen, Mütze mit weißem Federbusch Foto: Ahoy
 
Laufend im Takt! Trainiert wird in der Halle. Beim Marschieren ist der militärische Ursprung der Musikform gut erkennbar Foto: Christa Möller
 
„Unsere Freizeit ist Ahoy”, sagt Klaus Braun, hier mit Frau Heike (l.) und Sandra Lohse Foto: Christa Möller

Seit 40 Jahren macht der Musikzug Ahoy Musik – sogar in Shanghai

Von Christa Möller
Mümmelmannsberg
Heike Braun, 61, hat gemeinsam mit ihrem Mann Klaus, 66, ein besonderes Erbe angetreten: Von ihren Eltern hat das Ehepaar vor 14 Jahren einen Spielmannszug übernommen. Am 1. Oktober 1975 gründeten Erwin und Lissi Witt das Jugend-Show-Musikkorps Ahoy Hamburg. Der Verein hat sich schon damals eine aktive Jugendarbeit auf die Fahnen geschrieben. Die Jugendlichen sollten ihre Musik mit ihren Instrumenten spielen – Titel wie „Preußens Gloria“ oder „Alte Kameraden“ sind hier nicht gefragt. Stattdessen erklingt Musik von Michael Jackson, Abba, Udo Jürgens, aber auch mal Schlager aus den 60er Jahren. Bei nationalen oder internationalen Konzertwertungen spielt Ahoy außerdem klassische Musik und Musical-Titel.
Von Anfang an unterstützte Heike Braun ihre Eltern unter anderem bei der Choreographie eigener Shows, Klaus Braun engagierte sich als Betreuer. Ein Highlight der Vereinsgeschichte erzielte der junge Verein schon drei Jahre nach seiner Gründung bei der Welt-Musik-Olympiade Kerkrade in Holland mit der Gold- und Bronzemedaille – viele weitere Auszeichnungen sollten folgen. Als sich ihre Eltern 2001 aus der Vereinsführung zurückzogen, übernahmen Heike und Klaus Braun den Spielmannszug, dessen Vorsitzender Klaus Braun ist. Erwin Braun ist inzwischen verstorben, seine Frau Lissi, inzwischen 84, nimmt aber noch regen Anteil am Vereinsgeschehen und ist heute Präsidentin von Ahoy.
„Alle drei, vier Jahre gibt es eine neue Show“, erläutert Klaus Braun. Tochter Susanne Braun-Zinder, 41, bis vor kurzem musikalische Leiterin im Verein und aus beruflichen Gründen nur noch passives Mitglied, sei „in den Zug rein geboren“, wie Klaus Braun die enge familiäre Verbindung der Tochter umschreibt, die alle Instrumente gespielt habe. „Wir kaufen Noten speziell für Spielmannszüge, die aber auf die einzelnen Instrumente umgeschrieben werden müssen“ – ein späteres Aufgabenfeld seiner Tochter, das jetzt Stabführerin Sandra Lohse übernommen hat.

Marsch- und Showausbildung


Gemeinsam mit Heike Braun, die als Arzthelferin arbeitet, betreut sie den Nachwuchs. Seit dem vergangenen Jahr wird eine neue, eigene Show-Formation unter dem Titel „Made in Germany“ eingeübt. Denn das ist das Außergewöhnliche an diesem Verein: Die Mitglieder bekommen nicht nur die übliche Marschausbildung, sondern auch eine Showausbildung. Am Pfingstsonntag wird das Jugend-Show-Musikkorps zur Landesmeisterschaft ins schleswig-holsteinische Eutin fahren, „aber außer Konkurrenz, weil wir mit der neuen Show noch nicht soweit sind“, verrät Klaus Braun, denn „der Spaß an den eigenen Sachen soll im Vordergrund stehen.“

Junger Verein


Zwar feiert Ahoy im Herbst sein 40-jähriges Bestehen, trotzdem ist er ein junger Verein: Das Durchschnittsalter liegt bei bemerkenswerten 13 Jahren. „Bei uns stimmt die Frauenquote“, stellt Klaus Braun fest: Derzeit hat Ahoy 97 Mitglieder, von den 32 Uniformierten sind 23 Mädchen, und acht Anwärter ohne Uniform - darunter zwei Jungs. Viele Ahoy’ler kommen aus der Umgebung, einige aber auch aus Trittau, Rönneburg und Horneburg. Manche haben einen
Migrationshintergrund und Wurzeln in Ghana, Tunesien, der Ukraine, Polen oder Korea. Sie alle eint der Spaß an der Musik und der Formation. Mitmachen kann, wer acht Jahre alt ist – Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Eine Ausnahme bildet die erst siebenjährige Amy, die durch ihre älteren Geschwister auf den Geschmack gekommen und schon länger begeistert dabei ist. Das älteste aktive Mitglied ist 43. Sonnabends ab 14.30 Uhr ist in der Grundschule Mümmelmannsberg „Ausbildung in Bewegung“: eine Stunde Trockentraining für die ganz jungen, anschließend kommen die größeren Mitglieder und es wird gemeinsam eine Stunde mit Musik marschiert. Mittwochs ab 18 Uhr stehen in der Gesamtschule Öjendorfer Höhe musikalische Proben für Anfänger auf dem Programm und die älteren haben Gelegenheit, ihre Kenntnisse zu vertiefen. Ab 19 Uhr üben dann Anfänger und Fortgeschrittene.

Langer Weg zur Uniform


Allerdings sei es wichtig, dass die Mitglieder auch zuhause üben, betont Klaus Braun, der zu den Übungsterminen mit großem Anhänger vorfährt, in dem er die vereinseigenen Instrumente transportiert. Beim Nachwuchsbereich gibt es eine hohe Fluktuation, immerhin sei es „ein ganz schön langer Weg, bis sie Uniform haben“, sagt der 66-Jährige mit Blick auf die dafür nötigen zwölf bis achtzehn Monate Übungszeit. Besonders viele Anfragen für Auftritte gibt es zur Zeit der Laternenumzüge, die aber auf drei pro Woche begrenzt würden. Insgesamt kommen sie auf etwa 30 Auftritte im Jahr. Gern würden die Ahoy-Mitglieder übrigens auch noch Musiker aufnehmen, die schon Erfahrung gesammelt haben.
Verschiedene Flöten, aber auch Marching Bells (Glockenspiel), Xylophon, Marimbaphon, Snare (kleine Trommel), Base (Pauke) und Quint (Multitenortrommel) kommen bei Ahoy zum Einsatz. Vereinschef Klaus Braun spielt kein Instrument, aber „seit 1971, seit unserer Heirat, laufe ich mit der Musik spazieren.“ Und das offenbar mit großem Vergnügen, auch wenn das Laufen heute nicht mehr wörtlich zu nehmen ist. Die Hauptaufgabe des pensionierten Bundeswehrangehörigen ist die Organisation, unter anderem bezüglich der Finanzen.
Immerhin kostet jeder Auftritt den Verein Geld, wenn Fahrtkosten und Aufenthalt nicht bezahlt werden. Der Auftritt ist meist kostenlos. Und die Teilnahme soll für die Mitglieder möglichst kostenfrei sein, betont Klaus Braun. Bei fünf Euro Mitgliedsbeitrag kommt nicht viel Geld zusammen, aber zum Glück gebe es den ein oder anderen Sponsor. Und auch die Jugendbehörde unterstütze den Verein.
Die Beteiligung an Konzertwertungen kann sich das Jugend-Show-Musikkorps dennoch nur alle paar Jahre leisten, schlägt doch beispielsweise ein Bus täglich mit 900 Euro zu Buche, Verpflegungskosten für etwa 40 Teilnehmer kommen dazu.
Nicht nur in Norddeutschland sind die Musiker unterwegs, sondern auch bundesweit. 2012 bei den Deutschen Meisterschaften in Erfurt gab es zweimal Gold Marsch und Show sowie den Titel Deutscher Meister Show Senioren für die Mümmelmannsberger, die auch schon europaweit im Einsatz waren. Vor zwei Jahren ging es sogar für acht Tage zum Shanghai International Band Festival.

Mitsprache


Bei der Jahreshauptversammlung im Januar wurde der 2. Vorsitzende Kurt Krüger im Amt bestätigt. Neu gewählt wurden für den Elternrat Anja Schlüse, Wolf von der Osten und Michael Wilhelm. Als Jugendsprecher wurden Jan Merkel und Anna-Laura Quade im Amt bestätigt, neu dazu kommt Feliciya Cihangir. Als zusätzliche Betreuerin wählten die Mitglieder Christina Reinberg. Alle uniformierten Vereinsmitglieder, auch die ganz jungen, haben eine Mitspracherecht, wenn es beispielsweise um die Musikauswahl geht, können aber auch sonst ihre Ideen einbringen.
In den Sommerferien ist aus Anlass des 40-jährigen Bestehens eine Reise in den Mittelmeerraum geplant. Der große Jubiläumsball soll am 3. Oktober mit etwa 160 Gästen gefeiert werden.

Nähere Infos erteilt Klaus Braun unter 700 35 74. Oder Sie schauen ins Internet unter www.ahoy-hamburg.de
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