Der Kandidaten-Check

Anzeige
Bundestagswahl 2013
 
Johannes Kahrs, 49, ledig, keine Kinder, Wohnort: St. Georg, Hobbys: Sport, Lesen, Politik
   
Dirk Marx  (47), geschieden, ein Kind, Wohnort St. Pauli, Hobbys: Politik
 

Das WochenBlatt fragt Direktkandidaten aus HH-Mitte

Von Rainer Glitz
Hamburg. Angela Merkel oder Peer Steinbrück? Wer regiert künftig in Deutschland? Und wer kommt in den 18. Deutschen Bundestag? Wer wird die Bürger aus der Freien und Hansestadt Hamburg vertreten? Diese Fragen werden am 22. September bei der Bundestagswahl beantwortet. Gesucht werden 598 Abgeordnete. In Hamburg sind bereits 1.306.966 Wahlbenachrichtigungen verschickt worden. Dort ist vermerkt, in welchem Wahllokal man am 22. September zwischen 8 und 18 Uhr seine beiden Kreuze machen kann. Denn wie immer hat man zwei Stimmen: Die Erststimme ist für den Direktkandidaten in einem der bundesweit 299 Wahlkreise. Hamburg hat sechs Bundestags-Wahlkreise: Altona, Eimsbüttel, Bergedorf-Harburg, Mitte, Nord und Wandsbek. Mit der Zweitstimme wird die Partei gewählt. Das Bundesergebnis bestimmt dann, wie viele Kandidaten der Landeslisten nach Berlin gehen. In Hamburg stehen 107 Frauen und Männer auf 13 Landeslisten. Bei der letzten Bundestagswahl im Jahr 2009 waren es nur 76 auf elf Landeslisten. In der Hansestadt wird am 22. September aber nicht nur der neue Bundestag gewählt. Es findet zeitgleich der Volksentscheid über den Rückkauf der Strom-, Fernwärme- und Gasleitungsnetze statt. Die Stellungnahmen der Initiative „Unser Hamburg – unser Netz“ und der Bürgerschaftsfraktionen wurden mit der Wahlbenachrichtigung verschickt. Abstimmen dürfen beim Volksentscheid erstmals auch 16- und 17-Jährige.
Fünf Fragen für jeden
Das Hamburger WochenBlatt wird in den kommenden Wochen die Direktkandidaten der wichtigsten Parteien im Wahlkreis Hamburg-Mitte vorstellen. Wir haben allen dieselben fünf Fragen gestellt.

Johannes Kahrs (49), SPD

Größte politische Leistung?
Ich habe im Haushaltsausschuss durchgesetzt, dass die Sanierung der Hauptkirchen St. Katharinen und St. Nicolai mit jeweils etwa sieben Millionen Euro mitfinanziert wurde. Derzeit arbeite ich daran, dass die Sanierung des Bismarckdenkmals ermöglicht wird. Am schwierigsten war es, die 300 Millionen Euro für den Neubau der Schleuse am Nord-Ostseekanal durchzusetzen. Es fehlen 1,2 Milliarden für die Grundsanierung. 
Größter politischer Fehler?
Seit fünf Jahren arbeite ich mit einem Team an einem Konzept für den Bau  und den Betrieb eines  Auszubildendenwohnheimes. Ziel sind 150 bis 180 Millionen für 600 Zimmer für Auszubildende. Und ich will es in diesem Jahr noch in Sack und Pack haben, habe es aber noch nicht. Das Verfahren läuft, es ist aber noch nichts beschlossen.
 
Was haben Sie sich für die politische Arbeit in Berlin
vorgenommen?
Ich will jetzt im Haushaltsausschuss die Finanzierung der Elbvertiefung, der Grundsanierung des Nord-Ostseekanals, den Ausbau des Schiffshebewerkes in Scharnebeck und den Ausbau der A 20 mit Elbüberquerung durchsetzen.
Was hätte Mitte von Ihrer
Parlamentstätigkeit?
Ich setze mich für den Bau von bezahlbaren Wohnungen und den notwendigen Bau von Kindergärten ein. Die Mieten müssen für den normalen Menschen bezahlbar sein, deswegen bin ich für eine Mietpreisbremse und dafür, dass in Zukunft der Eigentümer den Makler bezahlen muss. Weitere Schwerpunkte sind die Finanzierung der energetischen Gebäudesanierung, die Sanierung von Straßen und der Ausbau von Fahrradwegen. Außerdem müssen im ÖPNV mehr Fahrstühle und Rolltreppen gebaut werden.
 
Wenn Sie nicht gewählt
werden...?
Dann suche ich mir einen neuen Job Ich komme aus der Wohnungswirtschaft, das hat mir sehr gefallen.

Dirk Marx (47) CDU

Größte politische Leistung?
Ich habe mich in den letzten Jahren stark für St. Pauli eingesetzt. Einer der Erfolge, die man natürlich nicht allein erreicht, ist, dass wir bei der Planung der Rindermarkthalle mit dazu beigetragen haben, dass St. Pauli nicht noch eine zusätzliche Veranstaltungshalle bekommen hat. Wir haben als erste erkannt, dass die Bevölkerung das nicht wollte.

Größter politischer Fehler?
Was ich mir immer vorwerfe, ist, dass ich bei der Delegiertenversammlung nach der vorletzten Wahl nicht aufgestanden bin und etwas gegen die Veränderung des Schulsystems gesagt habe. Ich war starker Befürworter der schwarz-grünen Koalition, allerdings waren wir, glaube ich, alle zu euphorisch.
 
Was haben Sie sich für die politische Arbeit in Berlin
vorgenommen?
Ich bin kleiner mittelständischer Unternehmer. Ich rege mich auf, dass dem deutschen Unternehmertum das Dogma umgehängt wird, wir würden die Leute ausbeuten. Wir dürfen nicht vergessen, dass der Mittelstand dieses Land auch durch diese Krise gebracht hat, dadurch dass er keine Leute entlassen hat, weiter ausgebildet hat und keine Steueroasen aufgesucht hat. Das muss honoriert werden, das heißt keine zusätzlichen Belastungen in diesem Bereich.

Was hätte Mitte von Ihrer
Parlamentstätigkeit?
Die Verkehrspolitik ist in Mitte ein großer Aufreger. Alle Parteien müssen sich vorwerfen lassen, dass sie sich in den vergangenen 30 Jahren nicht um die Infrastruktur gekümmert haben. Wir müssen uns überlegen: Brauchen wir nicht doch die Stadtbahn?

Wenn Sie nicht gewählt
werden...?
Dann mache ich weiter Politik, ich werde mich für die Bezirksversammlung bewerben. In der Politik muss man schon Dauerläufer sein, sonst kann man in Mitte nichts werden.

Najib Karim (40) FDP

Größte politische Leistung?
Als stellvertretender Landesvorsitzender ist es mir gelungen, dass die FDP Hamburg dem Bündnis gegen Überwachung beigetreten ist. Wir haben auch an den entsprechenden Demonstrationen für Bürgerrechte teilgenommen. Außerdem sind wir jetzt auch Mitträger im Erlassjahr. Das ist ein Bündnis vieler gesellschaftlicher Gruppen, die sich für die Entschuldung von Dritte-Welt-Ländern einsetzen.

Größter politischer Fehler?
Da fällt mir keiner ein. Vielleicht bin ich erst zu kurz in der Partei, um politische Fehler begangen zu haben.

Was haben Sie sich für die politische Arbeit in Berlin vorgenommen?
Da sind die Bürgerrechte ganz wichtig für mich. Dass wir da eine ganz klare Position gegenüber den USA haben, aber auch innerhalb Europas. Ansonsten halte ich die Energiewende für sehr wichtig. Man muss die Energiewende erfolgreich durchführen, aber die Geschwindigkeit vielleicht ein bisschen drosseln, damit die Stromkosten nicht explodieren.  
Was hätte Nord von Ihrer Parlamentstätigkeit?
Ich würde mich sehr für die Integrationspolitik einsetzen, und Mitte ist ein sehr vielfältiger Bezirk. Ich habe den Eindruck, dass diese in Berlin ein bisschen zu kurz kommt. Ich möchte für die Minderheiten in Mitte eine Lobby darstellen. Mitte ist außerdem von den Bausanierungsgesetzen betroffen. Da muss man gegensteuern, damit alles bezahlbar bleibt für die Bürger.
 
Wenn Sie nicht gewählt werden...?
Dann mache ich das, was ich bislang auch mache. Nämlich Kommunal- und Landespolitik für die FDP in Hamburg. Und ich hätte mehr Zeit für meinen Beruf und meine Hobbies.

Katharina Fegebank (36) Bündnis 90 die Grünen

Größte politische Leistung?
Mit Sicherheit, dass ich über fünfeinhalb Jahre Landesvorsitzende der Grünen in Hamburg bin. Ich habe es geschafft, die Partei recht sicher durch schwierige Zeiten zu bringen. Wir sind ein stabiler und gut funktionierender Landesverband mit vielen engagierten und motivierten Mitgliedern. Wir sind kampagnenfähig und inhaltlich gut aufgestellt. Das begreife ich in meiner jungen politischen Karriere als Erfolg.
 
Größter politischer Fehler?
Es ist kein persönlicher Misserfolg, aber was uns Hamburger Grüne schwer zu schaffen gemacht hat, ist der verlorene Volksentscheid zur Primarschule. Da haben wir tatsächlich Lehrgeld zahlen müssen. Im  Nachhinein war das aber auch eine nützliche Erfahrung, weil es die Art, wie wir Politik machen, die Haltung und den Stil unserer Kommunikations- und Dialogfähigkeit nachhaltig geprägt und verändert hat.
 Was haben Sie sich für die politische Arbeit in Berlin vorgenommen?
Ganz entschieden für die echte Energiewende kämpfen. Es wird im Moment blockiert und richtig geschlampt in der Umsetzung. Dabei ist die Energiewende die zentrale politische Herausforderung in den nächsten Jahrzehnten - in meinen Augen ist das eine Jahrhundertaufgabe.
Dann eine sozial gerechtere Gesellschaft, die schaffen wir durch die Einführung eines Mindestlohns, die Gleichstellung der Geschlechter treiben wir voran durch eine verbindliche Quote. Und eine Betreuungsregelung für Kinder vom frühestmöglichen Alter an, die wollen wir auch.
 
Was hätte Mitte von Ihrer Parlamentstätigkeit?
Mitte ist ein unglaublich heterogener Wahlkreis. Die Verkehrsproblematik ist ein entscheidendes Thema, das auch im Wahlkampf eine große Rolle spielt. Und auch die Frage der gleichberechtigten Teilhabe, der Chancengerechtigkeit. Der Kampf gegen jede Form von Armut, vor allem Kinder- und Altersarmut, ist ein Thema, das mir ganz besonders am Herzen liegt.
 
Wenn Sie nicht gewählt werden...?
…bin ich erst einmal weiterhin Grüne Landesvorsitzende und Abgeordnete der Hamburgischen Bürgerschaft. Und ich muss sagen: das bereitet mir große Freude!

Jochen Hanisch (64) Die Linke:
Größte politische Leistung?
Das ist natürlich schwer zu sagen, ob das immer individuell zurechenbar ist. Mein größter politischer Erfolg ist die Beteiligung an der Abschaltung der Atomkraftwerke.
Ich habe jahrzehntelang in der Umweltbewegung mitgearbeitet. Ich bin wissenschaftlich damit beschäftigt und habe im Grunde genommen viel dafür getan, dass die Energiewende sich durchsetzen konnte.
 
Größter politischer Fehler?
Ich habe zu lange das kleinste politische Übel gewählt. Denn Vieles ist ja nicht gelungen. Der Ausstieg aus der Atomkraft ist so ein Thema, oder eine gute Klimapolitik umzusetzen. Da waren wir noch nicht sehr erfolgreich damit. Was nicht so gut läuft ist auch die Bewältigung des Wandels von Wirtschafts- und Sozialstruktur.
Was haben Sie sich für die
politische Arbeit in Berlin
vorgenommen?
Ganz wichtig ist die Stärkung des sozialen Wohnungsbaus. Ein weiteres dringendes Erfordernis ist die Umweltpolitik, Klimawandel ist ein ganz großes Thema. Mir ist außerdem die frühkindliche vorschulische Bildung wichtig. Diese ist für die Persönlichkeitsentwicklung die wichtigste Phase überhaupt. Das wurde bislang stark vernachlässigt.
 
Was hätte Mitte von Ihrer
Parlamentstätigkeit?
Auch für den Wahlkreis steht der soziale Wohnungsbau ganz oben auf der Liste. Also die Verbesserung der Lebens- und Wohnumfeldbedingungen für Menschen mit Migrationshintergrund und niedrigem Einkommen. In Mitte spielt St. Pauli eine Rolle, die Festivalisierung dort, permanente Party, Millionentourismus. Auf der anderen Seite die Umwandlung des nördlichen Hafenrandes, die Veränderungen im Hafengebiet selbst bis hinunter zur Veddel, das sind ganz zentrale Themen.
 
Wenn Sie nicht gewählt
werden...?
Dann arbeite ich weiter in meinen Themenschwerpunkten, da ändert sich gar nicht so viel.

Henner Kühne (54) Freie Wähler:
Größte politische Leistung:
Ich bin viele Jahre in der SPD gewesen und habe in Billstedt einiges bewegt. Wir haben damals gemeinsam mit der evangelischen Gemeinde das Jobcafé in der Merkenstraße aus der Taufe gehoben. Dass das heute noch läuft und funktioniert, rechne ich mir auch als meinen persönlichen Erfolg an. Daran war ich intensiv beteiligt.
 
Größter politischer Fehler:
Ich habe die Hamburger SPD für wandlungsfähiger und flexibler gehalten als sie in der Tat ist. Ich habe die Beharrungsstrukturen erheblich unterschätzt und habe mir dort den Kopf blutig gerannt. Dass ich dort nicht weitergekommen bin, ist sicher ein Misserfolg.
 
Was haben Sie sich für die politische Arbeit in Berlin vorgenommen?
Wichtig ist Bürgerbeteiligung. Die Freien Wähler stehen für Volksbefragungen bis hin zur Direktwahl des Bundespräsidenten. Wir stehen für einen anderen Umgang mit dem Bürgerwillen. Wir sind gegen eine Privatisierung der Grundversorgung, wie etwa beim Trinkwasser. Ich bin für den Abbau von Bürokratie, Parteien sollten nicht mehr über Spenden finanziert werden. Ganz oben auf der Agenda steht aber Transparenz.
 
Was hätte der Wahlkreis Mitte von Ihrer
Parlamentstätigkeit?
Mitte ist in den vergangenen Jahren in Berlin durchaus vertreten worden. Ich meine aber, dass die Art und Weise dem Wahlkreis nicht gerecht wird. Eine direktere Vertretung, Mitsprache und Bürgerbeteiligung können Mitte nicht schaden.
 
Wenn Sie nicht gewählt werden...?
Ich habe mein Unternehmen, das ich führe. Daneben geht der Aufbau der Landes- und Bezirksorganisation der Freien Wähler weiter. Wir haben im kommenden Jahr Europawahl und Wahlen zu den Bezirksversammlungen in Hamburg, da kommt noch einiges auf uns zu.

Landeslisten für
Hamburg
 
CDU
1. Marcus Weinberg (Altona)
2. Rüdiger Kruse (Eimsbüttel)
3. Herlind Gundelach
4. Dirk Fischer (Nord)
5. Jürgen Klimke 

SPD
1. Aydan Özoguz
(Wandsbek)
2. Ingo Egloff
3. Inka Damerau
4. Niels Annen
5. Julia Odebrecht

FDP
1. Burkhardt Müller-Sönksen
2. Kurt Duwe
3. Sbastian Liebram
4. Astrid Siercke
5. Eva Parbs

Grüne
1. Anja Hajduk (Nord)
2. Manuel Sarrazin
3. Katharina Fegebank
(Mitte)
4. Maximilian Bierbaum
5. Anna Gallina

Die Linke
1. Jan van Aken
2. Sabine Böddinghaus
3. Cornelia Kerth
4. Hans-Joachim Hanisch
5. Kersten Artus

Freie Wähler
1. Wolf Achim Wiegand
2. Christian Walbe
3. Kai Connelly
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige