Der lange Weg zur „Horner Freiheit“

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... und so sah es elf Monate später aus Foto: GvB
 
Blick auf die Baustelle Anfang 2015... Foto: GvB

Von der ersten Idee bis zum Baubeginn des Stadtteilhauses vergingen zwei Jahrzehnte. Jetzt zieht die Bücherhalle ein. Teil 11 der Serie

Von Gerd von Borstel
Horn
In der heutigen Folge dieser Serie in Zusammenarbeit mit der Geschichtswerkstatt Horn machen wir einmal keinen großen Zeitsprung. „Morgen ist heute schon gestern“ – diese Weisheit beherzigen auch die Hobbyhistoriker des Stadtteilarchivs. Was heute in Horn passiert und für viele eine Selbstverständlichkeit ist, bleibt für zukünftige Generationen vielleicht ein schwer lösbares Rätsel, wenn es nicht schon jetzt dokumentiert und archiviert wird.
„Wieso baute man 2015 ein Stadtteilhaus und was stand denn hier vorher?“, würden sich dann vielleicht in hundert Jahren Neu-Horner fragen. So vergleichen wir heute zwei Bilder, die fast exakt im Abstand von einem Jahr aus dem Treppenhausfenster im 5. Stock des Hauses „Am Gojenboom 48“ gemacht wurden und werfen dabei einen Blick auf die Geschichte des neuen Stadtteilhauses. Und die ist länger als gedacht.

21 Jahre Planung


Das Bild links entstand am 7. Januar 2015. Im Dezember 2014 war die Pfahlgründung erfolgt und im Januar begann das Bauteam mit dem Erdaushub des Kellers. Das Bild rechts wurde am 11. Dezember 2015 aufgenommen – das Stadtteilhaus ist fast fertig! Die Geschichte des Hauses begann aber viel früher, nämlich bereits vor ziemlich genau 21 Jahren. Im April 1995 wurde das erste Mal bei der Zukunftswerkstatt der Stadtteilkonferenz über ein Stadtteilhaus für Horn nachgedacht. Es sollte dazu beitragen, den Stadtteil attraktiver zu machen und eine eigene Identität für Horn zu unterstützen. Zehn Jahre blieb es ein Traum, bis 2005 die Bezirksversammlung ein Gutachten in Auftrag gab, bei dem zusammen mit den Hornern eine Neugestaltung des Zentrums erarbeitet werden sollte. Als Resultat gab es ein Horn-Modell, auf dem das Stadtteilhaus erstmals konkret in Erscheinung trat. Wenn auch nur als kleiner Styroporklotz. Aber immerhin, der Anfang war gemacht.
Dann wurden Horn und Billstedt Stadtentwicklungsgebiet und im Oktober 2006 gab es bei einer Zukunftskonferenz wieder die Möglichkeit der Bürgerbeteiligung. Dabei war auch „Die neue Horner Mitte mit dem Stadtteilhaus“ ein Thema. Es bildete sich am 5.9.2007 eine AG „Ortszentrum“, die später dann in „Neue Mitte Horn“ umgetauft wurde. Sie reduzierte sich aber schon sehr schnell auf den Punkt in dieser „Mitte“ – das Stadtteilhaus. Am 8. August 2007 fand dann das erste Treffen der AG „Nutzergruppe” statt, die erste Anforderungen an Standort und Raumkonzept formulierte. Das Architektenbüro Knaack & Prell wurde der Arbeitsgruppe zur Seite gestellt. 16 Planungsskizzen sind seit 2007 von ihm und seinen Mitarbeitern gemalt worden, bis alles so war, wie es jetzt gebaut wurde. Es fing quadratisch an, wurde rechteckig, dann vieleckig, zuerst zweigeschossig, dann dreigeschossig und nun wieder zweigeschossig. Interessant: Die allererste Handskizze vom Dezember 2007 ähnelt wieder sehr stark dem heutigen Bau.
Nach einem Projektplan vom 15. Dezember 2011 sollte der Rohbau im August 2012 beginnen und am 1. Oktober 2013 bezugsfertig sein. Leider mussten aber einige Nutzer wegen Kürzung ihrer Etats den Raumbedarf zusammenstreichen und es kam dadurch zum Wegfall der zweiten Etage. Auf dem Stadtteilfest 2012 konnte dann erstmalig der neue Architektenentwurf vorgestellt werden, der – minimal modifiziert – so auch umgesetzt wurde. Im Dezember 2013 lag die Baugenehmigung vor und die Planungen gingen in die Endphase, die Gewerke in die Ausschreibung. Am 24. Mai 2014 fand im Rahmen des Stadtteilfestes der symbolische erste Spatenstich statt. Und dann war es tatsächlich so weit, woran viele schon gar nicht mehr zu glauben wagten: Am 5. November 2014 wurde der Bauzaun aufgestellt und einen Tag später rollte der erste Bagger an. Dann ging es Schlag auf Schlag: Am 10. Dezember waren alle 80 Stützpfähle gebohrt und der Kelleraushub begann. Einen Monat später war er komplett ausgehoben und am 23. Januar fand die symbolische Grundsteinlegung statt. Wiederum nur einen Monat später waren alle Wände des Kellers gegossen. Bevor der Beton für die Bodenplatte anrollte, wurde am 17. März der Grundstein in seiner endgültigen Position eingelassen. Eine Woche später war die erste Wand im Erdgeschoss errichtet; am 18. Juni gegen 18 Uhr kam die letzte Ladung Beton – der Rohbau war fertig. Das wurde am 2. Juli mit dem Richtfest zünftig gefeiert. Nun begann der Innenausbau: Zwischenwände in Trockenbau, Lüftung, Heizung, Verglasung, Elektroleitungen, sanitäre Einrichtungen, Fußböden, Außenanlagen – langsam nahm das Haus in den letzten Wochen immer mehr Gestalt an. Sogar die Markisen für den Außenbereich des Cafés sind schon montiert und Bäume und Büsche gepflanzt.

Festwoche im April


Der letzte Feinschliff erfolgt in diesen Tagen, damit am 19. Januar um 10 Uhr die Bücherhalle und das Café May eröffnen können. Alle übrigen Einrichtungen starten ab März ihren Probebetrieb. Die offizielle Einweihung mit Bundesministerin Barbara Hendricks findet am 25. April statt und ist der Auftakt einer Festwoche, deren Höhepunkt am 30. April das Stadtteilfest sein wird. Damit beginnt dann – fast auf den Tag genau – 21 Jahre nach der ersten Idee der reguläre Betrieb im Stadtteilhaus „Horner Freiheit“.

Info:
Mit 340 Fotos und ausführlichen Reportagen wurde der Bau im Internet dokumentiert. Weitere Infos: www.stadtteilhaus-horn.de. Die Geschichtswerkstatt
Horn bleibt wegen des Umzugs bis März geschlossen und öffnet ihr Archiv wieder am 13. April. Schon am 23. Februar und 8. März finden Vorträge im Saal der Horner Freiheit statt. Weitere Infos: www.geschichtswerkstatt-horn.de


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Lesen Sie auch: (Fast) auf dem Trockenen. Teil 5

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Lesen Sie auch: Nahverkehr im Wandel. Teil 7

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Lesen Sie auch: Take it easy, altes Haus! Teil 9

Lesen Sie auch: Der Rebell im alten Horn. Teil 10
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