Der Mängelbericht zur Legientraße

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Die U-Bahn Legienstrasse ist mit zwei Aufzügen und Rolltreppen – wenn sie denn funktionieren – barrierefrei zugänglich Foto: fbt
 
Matthias Winkler vom HVV misst die Kante des Bürgersteigs – sie ist zu hoch Foto: fbt

HVV listet rund um die U-Bahnstation auf. Hamburger sollen Melde-Michel für fehlenden Barrierefreiheit und marode Wege nutzen

Von Frank Berno Timm
Billstedt
In einem Pilotprojekt untersucht der Hamburger Verkehrsverbund (HVV), wie es um die Barrierefreiheit rings um die Legienstraße steht. Herauskommen soll ein Leitfaden für Verbesserungen – auch anderswo. Die Untersuchung geht weit über das übliche Verständnis von Barrierefreiheit hinaus und bezieht mehr als nur den Öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) mit ein. Matthias Winkler hat einen Zollstock dabei. Kurzerhand misst der HVV-Experte, wie hoch die Bürgersteigkante an der Ecke Legienstraße/Helma-Steinbach-Weg ist: „Sieben Zentimeter“, sagt Winkler. Das kann für jemand mit Rollator schon ein Hindernis sein. An einer anderen Stelle hat jemand sein Auto genau dort hingestellt, wo die Fußgänger eigentlich über die Seitenstraße gehen: Jetzt müssen sie auf den Radweg ausweichen – für Mobilitätseingeschränkte keine besonders gute Situation. Matthias Winkler berichtet von ausführlichen Gesprächen und zwei Workshops mit den Anwohnern. Sie sollten schildern, wo es unterwegs Hindernisse gibt. Das Billstedt-Center, zwei Lebensmittelmärkte in der Nähe und eine Apotheke seien die alltäglichen Ziele. Wer einen Rollator benutze, bewege sich langsamer, sagt Winkler, wenn es Schwierigkeiten gebe, heiße das Ergebnis schnell: „Bestimmte Wege lege ich nicht zurück“. Schon eine Kante zwischen zwei Belägen auf dem Fußweg kann ein Problem sein, erklärt der HVV-Mann und deutet auf einen Spalt an der Legienbrücke (die bald ersetzt wird). Der HVV hat dem Hamburger Wochenblatt umfassendes Material zur Verfügung gestellt, aus dem schnell weitere Beispiele deutlich werden: Allein an sieben Stellen in der Legienstraße wurden zu hohe Bordsteinkanten bemängelt. An elf Punkten, die auch in der Nachbarschaft der Straße liegen, ist der Wegebelag schlecht – Unebenheiten, Schlaglöcher, Kopfsteinpflaster. Die Legienstraße selbst, ergänzt Winkler, hat einen Zebrastreifen auf der Brücke und dann erst wieder eine Ampel an der Washingtonallee – Menschen, die sich nicht mehr gut bewegen können, kommen schlecht über die Straße. Und: Grüne Ampelphasen für Fußgänger werden häufig als zu kurz empfunden.

Beschwerden: Busfahrer helfen nicht


Laut Winkler sind derzeit rund 60 Prozent der Hochbahnstationen und etwa 80 Prozent der S-Bahnhöfe barrierefrei erreichbar. Aus seinen Unterlagen wird deutlich, dass die Gesprächspartner aber defekte Aufzüge und Fahrtreppen in der Legienstraße und Bill-stedt monieren und das Fehlen so genannter Hochborde – Haltestellenkanten, die das Einsteigen in den Bus erleichtern – für die Haltestellen Washingtonallee, Vierbergen und Billstedt anmahnen. Bemängelt wird auch der Ausgang des Aufzugs an der Horner Rennbahn, der in einen Radweg mündet. Kritisiert wird auch das Verhalten von Busfahrern, die nicht beim Ausklappen der Behindertenrampen helfen und das Absenken der Busse nicht aktivieren würden. Schließlich gibt es zu wenig Platz für Kinderwagen, Rollstühle und Rollator in den Bussen – es entsteht Konkurrenz unter den Benutzern. Positiv, erzählt Winkler, sei die Einrichtung der Aufzüge an der Legienstraße gesehen worden. Verlangt das EU-Recht nicht ziemlich umfassende Barrierefreiheit? Matthias Winkler antwortet für den Nahverkehr, das zuletzt novellierte Personenbeförderungsgesetz sehe vor, dass bis 2022 die Barrierefreiheit erreicht und dokumentiert sein müsse, wo das nicht möglich sei. Nächster Schritt des Pilotprojekts an der Legienstraße sei nun, einen Leitfaden zu formulieren, er soll nächstes Jahr fertig sein. Außerdem gebe es Kontakte mit dem Bezirk Mitte und dem Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG). Matthias Winkler stellt seine Ergebnisse am 6. September im 44. Quartiersbeirat vor. Wer auch sonst in Billstedt, Horn oder der Stadt Hamburg unterwegs ist, realisiert durchaus, dass es überall solche Mängel wie in der Legienstraße gibt. So fällt die Stolperfalle der Gehwegbegrenzung in Vierbergen genauso auf wie die – für manche Augen – klein gedruckten Fahrpläne in der Bushaltestelle an der Kapellenstraße. Auch das von der Baumwurzel hochgedrückte Pflaster des Bürgersteigs im Sonnenland steht für sehr viele, derartige Beispiele. Sorina Weiland vom Bezirk Mitte empfiehlt einmal mehr, für die Meldung fehlender Barrierefreiheit auf Wegen und Straßen den Melde-Michelzu nutzen; auch das Fachamt für Management des Öffentlichen Raums käme infrage.

Weitere Infos: Melde-Michel Hamburg
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