Der Weg ist sein Ziel

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Frank Schlinzig kann sich sein Leben nicht ohne Wandern vorstellen Foto: Christa Möller

Frank Schlinzig hat Europas Wanderwege markiert

Von Christa Möller
Glinde
„Wege verändern den Menschen“, sagt Frank Schlinzig. Der Dresdner hat ein Hobby mit bewegter Geschichte: Er wandert leidenschaftlich gern. Über 40 Jahre lang ist er bereits im Wanderverband Norddeutschland als Hauptwegewart aktiv, das heißt, er koordiniert die Wegearbeiten in Schleswig-Holstein und Niedersachsen, „einem der größten Gebiete im Verbandsgeschehen“, wie er erläutert. Es reicht von der dänischen Grenze bis zum Bremer Raum und schließt die Heideregion mit ein – insgesamt 3.000 Kilometer lang ist das Wanderwegenetz in Norddeutschland. Hier gilt es, Wege zu markieren, Überholungsarbeiten zu koordinieren und Wanderer zu beraten, außerdem werden regelmäßig Wanderungen angeboten. Einmal wöchentlich ist er in der Geschäftsstelle des Wanderverbandes an der Nordkanalstraße in Hamburg anzutreffen. Immerhin 1.400 Mitglieder hat der Wanderverband.Allerdings habe das Wandern in Norddeutschland nicht so einen hohen Stellenwert wie in Mittel- und Süddeutschland. So fand denn auch der Deutsche Wandertag zuletzt 1982 im Norden statt, in Eutin.

Fernwanderwege mit eröffnet


Frank Schlinzig (78) war von 1999 bis 2009 lang Vorsitzender der Wegekommission der 1961 gegründeten Europäischen Wandervereinigung mit fünf Millionen Mitgliedern. Ihr gehören alle Organisationen in Europa an, die mit Wandern zu tun haben, außer Lettland, Litauen, der Ukraine und Russland, wie Schlinzig weiß. Viele Fernwanderwege hat Frank Schlinzig mit eröffnet, er war als Mitautor der Allgemeinen Grundsätze für die Wegemarkierung in Europa aktiv und hat sich 20 Jahre lang als Verbandsfachwirt der deutschen Gebirgs- und Wandervereine engagiert.
Die ausgewiesenen Wanderwege führen nicht nur durch Feld und Flur: „Leider wandert man auch mal an Straßen und auf befestigten Wirtschaftswegen, aber es geht nicht anders“, erklärt der Wegefachwart. Für Wanderwege gibt es Qualitätssiegel, sie dürfen nur zu 20 Prozent befestigt sein. In Norddeutschland wurde damit nur der Heidschnuckenweg ausgezeichnet, der mit 19,4 Prozent gerade noch darunter liegt. Der gelernte Werkzeugmacher, der während seiner letzten Berufsjahre bei der Bahn gearbeitet hat, kennt viele Wanderstrecken in Europa.
Wandern bedeute die Auseinandersetzung mit Natur und Kultur, sagt Schlinzig. So führt beispielsweise der etwa 90 Kilometer lange Stormarnweg von Reinfeld nach Reinbek an vielen Sehenswürdigkeiten des Kreises Stormarn entlang. „Beim Marathon ist das Entscheidende das Ankommen – beim Wandern kann man jederzeit aufhören“, meint Schlinzi. „Eine gewisse Kondition gehört auch dazu“, sagt er, zwölf bis 15 Kilometer seien aber auch ohne Training machbar. Schließlich ist das Wandern gesund und tut auch was fürs Gemüt.“
Für seinen Einsatz verlieh ihm der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Torsten Albig im Sommer die Verdienstmedaille des schleswig-holsteinischen Verdienstordens.

Geschichtliches


Gewandert wurde schon immer, einen Höhepunkt erlebte das Wandern jedoch erst durch den Bau von Eisenbahnen und Straßen, die es beispielsweise ermöglichten, vom Norden in den Harz zu fahren. Damals bildete sich auch der Verband Deutscher Gebirgs- und Wandervereine (heute Deutscher Wanderverband) mit dem Ziel, Sommerfrischlern die Heimat zu zeigen. 1900 entstand der erste Fernwanderweg in Deutschland, der 285 Kilometer lange Westweg durch den Schwarzwald von Pforzheim nach Basel. In den 20er Jahren erreichte die Wanderbewegung auch Norddeutschland, weiß Schlinzig. Sechs Wanderwege durch die Heide wurden ausgearbeitet. „Vor 50 Jahren wurde der Verband vom Hamburger Umweltamt und vom Hamburger Verkehrsverbund gebeten, ein Wanderwegenetz für Hamburg und das Umland zu errichten, um den Nahverkehr auch an den Wochenenden auszulasten“, erzählt er. Damit ersichtlich ist, wer welche Wege betreut, wurden diese nummeriert. So führt beispielsweise der 30er von Hamburg-Bergedorf nach Lauenburg, der 31er von Bergedorf nach Aumühle.
Kontakt: Frank Schlinzig, 2. Vors. der Wanderfreunde Stormarn, 710 79 41 oder frank.schlinzig@t-online.de, www.wanderverband-norddeutschland.de
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