Die Geschichte vom Horner Berg

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1970 – da hat es gekracht: Der Fotograf Hans Bünning hält die Folgen eines Unfalls am Horner Berg fest (der grüne Laster ist ein Abschleppfahrzeug) Foto: Geschichtswerkstatt Horn
 
Die Kreuzung im Jahr 2012: Gerade hat ein Abbruchunternehmen das 1903 erbaut Großwohnhaus abgerissen Foto: Geschichtswerkstatt Horn

Neue Serie von Geschichtswerkstatt und dem Wochenblatt. Aufgeschrieben von Gerd von Borstel. Teil 1

Horn Die Geschichtswerkstatt Horn startet in Zusammenarbeit mit dem Wochenblatt eine neue monatliche Kolumne: „Horn – damals und heute“.
Der Titel hat Tradition. Schon zu Zeiten des alten „Horner Anzeigers“ – quasi dem Vorläufer des Wochenblatts – gab es Artikel mit dieser Überschrift. Und auch die Horn-Kalender des Stadtteilarchivs trugen in den ersten neun Jahren diesen Titel. Dann allerdings wurde es immer schwieriger, beim großen Baumbestand in Horn ein Vergleichsfoto zu schießen. In den Sommermonaten verdeckt sattes Grün die Häuser, so dass auf den Bildern nicht viel vom Objekt zu erkennen ist. Es bleiben aber dennoch genügend Motive, um Sie – liebe Leser – für längere Zeit monatlich mit einem Ausflug in die Horner Geschichte zu erfreuen.

Horn hatte eine Mühle


Den Anfang macht eine Aufnahme vom „Horner Berg“, womit aber nicht der volkstümlich so genannte Rodelberg weiter westlich gemeint ist. Vielmehr handelt es sich um den kleinen Fußweg, der die Horner Landstraße mit der Weddestraße verbindet. Bereits auf der Karte, die Johann Jacob Ramborger im Jahre 1752 zeichnete, ist dieser Weg am Geesthang eingezeichnet. Der kleine Fußweg, der schräg vom Letzten Heller hinauf zu einer Mühle führte, nannte die Bevölkerung darum auch „Mühlenberg“; der Name erschien erstmals 1877 im Adressbuch. Auf Höhe der Straße „Letzter Heller“ lag oben auf dem Geestrücken nämlich die einzige Mühle auf Horner Gebiet. Sie fand 1669 erstmalige Erwähnung als „Schnürmacher Mühle“. 1964 wurde aus dem „Mühlenberg“ offiziell der „Horner Berg“, denn es gab eine Straße selben Namens schon in Blankenese. Nach dem Großhamburger Gesetzt von 1937 hätten solche doppelten Straßennamen eigentlich nicht mehr vorkommen dürfen, aber den „Mühlenberg“ in Horn hatte man damals wohl schlicht vergessen. Um wieder an die einzige Mühle auf Horner Gebiet zu erinnern, reichte die Geschichtswerkstatt im Frühjahr 2013 den Antrag auf Umbenennung in „Horner Mühlenberg“ ein, dem mit Senatsbeschluss vom 30.10.2013 stattgegeben wurde. Der Schilderaustausch erfolgt in diesem Frühjahr.
Nur 40 Jahre haben gereicht, um den Geestrücken komplett zu verändern. Die grauen Häuser auf der nördlichen Seite des Fußweges wurden Ende der 1870er Jahre erbaut und zwischen 1972 und 1975 abgerissen. An ihrer Stelle entstanden weitere Parzellen der Kleingartensiedlung.
Die Geschichte des fünfstöckigen weißen Hauses begann 1881 mit einem Gebäude direkt an der Horner Landstraße, die zu dem Zeitpunkt noch wesentlich schmaler war. Friedrich Wilhelm Elsen hatte es erbauen lassen. 1888 erwarb ein Herr Dannenberg vom Mühlenweg die Immobilie. Nachdem er 1900 verstorben war, verkaufte die Witwe das Haus im Jahre 1902 an Theodor Steinhart, der 1903 rückseitig im Geesthang das Gebäude mit fünf Geschossen errichten ließ. Im Erdgeschoss und den Räumen darüber betrieb er eine Metallwarenfabrik nebst Emaillierwerk. Die drei oberen Etagen bestanden aus Wohnungen, die nur über den Mühlenberg zu erreichen waren. Über dem Hauseingang ließ Steinhart ein Wappen mit dem Buchstaben „S“ anbringen, links und rechts gesäumt von zwei Löwenköpfen.
Um zu den Fabrikräumen zu gelangen, hatte man damals extra einen Zufahrtsweg von der Horner Landstraße rechts des Hauses Nr. 363 angelegt. Erst mit der Verbreiterung der Horner Landstraße in den 1920er und 30er Jahren lag das Haus direkt an der Straße, denn die davor liegenden Häuser wurden abgerissen.
Nach diversen Mieterwechseln betrieb seit 1957 Kurt Bahde & Co. hier seine Klempnerei, die zuvor in der Nr. 368 ansässig war. Ab Ende der 1970er Jahre setzte Rene Tietz die Tradition des Klempners in diesen Räumlichkeiten fort.

Keine Bebauung mehr


Lange Zeit stand dann das innen stark heruntergekommen Haus leer und wurde zeitweise von Jugendlichen und Obdachlosen zum Übernachten genutzt. Der Abriss war schon längere Zeit geplant, denn laut Bebauungsplan soll der Geestrücken an dieser Stelle nicht mehr bebaut sein. Im April 2010 hatte die Geschichtswerkstatt noch einmal die Gelegenheit, das Haus komplett fotografisch zu erfassen. Im November 2012 begann dann der Abbruch des Hauses, welcher am 14.12.2012 abgeschlossen war. Dank der guten Zusammenarbeit mit dem Abbruchunternehmen konnte das Wappen und die beiden Löwenköpfe über dem Hauseingang von der Geschichtswerkstatt geborgen und somit für die Nachwelt erhalten werden.

Die Geschichtswerkstatt Horn öffnet ihr Archiv am Mittwoch, den 11. März, 16.30-19.30 Uhr, im Gemeindehaus der Martinskirche
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