Die Horner Rennbahn auf der Weide

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1940: Die Tribünen der Rennbahn zwischen 1912 und 1943 Foto: GW-Archiv
 
2017: Nach 1999 blieb davon nur die Haupttribüne erhalten Foto: von Borstel
Hamburg: Rennbahnstraße 96-98 |

Rückblick auf Historie: Betrieb startet mit zweistöckiger Holztribüne. Teil 25 der Serie „Horn – damals und heute“

Von Gerd von Borstel und Gerd Rasquin
Horn
Passend zum Beginn der diesjährigen Rennsaison – die bereits am 30. Juni beginnt – erfahren Sie in der 25. Folge unserer Serie in Zusammenarbeit mit dem Stadtteilarchiv etwas über die Geschichte der Horner Rennbahn. Am 23. Februar 1852 gründete sich der „Hamburg-Lokstedter Renn-Club“, dessen Rennbahn sich aber schon bald als zu klein erwies. Daraufhin erwarb man am 25. April 1855 die nicht mehr genutzte Horner Gemeindeweide und ließ sie noch im Frühling zu einer Galopp-Rennbahn ausbauen. Bereits am 27. Juli 1855 konnte die „Horner Renncoppel“ eingeweiht werden und es startete um 16 Uhr das erste Pferderennen. Allerdings konnte man in dieser kurzen Zeit keine repräsentative Tribüne erbauen. Erst zum Rennen im Folgejahr gab es eine zweistöckige Holztribüne für insgesamt 427 Besucher. 1856 erfolgte die Umbenennung in „Hamburger Renn-Club“ und am 11. Juli 1869 fand das erste Norddeutsche Derby statt; ab 1889 dann „Deutsches Derby“ genannt.

Mehr Platz für mehr Besucher

Die stetig steigenden Besucherzahlen machten 1873 dringend eine Erweiterung der Tribüne notwendig: Das bestehende Bauwerk bekam zwei baugleichen Flügel mit zusätzlich 1.824 Plätzen! 1895 wurde die auch als „Schaubühne“ bezeichnete Tribüne erneut umgebaut und erhielt einen weiteren Aufsatz und war nun dreigeschossig! Aber selbst dieses Platzangebot reichte nicht aus, um dem Zuschaueransturm gerecht zu werden. Nachdem ab 1905 die ersten Stahlbetonbauten in Deutschland entstanden, entschloss man sich auch in Horn für einen kompletten Neubau der Tribünen mit diesem modernen Baustoff. Mit dem letzten Rennen am 26. Juni 1910 nahmen die Hamburger Abschied vom gewohnten Bild der Rennbahn. Allerdings war die alte Holztribüne noch in so gutem Zustand, dass Teile davon vor dem Horner Bogen wieder aufgebaut wurden. Mit den Frühjahrsrennen am 28. April 1912 wurden die Neuanlagen auf der Horner Rennbahn eingeweiht. Dazu gehörten neben den beiden großen Tribünen aus Stahlbeton auch ein Tunnel unter dem Geläuf sowie Waage und Musikpavillon.

Im Krieg zerstört

Die Haupttribüne war 83 mal 17 Meter groß und besaß auf zwei Ebenen 3.526 Plätze, davon 2.482 Sitzplätze. Daneben schloss sich eine eingeschossige 100 Meter lange zweite Tribüne an, die weitere 1.600 Plätze bot, gefolgt von der alten Holztribüne. „Sport im Bild“ schrieb damals: „Ganz Gewaltiges ist vom Hamburger Renn-Club geleistet worden. Wo alte Bretterbuden standen, ragen jetzt mächtige, luftige und praktisch angelegte imposante Tribünen empor.“ Diese Bild bot sich auch noch 1940 dem Fotografen, als die historische Postkarte entstand. Nach dem großen Luftangriff im Juli 1943 zählte man auf dem Gelände 45 Bombentrichter, davon 28 auf dem Hauptgeläuf. Die Holztribüne war abgebrannt, die zweite Tribüne im südlichen Teil zu 2/3 zerstört. Nur die Haupttribüne, das Waagengebäude und der Musikpavillon waren weitgehend unbeschadet davon gekommen. Das letzte Drittel der zweiten Tribüne wurde notdürftig wieder hergerichtet, so dass nach Freigabe durch die englischen Besatzer 1948 wieder ein Derby in Horn stattfinden konnte.

Rundgang am 17. Juni

Im Sommer 1999 erfolgte der Abbruch der „kleinen“ Tribüne und es entstand an ihrer Stelle das „Astron-Hotel“ (heute „NH-Hotel“), welches in seiner Länge von ca. 90 Metern in etwa der Größe der ursprünglichen zweiten Tribüne entspricht.
In diesem Jahr beginnt die Rennwoche bereits am 30.6. und als Novum in der 148-jährigen Derby-Geschichte findet das Deutsche Derby in diesem Jahr wegen des G20-Gipfels bereits am 2. Juli – dem dritten der sechs Renntage – statt! Die Geschichtswerkstatt Horn bietet am 17. Juni passend zum Thema noch einen Rundgang über das Gelände an. Treffpunkt ist um 15 Uhr am Haupteingang zwischen Tribüne und Hotel. Kosten: 4 Euro.

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