Die Paten des „Drateln-Parks“

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Die Damen der „Gymnastikgruppe 50 plus“ vom Horner TV sorgen dafür, dass der Von-Drateln-Park nicht wieder verkommt Foto: Jenssen
 
Ein Mitglied der Gymnastikgruppe 50+ beim Unkraut jäten im Park

Immer wieder freitags: Gymnastik-Damen sorgen für Sauberkeit

Von Martin Jenssen
Hamburg. Nach warmen Sommertagen zeigt sich immer das gleiche Bild. Der „Von Drateln-Park“ am Bauerberg ist vermüllt. Viele Bürger nutzen diese helle, freundliche Anlage, um sich an der frischen Luft zu erholen. Es wird gefeiert, getrunken und gegessen. Mütter finden dort Ruhe, sehen ihren Kindern beim Spielen zu. Ein Idylle.
Doch leider vergessen einige der Besucher am Ende des Tages, ihre leeren Flaschen, das Verpackungsmaterial oder ihre Zigarettenkippen mitzunehmen. Manche Hundehalter haben offensichtlich auch keine Tütchen, um die Hinterlassenschaften ihre Vierbeiner einzusammeln. Auch nach längeren Regenperioden braucht der Park helfende Hände, um abgefallenes Laub oder abgeknickte Zweige einzusammeln oder das wuchernde Unkraut zu bekämpfen.
Die Hilfe naht schnell. Immer wieder freitags rückt sie an. Pünktlich um 15.30 Uhr erscheinen die Frauen der „Gymnastikgruppe 50 plus“ des Horner TV - „bewaffnet“ mit Besen, Harken, Hacken und Schaufeln. Die Geräte haben sie aus einem blauen Container geholt, der am Rande des Parks steht, in dem auch das Spielzeug der Kita Bauerberg verstaut ist. Dann wirbeln die Damen durch die Beete und über die Wege. Die Arbeit dauert rund zwei Stunden - dann ist der Park wieder gepflegt und sauber.
Das WochenBlatt besuchte die Gymnastik-Damen bei ihrem Einsatz im Park. Gudrun Kleinert, Edda Morzek, Inge Steen, Heidi Lanz, Ute Ehlers und Marianne Chudzinsky sind an diesem Tag erschienen. Zur Arbeitsgruppe „Von Drateln Park“ gehören weitere Damen des Horner TV. Alle wohnen in der Nähe der Parkanlage.

Treffpunkt in Horn

Nicht immer war der „Von Drateln-Park“ ein Schmuckstück für Horn. „Vor der Umgestaltung war er düster, durch hohe Hecken und Bäume von der Straße kaum einsehbar. Der Park war ein Treffpunkt für Trinker. Außerdem trainierten dort die Halter von Kampfhunden ihre Tiere. Keiner machte den Dreck weg. Der Park war zum Horner Hundeklo verkommen. „Ältere Bürger gingen ungern durch die Anlage“, berichten die Frauen der Gymnastikgruppe.
Im Jahre 2009 wurde die Grünfläche auf Anregung der Kita am Bauerberg neu gestaltet. Ein heller Park entstand, der von allen Seiten einsehbar ist. Es wurden große Rasenflächen angelegt, gemütliche Ruhebänke aufgestellt. Für Kinder wurden moderne Spielgeräte angeschafft. Der Park wurde ein Treffpunkt für Horn, eine grüne Oase. Die Sportler vom Horner TV fanden den Park so schön, dass sie dort ihren Stammtisch einrichteten. Sie treffen sich dort nach dem Training.
Doch bald wurde klar, dass die Instandhaltung des Parks durch das Gartenbauamt nicht funktionierte. Anfragen ergaben, dass für die komplette Pflege der Anlage kein Geld vorhanden ist. Der Rasen wird zwar regelmäßig gemäht, aber viel mehr können die städtischen Gärtner nicht leisten. Der gerade so schön renovierte „Von Drateln-Park“ im Herzen Horns drohte wieder zu verkommen.

Patenvertrag

Bei einem Sportler-Stammtisch im Park wurde über die Zukunft der Anlage diskutiert - und eine wunderbare Idee geboren. Ute Ehlers, Mitglied der Gymnastikgruppe, schloss einen Patenvertrag mit der Stadt. Die anderen Sportlerinnen sagten ihre Unterstützung zu.
Sobald ein Mitglied der Arbeitsgruppe feststellt, dass der Park versorgt werden muss, treffen sich die Damen freitags zur Gartenarbeit. Nachdem sie sich zwei Stunden abgeschuftet haben, wird am Stammtisch gefeiert. Die Mitglieder der Gruppe, für die die Gartenarbeit zu schwer geworden ist, stellen dann Köstlichkeiten auf den Tisch, die sie in der Zwischenzeit zubereitet haben.
Mit Spaß an Geselligkeit und gemeinsamer Arbeit für das Allgemeinwohl bewahrt die Arbeitsgruppe den Park so in seiner Schönheit. „Unser Lohn ist die Freude darüber, dass sich sie Menschen in diesem freundlichen Park wohl fühlen“, sagen die Damen.

Der Park wurde benannt nach der Familie von Drateln, die bis zum Zweiten Weltkrieg am Bauerberg ein großes Gut bewirtschaftete. Leider weist kein Schild auf den Namen des Parks hin
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