"Diese Zustände dürfen nicht sein"

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Zelten ist verboten, doch hinter dem U-Bahnhof Billstedt schlafen Menschen in Gebüschen und auf dem Rasen Foto:ms

Leser-Reaktionen auf die Berichterstattung übers Obdachlosen-Camp am U-Bahnhof Billstedt

Hamburg. Über das Obdachlosen-Camp am U-Bahnhof Billstedt hat das Wochenblatt in den vergangenen Wochen mehrfach berichtet. Anwohner Hans-Werner Garbe hatte die Berichterstattung angestoßen, weil das Areal durch die Nachtlager und Freilufttoiletten zunehmend verwahrlost. Wochenblatt-Mitarbeiter Mathias Sichting sprach mit Polizei, Bezirks-amt, den lokalen Politikern und einem Vertreter des Hamburger Straßenmagazins Hinz & Kunzt. Alle kennen das Problem, haben aber keine konkreten Lösungen parat.
Etliche Leser reagierten auf die Berichterstattung. Drei Leserbriefe drucken wir hier ab:

„Ein sozial unhaltbarer Zustand“
Ihr Leitartikel „Problemzone … Billstedt“ greift viel Richtiges auf; hoffentlich verläuft es nicht im politisch-bürokratischen Getriebe. Es werden altbekannte Zustände rund ums Billstedter Zentrum erneut aktualisiert. Ich hoffe, dass Verantwortliche in Politik und Verwaltung endlich erkennen, dass mit spektakulären Einzelaktionen wie Busch-/ Sträucherkahlschlag keine nachhaltigen Zustandsänderungen herbeigeführt werden. Für eine Verminderung oder bestenfalls ein Verschwinden der von Ihnen genannten Probleme ist eine kontinuierliche Bearbeitung durch die oben Genannten notwendig.
Daran hapert es bislang. Obdachlosigkeit ist ein sozial unhaltbarer Zustand. Betteln ist in Deutschland erlaubt. In den 50er Jahren waren es Kriegsversehrte und -heimkehrer, die bettelten, weil sie keine Arbeit erhielten. Heute sind es Menschen aus Ländern, in denen sozialer Krieg herrscht. Die Schleuser sind es, die vom Betteltourismus profitieren, nicht die obdachlosen Bettler in Billstedt. Ihnen kann man menschenwürdiges Leben nur wünschen. Übrigens: Die Bettler „bepöbeln“ hier in Billstedt niemanden, so wie es in der von Ihnen zitierten Drucksache suggeriert wird durch die unzulässige Vermengung der angegebenen Problemgruppen. Die Verwahrlosung einer Gegend geht schnell, dagegenhalten kostet Geld.
Im doppelten Sinn billig ist es, Vernachlässigung zuzulassen und nichts an den „unmöglichen Verhältnissen“ zu ändern, sondern Verstöße an gewollten Verhältnissen als Ordnungswidrigkeit abzustrafen. Für mich dekuvriert (entlarvt, Anm. d. Red.) sich die Obrigkeit, wenn sie nur in der Lage zu sein scheint, Symptome oberflächlich und punktuell anzugehen. Täglich springt mir diese Vernachlässigung auf dem Maukestieg ins Auge.
Eine grundlegende Änderung der ‚Landschaft‘ kostet Geld / Arbeitsplätze. Das Budget ist begrenzt. Ein durchdachter Einsatz von Personal / Ressourcen allerdings kann sich amortisieren. Hamburg-Mitte ist groß mit Innenstadtbereich und Außenbezirken wie z.B. Billstedt. Die Innenstadt ist „touristisch schön“. Vielleicht könnten die vorhandenen Kräfte in anderer Verteilung eingesetzt werden? Vielleicht bleibt die Innenstadt attraktiv und Randbezirke wie Billstedt werden es auch? Vielleicht ist Hamburg wirklich wie in der Eigenwerbung „die schönste Stadt der Welt“? Und nicht, wie mir Besucher sagten, „innen hui und außen pfui“.
Für den Hamburger Osten gibt es Entwicklungsprojekte; die sind natürlich prestigeträchtig. Doch wo bleiben Pflege und Entwicklung der vorhandenen Substanz in Billstedt? Damit ist auch Staat zu machen.
Ich hoffe, Ihr Schlusssatz zum Artikel ist kein Papiertigerspruch. Das WB sollte „dranbleiben“.
Rainer Thies, Billstedt


„Niemand kümmert sich um die Menschen“
Die Zustände in Billstedt sind unverändert schlimm.Die Ausländer schlafen am U-Bahnhof und erledigen ihre Geschäfte ungeniert vor Kindern und Frauen.Das ist fürchterlich; der Wanderweg zwischen Öjendorfer Weg und Schleemer Weg ist voll mit Kot. Kleidungsstücke liegen verstreut herum. Es sind Zustände wie sie einfach nicht sein dürfen.Wie kann es sein, dass sich darum keiner kümmert?
H. Brozi, Billstedt


„Mit den Menschen muss man reden“
Wenn ich so etwas immer lese, ballen sich meine Hände in der Hosentasche. Hier wird es geschrieben, hier wird es erzählt, aber keiner weiß was dort wirklich los ist! Es ist immer schade, wenn Menschen in die Öffentlichkeit gehen, ohne je mals mit den Betroffnen gesprochen zu haben. Keinen interessiert das, aber es wird in der Öffentlichkeit dargebracht, als ob dort etwas Schlimmes passiert ist.
Ich kenne so etwas aus Wandsbek, aus Mümmelmannsberg, aus Billstedt, aus der Legienstraße, und keiner geht an die Öffentlichkeit. Denn für diese Menschen tut doch keiner etwas im Sozialenentwicklungsraum. Darüber müssten wir uns doch mal aufregen, oder?? So lange sich keiner mit diesen Menschen unterhält, weiß auch keiner, was zu tun ist!! Nicht nur drüber quatschen – helfen!
Erich Heeder, Billstedt, VERKÄUFER des Obdachlosen-Magazins, HINZ & KUNZT‘
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