„Ein anspruchsvoller Start“

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Das historische reetgedeckte Haus der Stiftung Foto: Rauhes Haus
 
Peter Marquard leitet die Kinder-und Jugendhilfe der Stiftung Rauhes Haus Foto: Möller

Peter Marquard über seine ersten Wochen als Leiter des Rauhen Hauses

Von Christa Möller
Hamm
Als er 15 Jahre alt war, ließen sich die Eltern von Peter Marquard scheiden. Von da an spielte sich das Leben des sportlichen Jugendlichen, der beim Fechten, Handball und Turnen aktiv war, woanders ab. „Ich habe gelebt in der Jugendverbandsarbeit, bin in diese Strukturen richtig hineingewachsen.“ Als Teenager hat er sich in der Jugendgruppenarbeit engagiert, als Student verdiente er sich Geld als Gruppenleiter – seit September ist der 58-Jährige neuer Stiftungsbereichsleiter der Kinder- und Jugendhilfe der Stiftung Das Rauhe Haus und als Nachfolger von Michael Tüllmann somit Chef von rund 300 Mitarbeitern, die er nun nach und nach persönlich kennenlernen will. „Wir haben ambulante Teams, die in Familien gehen, Wohngruppen und Einrichtungen wie das Kinder- und Familienzentrum in über 20 Standorten in Hamburg, überwiegend in den Bezirken Mitte, Wandsbek, Eimsbüttel und Altona“, erklärt der Fachmann der Kinder- und Jugendhilfe, der kurzfristig jedes Team und jede Einrichtung besuchen will, wie er sagt. Von seinen fünf Regionalleitern arbeiten drei praktischerweise im „Bienenkorb“, demselben Haus auf dem Gelände, in dem sich auch sein Büro befindet.
Marquard betont, die ersten Wochen seiner neuen Tätigkeit seien durchaus anspruchsvoll. „Die Herausforderung, die ich dabei erlebe, die Themen, die sich mir stellen, finde ich alle spannend – auch die bürokratischen.“ Denn nicht zuletzt ist er dafür verantwortlich, dass sich die Ideen rechnen: „Ein Spagat, aber hier sind die Wege kürzer als ich sie im öffentlichen Dienst erlebt habe.“
Nach dem Pädagogikstudium war Dr. Peter Marquard 15 Jahre bei freien Trägern in Bielefeld und Bonn beschäftigt und ging dann 1995 in den öffentlichen Dienst: „In verschiedenen Städten habe ich 20 Jahre lang Jugend- und Sozialämter geleitet, zuletzt drei Jahre lang das Jugendamt Hamburg Mitte.“ Doch jetzt habe er noch einmal eine neue Herausforderung gesucht.
Beim Rauhen Haus kann der gebürtige Osnabrücker nun Leitung und praktische Entwicklungen verbinden. „Spannende Konzepte entwickeln, das macht mir große Freude“, verrät er und verweist auf seine Dissertation, die er nach über 20 Berufsjahren verfasste. „Alles, was ich so mache, theoretisch zu durchdringen“, das hat ihn gereizt. Sein Thema: Soziale Kommunalpolitik“ – „Wie müssen Jugendamt, öffentlicher Dienst und freie Träger zusammenarbeiten, damit das gut funktioniert“.

„Wir haben 60 Migranten und Flüchtlinge in unseren integrativen Regelgruppen.“
Peter Marquardt


Ein wichtiges Thema: Flüchtlinge. Die aktuelle Entwicklung stelle alle vor große Herausforderungen. In Zusammenarbeit mit der Behörde plant das Rauhe Haus derzeit, Gastfamilien als Pflegefamilien für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge zu finden. „Wir haben 60 Migranten und Flüchtlinge in unseren integrativen Regelgruppen“, sagt Marquard. Hier leben junge Menschen aus verschiedenen Nationen mit sozialen Beeinträchtigungen beziehungsweise körperlichen und geistigen Behinderungen. Von großer Bedeutung sei auch die religions- und kultursensible Pädagogik. Im Freizeitbereich ist Integrationsarbeit wichtig, so betreibt das Rauhe Haus in Billbrook mit Ehrenamtlern unter anderem ein Sportprojekt für Familien, zwei spendenfinanzierte halbe Stellen wurden dafür in Zusammenarbeit mit der Behörde geschaffen. In Kooperation mit der Fachbehörde soll ein Wohnprojekt für junge alleinstehende Flüchtlinge entwickelt werden. Auch andere Fachbereiche des Rauhen Hauses sind in die Flüchtlingsarbeit involviert – ganz im Sinne von Stiftungsgründer Johann Hinrich Wichern, „Kinder und Jugendliche in schwierigen sozialen Lagen zu beheimaten. Das treffe sowohl auf deutsche als auch auf Flüchtlingskinder zu.
Er möchte die Arbeit für Kinder und Jugendliche im Rauhen Haus auf einer soliden sozialpädagogischen Grundlage weiterentwickeln. „Wir sind ein freier Träger, der seine Qualität immer wieder zeigen muss“, betont der neue Stiftungsbereichsleiter. „Wir müssen gut sein, Anstöße geben und unsere Mitarbeiter sind dabei unser wichtigstes Kapital. Sie müssen immer wieder Ideen haben, Impulse geben.“
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