Ein besonderer Verein

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Artur Kebernik ist Vorsitzender des Vereins Spielepark Foto: wb
 
Ingrid Kebernik kümmert sich um die Kochkurse Foto: wb

Von der Lernküche bis zum Behördengang: „Spielepark“ hilft

Von Christa Möller
Mümmelmannsberg
Zitronenspaghetti mit Lachs, Graupensüppchen mit Gartenkräutern oder Kartoffel-Gnocchi mit frischen Pilzen – klingt nach Sterne-Küche. Genauso gut könnten diese und viele andere leckeren Gerichte aber auch im zwölften Stock eines Hochhauses in Mümmelmannsberg gekocht werden. Beim Verein Spielepark treffen sich regelmäßig junge Mütter, um gemeinsam preiswert zu kochen. Dabei greifen sie auch auf das Kochbuch der Hamburger Tafel „Einfach, günstig und lecker kochen!“ zurück. Etwa fünf bis acht Frauen kommen regelmäßig einmal wöchentlich vormittags zum Vereinssitz. Gelegentlich kochen sogar ihre Kinder begeistert mit.
Gruppenleiterin Ingrid Kebernik kümmert sich rührend um die Teilnehmerinnen. Die ehemalige Speditionskauffrau ist für die Buchhaltung im Verein zuständig. Dabei tauchen schon mal Fragen wie „Warum bekomme ich kein Kindergeld mehr?“ auf. Auch in Krisensituationen steht die 63-Jährige den jungen Frauen aus dem Stadtteil hilfreich zur Seite. Die „Soziale Lernküche“ für junge Mütter ab
16 Jahren aus Mümmelmannsberg – ursprünglich in Kooperation mit der Hamburger Tafel entstanden - soll helfen, dass „jemand, der von Transferleistungen lebt, über die Runden kommt und trotzdem noch gesund essen kann“, sagt Artur Kebernik vom Trägerverein Spielepark.

Selbstfinanzierung: 80.000 Euro Vereinsetat


Die Küchenplanung wird gemeinsam besprochen. Jeweils zwei oder drei Teilnehmer besorgen die Zutaten, dann geht es ans Schälen und Schnippeln. So ganz nebenbei lernen sie, wie Rouladen oder Hühnerfrikassee selbst gekocht werden und bekommen Küchentipps. Wenn zum Monatsende weniger Geld in der Vereinskasse ist, gebe es auch mal „Karo einfach“, erläutert Ingrid Kebernik. Kein Problem, schließlich schmecken Bratkartoffeln, Pfannkuchen oder Auflauf auch lecker. Nach den Sommerferien startet ein neuer Kursus.
Vor 15 Jahren hat Artur Kebernik, 64, den Verein Spielepark gegründet, gemeinsam mit Kollegen aus der Suchtkrankenhilfe. „Ich bin Polytoxikomane, lebe aber abstinent“, sagt Kebernik geradeheraus. Bis vor etwa 30 Jahren konsumierte er gleichzeitig verschiedene Drogen. Seither engagiert er sich für Menschen in einer ähnlichen Situation. „Ich habe selbst viel Hilfe erfahren und möchte ein Stück weit das, was mir geschenkt worden ist, wieder zurückgeben“, begründet der Sozialarbeiter und –therapeut sein ehrenamtliches Engagement. Beruflich leitet er das Jugendhaus Quo Vadis in Jenfeld, das einzige Projekt unter dem Dach des Vereins Spielepark, das von der Stadt Hamburg finanziert wird. In Mümmelmannsberg muss der Verein den benötigten Etat von bis zu 80.000 Euro selbst erwirtschaften, beispielsweise durch das Vermieten von Hüpfburgen oder Bullriding nebst Betreuungspersonal. Dazu kommen Spenden.

Vereinsräume in Eigenarbeit renoviert


Wer für den Spielepark tätig wird, muss Regeln befolgen: Hier ist Freundlichkeit gefragt, keine Gewalt, keine Drogen. Im gemeinnützigen Bereich erfolgt die Vermietung kostenfrei gegen Erstattung der Betriebskosten. In Eigenarbeit haben die Keberniks die Räumlichkeiten des Vereins, die die Saga mietkostenfrei zur Verfügung stellt, komplett renoviert. Nur die Nebenkosten muss der Verein tragen, der durch die Betreuung der Spielgeräte und Dienstleistungen niedrigschwellige Beschäftigungsmöglichkeiten anbietet, aber unter anderem auch Begleitung bei Behördengängen, Gruppenangebote oder Ferienfahrten.
Auf etwa 240 Quadratmetern verteilen sich Küche, Gemeinschafts-, Gesprächs- und Computerraum, Gesprächszimmer, Büro, Sanitär- und Personalräume. Artur Kebernik hat unter anderem die Betreuungsreinrichtung „Drob Inn“ von Beginn an mit unterstützt und die Hepatitisambulanz mitgegründet, war bei der Beratunsstelle „Palette“ 20 Jahre im Vorstand und hat gerade gemeinsam mit seiner Frau den Meta- und Robert-Kebernik-Stiftungsfonds unter dem Dach der Haspa gegründet, der den Verein Spielepark finanziell absichern soll. „Wenn der Verein mal nicht mehr existiert, soll das Geld für benachteiligte Kinder eingesetzt werden“, haben die Keberniks beschlossen.

Weitere Infos, auch zum neuen Kurs ab Sommer, erteilt Artur Kebernik unter
0162/ 907 85 83
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