Ein Stück Alltag für Flüchtlinge

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Die unbegleiteten Jugendlichen erhielten einen Tag lang einen Einblick in den Handwerksberuf des Kfz-Mechanikers Foto: Grell

Hamburger Handwerker Innungen laden junge Geflüchtete zu Praxiskursen ein

Von Karen Grell
Rothenburgsort
Eine Gruppe junger unbegleiteter Flüchtlinge hatte in der vergangenen Woche im Rahmen einer Berufsorientierung die Möglichkeit in Handwerksberufe hinein zu schnuppern. Die Hamburger Handwerker Innungen hatten dazu Jugendliche aus Integrationsvorbereitungsklassen von Stadtteilschulen und Berufsschulen in Praxiskurse eingeladen. „Passt ein Handwerksberuf überhaupt zu mir“, war die Frage, mit der auch der 16-jährige Bahoc in die Innung des Kraftfahrzeughandwerks an die Billstraße gekommen war. „Das ist kein Beruf für mich“, sagt der hochmotivierte Stadtteilschüler lachend, der sein Talent in anderen Berufszweigen sieht. Marian (16) dagegen kommt nach dem vierstündigen Kennlernpraktikum strahlend mit seiner Teilnahmebescheinigung aus dem Kursus: „Das hat mir so viel Spaß gemacht, hier bei den Kfz-Monteuren habe ich genau meinen Beruf entdeckt.“

Großes Interesse

Junge Flüchtlinge sollten an diesem Morgen die Berufe im Handwerk einmal in der Praxis erleben und sich über die vielfältigen Zukunftsperspektiven informieren. Dabei durften alle kräftig mit anpacken und so das Handwerk hautnah erleben. Im Kfz-Handwerk wechselten die Teilnehmer unter fachlicher Anleitung Reifen und bauten eigene kleine Geschicklichkeitsspiele, beim Tischler bauten sie ein Vogelhaus und beim Bäcker wurden selbstverständlich auch Brötchen gebacken.
Ausprobieren und bei der Arbeit den Fachleuten über die Schulter schauen, das war das Motto an diesem Tag, der den jungen Männern „wahnsinnig gut gefallen“ hat. Auch Lehrer Andreas Schweitzer, der für die Berufsorientierung an der Stadtteilschule Süderelbe zuständig ist, spricht von hoher Motivation in der Vorbereitung für diesen Tag. Die Schüler seien sehr interessiert daran, sich in Sachen Zukunftsplanung zu orientieren und zurzeit auf dem Weg zum ersten Schulabschluss. Die Voraussetzungen, mit denen die Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft an die Schule in die internationale Klasse kommen, seien völlig verschieden. Einige hätten es schwerer mit der fremden Sprache, andere lernen schon in kurzer Zeit Deutsch und brächten auch erstaunlich gute Kenntnisse in den Naturwissenschaften mit.

Viele sind Syrer

„Es gibt einen Schüler, der rechnet bereits auf Universitätsniveau“, so Schweitzer. Das Ziel der meisten ist nach dem Hauptschulabschluss möglichst auch noch die Mittlere Reife zu schaffen. Auch Santiago (15) hat dieses Ziel und kann sich nach dem Kurz-Praktikum bei der Innung gut vorstellen, in diesem Bereich eine Ausbildung zu machen. „Das war super interessant“, so der 15-Jährige. Viele der unbegleiteten Jugendlichen kommen aus Syrien, aber auch aus Afghanistan oder Südamerika. „Am wichtigsten ist zunächst die Sprache“, erklärt Andreas Schweitzer, und dafür sei es ideal, einfach „zu tun und dann darüber zu reden“. Lernen durch praktisches Arbeiten und den ganz normalen Alltag.
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