Einzigartige Martinskirche

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Die Martinskirche in Horn von innen und außen Foto: Jenssen
 
Die 1992 wiederentdeckten Ornamente Foto: Jenssen

Das Gotteshaus und seine besondere Geschichte. Lichtprojekt kommt

Von Martin Jenssen
Horn
Die infernalischen furchteinflößenden Geräusche der feindlichen Flieger konnte er nicht hören. Auch die Einschläge der Bomben in die Häuser des Hamburger Ostens waren für Küster Antholz nicht hörbar. Er war taub, und trotzdem immer wachsam in den Tagen des Juli 1943, als die „Operation Gomorrha“ Hamburg in eine Trümmerlandschaft zerlegte. Auch die Martinskirche wurde getroffen. Fünf Brandbomben und eine Phosphorbombe schlugen ein. Trotzdem überstand sie als einzige Kirche im Hamburger Osten das Inferno. Küster Antholz, der 70jährige Kirchendiener, löschte unter Lebensgefahr die Feuer. Die Brandspuren eines Einschlags sind als Mahnmal gegen den Krieg bis heute in der Kirche sichtbar. Dank Küster Antholz ist die Martinskirche heute noch ein herausragendes denkmalgeschütztes Gebäude im Zentrum von Horn. Die inzwischen 129 Jahre alte Backsteinkirche ist eine schlichte Schönheit. Gerade im trüben Martinsmonat November spürt der Besucher in ihr Geborgenheit. Zur Weihnachtszeit wird dies noch verstärkt, wenn ein Lichtprojekt die bunten Glasfenster erhellt und sie schimmern lassen soll.

Einzigartig ausgemalt


Aus Anlass des 25-jährigen Kirchweihfestes im Jahre 1911 wurde der Innenraum mit zahlreichen Ornamenten ausgemalt. Durch die weißen Wände mit den farbenfrohen Bordüren und den ausgemalten Fensternischen wirkt die Kirche größer, als sie ist. „Es ist etwas Besonderes. Mir ist keine Kirche bekannt, die so ausgemalt ist. In dieser Form ist das einzigartig“, sagt der Leiter der Horner Geschichtswerkstätten Gerd von Borstel.
Mittelpunkt der evangelischen Gemeinde war für die Horner Bürger seit 1693 die Kirche zur „Heiligen Dreifaltigkeit“ in Hamm. Doch um der im 19. Jahrhundert stark angewachsenen Bevölkerung den Weg nach Hamm zu ersparen, wurde die heutige Kirche 1886 zunächst als „Martinskapelle“ errichtet. Namensgeber ist Martin Luther. Die Einweihung erfolgte am 11. November, dem Tauftag Luthers. Zur „Martinskirche“ wurde sie 1894 erhoben, nachdem der imposante Kirchturm angebaut worden war. Eine Kirche ist baulich nie vollkommen. Eine besonders gravierende Veränderung wurde 1966 vorgenommen: Um die Kirche heller zu gestalten, wurden die Ornamente geweißt, die dunkle Decke hellblau übermalt und die Seitenbänke weiß lackiert. Die babyblaue Decke kam auf besonderen Wunsch der Frau von Pastor Dubbels zustande. Die Dame war an der Nordsee aufgewachsen und liebte „blaue Himmel“.

1992 renoviert


Bei vielen Gemeindemitgliedern kam der „Deckenhimmel“ nicht so gut an. 1992 entschloss sich der Kirchenvorstand erneut zu einer grundlegenden Renovierung, die der Kirche das Aussehen von 1911 zurückgeben sollte. In zweijähriger Arbeit wurden die alten Ornamente freigelegt und rekonstruiert. Decke und Seitenwände erhielten die ursprüngliche Farbe. Auch wenn die blauen Himmeldecke vielleicht keine so gute Idee war, machte sich Hans-Jürgen Dubbels in besonderes Weise um die Kirche verdient. Er wirkte 46 Jahre, von 1936 bis 1982, als Pastor in der Horner Gemeinde. Durch eine heimliche Sammlung schaffte es Dubbels, dass vier neue Bronze-Glocken für die Kirche gegossen werden konnten. Am 4. November 1961, bei der 75-Jahr-Feier der Gemeinde, wurden sie feierlich geweiht. Um die Glocken in das Kirchendach zu bekommen, musste ein großes Loch in den Kirchturm geschlagen werden. Dem Pastor zu Ehren wurde der kleine Weg, der vom Bauerberg durch den Von-Dratelnscher Park zur Martinskirche führt, „Pastor-Dubbels-Weg“ genannt.
Seit 14 Jahren ist Susanne Juhl Pastorin an der Martinskirche. Sie stammt aus einer Pastorenfamilie in Rissen, kennt Horn aber schon aus ihrer Jugendzeit. An der Wichern-Schule machte sie ihr Abitur. Die Pastorin: „ Ich mag die Menschen, die in Horn wohnen, mit ihrer direkten klaren Art.“ Heute gehören der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde zu Hamburg-Horn rund 4.300 Mitglieder an, von denen 60 Prozent älter als 60 Jahre sind. Nur etwa drei Prozent der Mitglieder sind Kinder und Jugendliche.
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