Emotionale Intelligenz fördern

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Schülerin Hema Ebrahim-zada, Projektinitiatorin Mara Jannsen und die Schülerinnen Sarah Gostomski und Narin Jaafar wollen Aufmerksamkeit schaffen (v. l.) Foto: Landeck

Schüler sagen mit Projekt dem deutschen Schulsystem den Kampf an

Von Johanna Landeck
Mümmelmannsberg
„Das System macht mich wütend“, sagt Sarah Gostomski. „Wir sind keine Roboter, die jeden Tag gleich gut funktio-nieren können.“ Gemeinsam mit 18 Jugendlichen möchte die 17-Jährige auf Missstände an Bildungseinrichtungen aufmerksam machen. Sie will, dass sich etwas ändert. „Ich brauche die Schule, um zu lernen, aber sie wird mir nicht gerecht“, sagt Gostomski. Lange Unterrichtszeiten bis in die späten Nachmittags- und Abendstunden und die anschließenden Hausaufgaben haben die Jugendliche fast krank gemacht. Eine, die den Frust der Schüler nachempfindet, ist Mara Jannsen. Die 23-Jährige absolviert im Rahmen ihres Philosophiestudiums ein Praktikum an der Ganztagsstadtteilschule Mümmelmannsberg: „In den deutschen Schulen läuft vieles falsch, die Schüler sind überlastet. Daher habe ich das Thema im Philosophiekursus der zwölften Klasse aufgegriffen und ein Projekt ins Leben gerufen.“ Ziel dieses Projektes ist es zunächst, maximale Aufmerksamkeit zu schaffen. „Wir wollen, dass sich etwas verändert, betreiben Öffentlichkeitsarbeit und werden einen offenen Brief schreiben. Wenn es sein muss auch an das Bundesministerium für Bildung und Forschung“, so Gostomski.

Auf Talente wird nicht eingegangen


Konkret gehe es bei ihrer Kritik um die langen Unterrichtszeiten, viele Schüler hätten kaum noch Freizeit. „Dabei ist das doch jetzt genau die Zeit, in der wir uns selbst finden müssen“, klagt Hema Ebra-himzada (17). Zudem sei ein Lehrer für eine Klasse zu wenig, es müssten mindestens zwei oder drei Dozenten zur Verfügung stehen. Auch das Bewertungssystem sei überholt, meint Gostomski, die nach dem Abitur Psychologie studieren möchte: „Noten sagen doch rein gar nichts über unsere Intelligenz aus. Jeder kann mal einen schlechten Tag haben oder auch eine schlechte Klausur schreiben. Das heißt nicht, dass wir dumm sind. Außerdem ist freies Denken nicht möglich, weil immer nur ein einziger Lösungsweg vorgegeben ist.“
Auch die Projektinitiatorin Jannsen meint: „Die emotionale Intelligenz wird vollkommen außen vor gelassen. Dazu kommt, dass langsamere Schüler auf der Strecke bleiben, auf Talente wird nicht eingegangen.“ Lehrer fühlten sich ob des engen Regelkorsetts des Staates oftmals hilflos. Dabei gäbe es durchaus positive Beispiele dafür, wie Schule anders funktionieren könne: „In Finnland gibt es sehr kleine Klassen, außerdem wird nicht mehr wie früher in Fächern, sondern projektbe-zogen unterrichtet.“ Auch in Deutschland gäbe es alternative Ansätze: Im Januar plant der Kursus eine Exkursion zur Freien Schule Hamburg, in der Schüler projektbezogen lernen. Am Ende geht es Gostomski und ihren Mitschülern maßgeblich um eines: „Wir möchten, dass die Schüler, die jetzt in die Grundschule gehen, später keine Angst davor haben müssen, ihr Abitur vor lauter Stress nicht zu schaffen.“
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