Erinnerungen an den Feuersturm

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Beim Feuersturm 1943 wurden weite Teile von Rothenburgsort, Horn und Hamm zerstört Foto: SPD Rothenburgsort

Zeitzeuginnen schildern, wie Bomben 1943 Rothenburgsort zerstörten. Gemälde restauriert

Von Martin Jenssen
Rothenburgsort/Hamm
In zahlreichen Gottesdiensten
gedachten die Kirchen Hamburgs am vergangenen Wochenende der Opfer des Feuersturms, der im Juli 1943 große Teile Hamburgs zerstörte. Die Bombenangriffe der Alliierten auf die Hansestadt kosteten damals rund 34.000 Menschenleben. Etwa 125.000 Menschen wurden verletzt. Besonders eindrucksvolle Gedenkfeiern fanden dazu in der St. Thomas Kirche in Rothenburgsort und in der Wichernkirche in Hamm statt, in Stadtteilen die damals besonders betroffen waren. Rund 20 Besucher des Gottesdienstes in Rothenburgsort hatten als Kinder die fast vollständige Zerstörung ihres Stadtteils erlebt. Agnes Nau (Jahrgang 1940) und Monika May (Jahrgang 1941) berichteten von ihren Erinnerungen.
Beide Frauen hatten als Kinder nur durch Glück überlebt, während viele ihrer Nachbarn starben. Der Vater von Agnes Nau hatte in einem Kleingarten ein Erdloch ausgehoben, in dem die Familie Schutz fand. Die Familie von Monika May war mit einer Schute nach Demmin geflohen. Als sie zurück nach Rothenburgsort kamen, sahen sie eine Trümmerlandschaft. In den Trümmern lagen Blumen. Die Überlebenden gedachten so der verstorbenen Menschen in Rothenburgsort. Agnes Nau: „Auch wenn wir damals Kinder waren, seelische Narben sind geblieben.“

Ein Bild erinnert


Pastorin Cornelia Blum berichtete in ihrer Predigt von der großen Geste des Dompropstes Richard Howard in Coventry (Großbritannien). Deutsche Bomber hatten 1940 die berühmte Kathedrale von Coventry zerstört. Der Dompropst ließ die Worte „Vater vergib“ in die Chorwand der Ruine meißeln. Auch die Wichernkirche und das Stadtteilarchiv Hamm erinnerten in einem Gottesdienst an den Feuersturm, der nicht viel von Hamm übrig ließ. Der Hammer Künstler Karl-Heinz Hansen hat sein Erschrecken über diese Ereignisse in einem Ölgemälde von 1948 festgehalten. Ein gekreuzigter Christus steht inmitten der Ruinenlandschaft, in der ausgebombte Flüchtlinge ziellos umherirren.
Dieses Bild, das schon lange im Kirchraum der Wichernkirche hing, war im Laufe der Zeit immer mehr nachgedunkelt und wurde deshalb kaum wahrgenommen. Durch eine großzügige Spende von Werner Brandenburg, Mitglied der Kirchengemeinde und aktiver Mitarbeiter im Stadtteilarchiv, konnte das Gemälde restauriert und neu gerahmt werden.
In dem Gedenkgottesdienst zum Feuersturm wurde das Bild in seiner wiedergewonnenen frischen Farbgebung der Öffentlichkeit vorgestellt. Mit Texten, Liedern und einer Bildbetrachtung erinnern Pastor Michael Kempkes und Werner Brandenburg an die damaligen Ereignisse.
Der Künstler Karl-Heinz-Hansen (1915 – 1978) hätte in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert. Seine Mutter war Vorsitzende einer Hammer Kirchengemeinde. In den 50ger Jahren wanderte Hansen nach Brasilien aus. Dort wurde er durch seine Holzschnitte einer der geachtetsten Künstler Südamerikas. Er bekam den Künstlernamen Hansen-Bahia.
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