Flüchtlingswohnungen: Weg frei für Billstedt 113

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Auf dem 2.320 Quadratmeter großen Areal zwischen Eiffestraße und dem Mittelkanal soll zur Straße ein Gewerbegebäude errichtet werden. In Südausrichtung zur Kanalseite entstehen 190 Wohneinheiten für Flüchtlinge Foto: luc
 
Der Stadtentwicklungsausschuss tagte am vergangenen Mittwoch Foto: luc

Quartier Haferblöcken wird geplant. Ersatz für Haßloredder in Hamm gefunden

Von Annette Luckey
Billstedt/Hamm
Mit großer Mehrheit hat der Stadtplanungsausschuss der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte am vergangenen Mittwoch (23.3.) die Einleitung des Bebauungsplanverfahrens Billstedt 113 beschlossen und damit den Weg für den kurzfristigen Bau von 250 Wohnungen für Flüchtlingsfamilien zwischen dem Quartier Haferblöcken und dem Öjendorfer Park freigemacht. Maximal 1.250 Menschen sollen hier unter Anwendung der Sonderregelungen für den Flüchtlingswohnungsbau (§ 246, Absatz 14) baldmöglichst ein neues Zuhause finden. Nach Abschluss des Bebauungsplanverfahrens wird das in einem aufwendigen Werkstattverfahren gemeinsam mit den Billstedter Bürgern entwickelte Quartier mit rund 300 Wohnungen für den allgemeinen Wohnungsmarkt komplettiert. Weitere Flüchtlingswohnungen sind in Billstedt nicht vorgesehen. Als Ersatz für den aufgegebenen Standort Haßloredder östlich des Öjendorfer Sees wird nun eine 2.320 Quadratmeter große Gewerbefläche an der Eiffestraße 58 im Stadtteil Hamm überplant, auf der die Saga GWG im südlichen Teil rund 190 Flüchtlingswohnungen errichten soll. Im Vorfeld des Einleitungsbeschlusses wurde die Planung der Öjendorfer Siedlung mit integriertem Flüchtlingswohnungsbau und das umfangreiche Beteiligungsverfahren noch einmal ausführlich seitens der rot-grünen Koalitionspartner gewürdigt. Der Bezirk Mitte habe von Anfang an dafür gesorgt, dass die vom Senat geforderten 800 Wohnungen mindestens auf zwei Standorte verteilt würden, um Großsiedlungen zu vermeiden. Anders als in anderen Bezirken würden am Öjendorfer See nicht einfach Flächen bebaut, sondern die Entwicklung des gesamten Stadtteils durch die Planung einer durchmischungs- und wandlungsfähigen Siedlung mit hoher Lebensqualität positiv gesteuert.

Lob und Kritik


Die Gestaltung des Quartiers, die sich durch eine behutsame Erschließung unter Erhalt der historischen Knickstrukturen, durch lose Reihenhauszeilen die sich zur Landschaft öffnen, durch eine großzügige, grün geprägte Quartiersmitte auszeichnet, fand bei den Christdemokraten Lob und Kritik: „Die Planung ist hervorragend, aber die Zahl der Flüchtlingswohnungen zu hoch. Und der Plan gehört woanders hin und nicht in ein Landschaftsschutzgebiet“, begründete der Roland Hoitz (CDU) seine Ablehnung des Bebauungsplanverfahrens. Ihm schloss sich Norbert Frühauf (AfD) in seiner Stellungnahme mit der Begründung, es seien noch andere bebaubare Flächen vorhanden, an. „Wir können den Gegensatz zwischen Befürwortern und Gegnern nicht überwinden“, verwies Michael Mathe, Leiter des Fachamtes für Stadt- und Landschaftsplanung, auf die Dringlichkeit im Wohnungsbau. Angesichts wachsender Einwohnerzahlen und des Flüchtlingszustroms könne man den Kopf nicht in den Sand stecken: „Wir greifen in Natur und Landschaft ein, in einen ökologisch bedeutsamen Bereich. Deshalb haben wir den Bebauungsmaßstab angepasst und klein gehalten und tasten sensible Bereiche nicht an.“ Er kündigte eine sorgfältige Umweltverträglichkeitsprüfung an: „Die Stellungnahme des Bundes für Natur und Umweltschutz hat uns natürlich auch erreicht.“ Mathe verwies auf ökologische Ausgleichspotenziale in den Baufeldern und Renaturierungsmöglichkeiten der Ackerflächen am Haßloredder, die als Bauareal nun nicht mehr in Frage kommen.

Demnächst Bürgerinformation


Die im Anschluss präsentierten aktuellen Flüchtlingszahlen verhießen keine Entlastung vom Unterbringungsdruck. Billstedt soll jedoch nicht mehr für die Bereitstellung weiterer Flächen für Flüchtlingswohnungen herangezogen werden. Mit der Gewerbefläche an der Eiffestraße 58 nimmt der Bezirk Mitte nun einen Alternativstandort im Stadtteil Hamm ins Visier. Das derzeit von Gebrauchtwagenhändlern genutzte 2.320 Quadratmeter große Areal zwischen Eiffestraße und Mittelkanal soll straßenseitig mit einem gewerblichen Gebäuderiegel bebaut werden, in dessen Lärmschatten sich nach Süden hin kanalseitig rund 190 Flüchtlingswohnungen anschließen. Auch hier kann ausschließlich aufgrund der Sonderregelungen im Gewerbegebiet Flüchtlingswohnungsbau errichtet werden – allerdings mit der Perspektive, diese nach 14 Jahren wieder abreißen zu müssen, wenn das Planungsrecht nicht geändert würde. Der Alternativstandort an der Eiffestraße wurde vom Stadtplanungsausschuss einhellig begrüßt. Eine öffentliche Bürgerinformation über die Pläne soll auf Wunsch der SPD umgehend erfolgen.

Info:
Mit einem Forderungskatalog an den Hamburger Senat meldet sich die Bürgerinitiative Öjendorfer Park zur Wort. Die wichtigsten Punkte: Die Zahl der Wohneinheiten soll von 500 auf maximal 240 reduziert und im Rahmen eines normalen Bebauungsplans entwickelt werden. Eine soziale Durchmischung solle von vornherein erfolgen im Verhältnis: 1/3 Flüchtlinge und 2/3 Einheimischer. Die Flüchtlings-Wohnungen im Quartier sollen ausschließlich Familien aus Kriegsgebieten zugewiesen werden. Auf den anderen Grundstücken sollen Baugemeinschaften von Anwohnern Vorrang vor genossenschaftlichem Wohnungsbau erhalten. Zwei Kitas und eine Grundschule direkt im Baugebiet werden gefordert. Große Outdoor- und Indoor-Begegnungsstätten und einen Kinderbauernhof ebenso. Nur unter diesen Voraussetzung sei man bereit, Flüchtlings-Patenschaften zu organisieren, so Michael Uhlig von der Initiative.
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1 Kommentar
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Christiane Störig aus Billstedt | 31.03.2016 | 05:39  
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