Französischer Ex-Premier: „Ich nehme Ideen mit“

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Siebtklässler spielen Cajon auf hohem Niveau Foto: fbt
 
Politiker lauschen dem Vorbereitungsunterricht Foto: fbt

Jean-Marc Arault besucht Stadtteilschule Horn

Von Frank Berno Timm
Horn
Der französische Ex-Ministerpräsident Jean-Marc Arault, Beauftragter für Integration, besuchte am Donnerstag die Stadtteilschule Horn. Für die Schüler stand am Donnerstag dagegen noch etwas anderes im Mittelpunkt: Zeugnisausgabe. Gibt es eigentlich sonst noch eine Schule, in der die Noten eines Klavierwalzers an eine Mauer gemalt sind und unversehrt bleiben? Das Foyer der Stadtteilschule Horn jedenfalls gibt schon einen Eindruck von dem Klima in diesem Haus: freundlich, ziemlich aufgeräumt und interessant. „Zeig mal Dein Zeugnis“, ist einer der Standardfragen am Donnerstagmittag und allzu schlimm scheinen die Ergebnisse nicht zu sein. Direktor Thorsten Nehls hat Gäste: Jean-Marc Arault, französischer Integrationsbeauftragter und Ex-Premierminister, ist mit Schulsenator Ties Rabe (SPD) und einer kleinen Delegation gekommen, um sich die Arbeitsgebiete der Schule anzusehen. Dies sei, sagt Nehls, die „Schule der Vereinten Nationen“, hier würden Schüler unterrichtet, die aus fast 40 Nationen stammten. Die Gruppe geht treppauf über die Flure und macht Station in einer Vorbereitungsklasse. Es geht um komplizierte Satzkonstruktionen im Deutschen, dann um die Bildung von Adjektiven, die Klasse ist klein. Arault sucht das Gespräch, fragt, wie lange die jungen Leute schon Deutsch lernen – ein Jahr, zwei Jahre. Zwei der Schüler, hatte Schulleiter Nehls berichtet, werden jetzt in eine normale Klasse wechseln. „Woher kommen Sie?“ will Schulsenator Rabe wissen: hier sitzen junge Afghanen, ein Bulgare, ein Syrier. Musik spielt in diesem Haus eine große Rolle. Die Räume sind besonders, ja liebevoll gestaltet, es gibt viele Instrumente – Schlagzeuge, Gitarren, Computer. Kinder üben Gitarre auf dem Flur. In einem der Räume sitzt eine 17-köpfige Gruppe und probt ziemlich komplizierte Rhythmen auf dem Cajon. Mal spielt der Lehrer mit, dann schlägt er den Takt auf einer Glocke, das Niveau ist hoch. Die Mädchen und Jungs sind Siebtklässler, erzählt Musikchef Arend Schmidt-Landmeier im Computerraum: Ihre Stücke arrangieren sie selbst, treten viel auf. Auf zum nächsten Schwerpunkt. Claudia Rein, sonst Lehrerin an der Gewerbeschule 8, arbeitet mit einer Kollegin und einer kleinen Zehntklässler-Gruppe, sie trainieren Bewerbungsgespräche. In dem fast winzigen Unterrichtszimmer gibt es ein kurzes Fachgespräch zu dualen Ausbildungen, Praktika, Einstellungstests. Arault, der ausgezeichnet Deutsch spricht, fragt nach Berufswünschen: Ein Junge will zu einem Einzelhandelsunternehmen, Arault kennt dessen Namen nicht. Es sollen mehr Ausbildungsberufe bekannt werden – Ties Rabe erinnert daran, dass es immerhin 350 gibt. An der Stadtteilschule Horn werden 1.200 Mädchen und Jungs von 130 Lehrkräften an drei Standorten unterrichtet. Die Gruppe wechselt hinüber in den Fritz-Schumacher-Bau an der Rhienstraße, um den vierten Schwerpunkt, die Inklusion, vorzustellen. Sozialpädagoge Jens Ternäben umreißt in einer Art „Auszeitraum“ die Möglichkeit, Kinder aus dem Unterrichtsgeschehen herauszunehmen, ihnen Ruhe zu geben, das Gespräch mit Lehrkräften und Eltern und den Kindern zu suchen. Jean-Marc Arault ist sichtlich angetan von seinen Eindrücken: Er spüre den Willen, eine inklusive Gemeinschaft zu schaffen; was er sehe, sei „sehr geeignet, alle Schüler zu integrieren“, sagt er. Und „Es gibt Ideen, die für uns interessant sind“.
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