Fünf Stunden Schlaf in drei Tagen

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Torsten Hansche (links), Bereichsführer der Freiwilligen Feuerwehr Wandsbek, und Jean Gressmann, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Wandsbek-Marienthal Foto: Je/wb

Freiwillige Feuerwehr schützte Dresden vor dem Hochwasser

Hamburg. Schlaf? Daran denken Feuerwehrleute nicht, wenn andere Menschen in Not sind. „In den drei Tagen des Einsatzes habe ich insgesamt höchstens fünf Stunden geschlafen“, sagt Henrik Panczak (26) von der Freiwilligen Feuerwehr Marienthal. Zusammen mit 36 weiteren Mitgliedern aus den acht Freiwilligen Feuerwehren des Bezirks Wandsbek kämpfte der Hamburger Student in Dresden gegen die übermächtigen Elbfluten.
Am Montag, 3. Juni, kam am Nachmittag der Hilferuf aus der sächsischen Landeshauptstadt. Seit der Flut vor elf Jahren wissen die Verantwortlichen in Hamburgs Partnerstadt, dass die Männer der Hamburger Feuerwehren zupacken können. Montagabend bekam Henrik Panczak dann den „Einsatzbefehl“ von seinem Wehrführer Jean Gressmann: „Pack drei Unterhosen ein, wir müssen helfen!“ Großes Gepäck ist bei solchen Hilfseinsätzen fehl am Platz.
Um 22 Uhr trafen sich 150 Feuerwehrkameraden aus ganz Hamburg bei der Feuerwehrschule in der Bredowstraße. Punkt 0.00 Uhr rückte der Konvoi ab: Zwölf Löschfahrzeuge komplett mit Mannschaften, drei Löschfahrzeuge gekoppelt mit Booten, vier Rüstwagen und weitere Spezialfahrzeuge.
Am Dienstag gegen 10 Uhr treffen die freiwilligen Helfer in Dresden ein. Schnell wird die Unterkunft, eine Turnhalle in einer höher gelegenen Schule in der Stadt, bezogen. Schon geht es runter zum Einsatz an die Elbe. Die Hamburger sollen in „Elbflorenz“ das malerischen Terrassenufer schützen. Und dann beginnt die mörderischen Arbeit: Sandsäcke schleppen und zu Wällen aufstapeln. Die Sandsäcke werden von Helfer zu Helfer gereicht. Kaum ist der eine Sandsack weitergereicht, folgt schon der nächste. Eine schier unendliche Kette. Jeder dieser „Bigbags“ ist vier bis fünf Kilo schwer. Es wird geschuftet, bis man nicht mehr kann. Über 800.000 diese Schuttsäcke bringen die Hamburger an den Deich, um zu verhindern, dass die Stadt absäuft.

Fluten oder Abpumpen?

Säcke schleppen war nicht alles. Es ging auch um die Sicherung der Gebäude im Uferbereich der Elbe. Das war nicht ungefährlich. Manfred Crone (53) berichtet: „Im Keller einer Schule, die wir schützen sollten, sprangen plötzlich die Bodenplatten hoch und das Wasser schoss in die Kellerräume. Dazu kamen unheimliche Geräusche aus den Wänden. Wir mussten uns schnell in die höheren Geschosse retten.“
Wehrführer Jean Gressmann: „In gefährdeten Gebäuden sind die Hilfsmaßnahmen durchaus unterschiedlich. In einigen Häusern müssen wir das Wasser abpumpen, um sie zu retten. In anderen Gebäuden muss man die Keller fluten, damit sie nicht einstürzen.“ Um die Helfer nicht zu überlasten, dauert ihr Einsatz drei Tage. Dann muss ein Austausch erfolgen. Für den größten Hamburger Bezirk leitet Torsten Hansche, Bereichsführer Wandsbek, den Einsatz der Feuerwehrleute. Sollte es in Hamburg zu Hochwasserproblemen kommen, wären die Helfer der Freiwilligen Feuerwehren sofort zur Stelle: Hansche: „Die Wandsbeker Wehren sind für die Sicherung der Deiche zwischen der Tatenberger Schleuse und dem Zollenspieker Fährhaus zuständig. Mindestens einmal im Jahr wird dort eine große Übung abgehalten“.

Helfen ist
selbstverständlich

Gerade weil die Helfer aus Hamburg eine gute Ausbildung haben, sind die Dresdner über die Hilfe aus der Partnerstadt so glücklich. Die Hamburger kommen mit voller Ausrüstung, haben ihre eigene Schutzkleidung dabei.
Sie bringen sogar ihre eigene Feldküche mit. Sie müssen nicht groß eingewiesen werden, können am Einsatzort sofort als Helfer eingreifen.
Großen Dank für ihren Einsatz erwarten Feuerwehrleute nicht. Helfen ist für sie selbstverständlich.
Sollte es den Politikern einfallen, sie zum Dank für ihren Einsatz auf einen Sektempfang ins Rathaus einzuladen, würden die Feuerwehrleute gerne darauf verzichten. „Das Geld, das man etwa dafür ausgeben würde“, so erklärten Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Marienthal unisono, „sollte besser als Spende für die von der Flutkatastrophe betroffenen Menschen ausgegeben werden.“
Am vorvergangen Sonntag wurde der Einsatz der Hamburger Feuerwehren in Dresden offiziell beendet. (Je/wb)
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