Gebt uns einen Kinderarzt!

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Diese vier Mütter – stellvertretend für viele Eltern aus Rothenburgsort – sind sauer: sie müssen lange Wege zum nächsten Kinderarzt zurücklegen Foto: Röhe

Kassenärztliche Vereinigung Hamburg lehnt Sonderzulassung bislang ab

Von Matthias Röhe
Rothenburgsort
„Wenn mein sechsjähriger Sohn krank ist, fahre ich immer nach Altona zu einem Kinderarzt“, sagt Christina Siggelkow. Die 47-Jährige lebt im Stadtteil Rothenburgsort. Dort allerdings gibt es keinen Kinderarzt – sehr zum Leidwesen der dort lebenden Eltern. „Der nächst gelegene Kinderarzt ist im Droopweg in Hamm. Aber mit mehrmaligem Umsteigen brauche ich fast eine halbe Stunde. Dann kann ich auch nach Altona fahren“, sagt Siggelkow.
Viele Rothenburgsorter Eltern ärgern sich aber nicht nur über die Fahrtzeit. Auch die Kosten für die öffentlichen Verkehrsmittel können viele nur mit Mühe aufbringen. Der Anteil der Hamburger, die Sozialhilfe empfangen, ist in Rothenburgsort und Billbrook am höchsten, wie es aus einem Bericht des Statistikamts Nord hervor geht. (29 Prozent der Stadtteilbewohner erhielten in 2012 Sozialleistungen).
Auch die bislang in dem Stadtteil niedergelassenen Allgemeinärzte bekommen die Problematik mit. „Seit 1993 bin ich in Rothenburgsort tätig. Viele Familien haben drei oder vier Kinder. Ich merke schon seit einigen Jahren, dass mehr Kinder zu mir in die Praxis kommen“, sagt Allgemeinmedizinerin Andrea Ibing, die zuvor im Altonaer Kinderkrankenhaus gearbeitet hat. „Mehr Kinder, mehr Arbeit – aber wir bekommen nicht mehr Ärzte“, bedauert die 57-Jährige. Vor kurzem wurde eine Sonderzulassung für einen Kinderarzt bei der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung beantragt: ohne Erfolg.

„Mehr Kinder, mehr Arbeit – aber wir bekommen nicht mehr Ärzte.“ Andrea Ibing

Der Zulassungsausschuss, der als eigenständiges Gremium paritätisch besetzt mit Vertretern der Krankenkassen und Ärzten über die Sonderbedarfszulassung entscheidet, gab kein grünes Licht für einen Kinderarzt in Rothenburgsort.
„In Hamburg ist schon eine deutlich dichtere Mindestversorgung als andernorts gewährleistet. Eine gleichmäßig dichte Versorgung über diesen Mindestbedarf hinaus kann mit den Vorgaben des SGB V nicht erreicht werden“, teilt Melanie Vollmert, Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg mit und ergänzt: „In Rothenburgsort war kein Sonderbedarf zu gewähren. Umliegende Kinderärzte, nominell aber in anderen Stadtteilen, haben darüber hinaus ausreichende freie Kapazitäten gemeldet. Das mag im Zulassungsausschuss die ausschlaggebende Rolle gespielt haben.“
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