Gefährdung durch Raser

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Adnan Temel, erster Vorsitzender des Elternbeirats und Julia B. wollen, dass der Straßenabschnitt zwischen Abzweig Reclamstraße und der neuen Ampelanlage zur 30er-Zone wird.Foto: mn
 
Die Verkehrssituation an der Billstedter Hauptstraße ist unübersichtlich, viele Autos fahren zu schnell.Foto: mn

Elternbeirat der Kindertagesstätte fordert Straße in 30er Zone umzuwandeln

Von Mike Neschki
Billstedt. Die Billstedter Hauptstraße in Höhe der Kindertagesstätte JuKiCo ist für einige Autofahrer zur Rennstrecke geworden. Grund dafür ist die Verkehrsführung. An der Ampel Abzweig Reclamstraße Richtung Kirchsteinbek befinden sich zwei Fahrspur-en, wobei die rechte Spur etwa 50 Meter hinter dieser Ampel von parkenden Autos belegt ist. Um nun auf die linken Spur zu kommen gibt es zwei Möglich-keiten. Erstens langsam anzufahren und zu hoffen, dass andere Autofahrer das Prinzip des Reißverschlusssystems kennen und anwenden, oder aber besonders schnell anzufahren, um möglichst vor dem Fahrzeug, dass sich schon auf der linken Spur befindet, einzufädeln. Das hat leider zur Folge, dass die Ampel, gut 100 Meter weiter, gern übersehen wird. Und hier liegt das Problem. Dort befindet sich der Übergang für Kinder und alten Leute, die etwa den Bus Richtung Mümmelmanns-berg erreichen möchten. Aber alte Leute und Kinder sehen nicht nur schlechter als gesunde Erwachsene, sie haben zudem auch noch einen bis zu 30 Prozent kleineren Blickwinkel. Und gesunde Erwachsene sehen „schneller“; können somit Geschwindigkeiten von heranfahrenden Autos besser ein-schätzen.
Aus diesen Gründen hat sich aus dem Elternbeirat der Kinder-tagesstätte JuKiCo eine Gruppe formiert, die den Bereich vor dem denkmalgeschützen Haus der ehemaligen Jutefabrik in eine 30er Zone umwandeln wollen. Sie möchten damit präventiv, also vorsorglich, handeln. Denn noch ist nichts passiert, weil auch von Seiten der Kindertagesstätte alles dafür getan wurde, Unheil zu verhindern. Wie zum Beispiel der alte Eingang, der geschlossen wurde. Dafür wurden neue Eingänge geschaffen, sodass sogar die alte Barriere an der Straße vor dem Haus nutzlos geworden ist. Und die Pforten wurden so konstruiert, dass sie von den Kindern nicht geöffnet werden können.Trotzdem: So wie die Autos von ihren Besitzern genau an dieser Stelle gefahren werden, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis doch etwas passiert. Dabei sind nicht nur Kinder gefährdet, auch die Bewohner der neuen Altenwohnanlage genau gegenüber können durch die teilweise höchst aggressiven Fahrweisen der Autofahrer betroffen sein.
„Wir haben schon alles versucht,“ erklärte uns der Vorstand des Elternbeirats, Adnan Temel (42), der dieses Problem auch schon dem Regionalausschuss vorgetragen hat. „Notfalls würden wir die Kosten sogar selbst tragen, um auf die Straße ein großes 30er Zone-Emblem malen zu lassen.“ Das aber ist gesetzlich nicht erlaubt, weil die Straße keine zweispurige ist. Die vierspurige Stresemannstraße bleibt in Hamburg als 30er Zone die Ausnahme.
Nun aber soll die Billstedter Hauptstraße vom Schiffbeker Weg bis zur Reclamstraße als provisorische zweispurige Straße umgebaut werden. „Dann wäre es doch kein Problem,“ so Adnan Temel weiter, „wenn dieser Teil der Straße auch noch zweispurig ist, kann man daraus leicht eine 30er Zone machen.“ Das Bezirksamt wird gebeten, diese Situation noch einmal zu überdenken. Denn sonst heißt es vielleicht:. Hätten wir doch bloß. Die Billstedter und die Steinbeker Hauptstraße waren historisch die einzige respektable Verbindungen nach Reinbek oder Bergedorf, also Richtung Osten. Da der Verkehr damals wesentlich überschaubarer war, hauptsächlich sprechen wir hier von Pferdefuhrwerken, die das Straßenbild prägten, genügten auch noch zweispurige Straßen. Dann folgten neumodische Knatterkisten – Automobil nannte man diese Gefährte, die zwar später etwas leiser, dafür aber massenhaft produziert, gekauft und gefahren wurden. Deshalb musste unter anderem die Billstedter Hauptstraße Anfang der 50er Jahre auf vier Spuren verbreitert werden. Kilometerlange Autoschlangen sollten so vermieden werden. Ganz aber konnte der Verkehr dadurch nicht gezügelt werden, so dass später sogar über eine Unter-tunnelung des Stadtteils nachgedacht wurde. Man entschied sich dann aber doch nur für eine Stadtautobahn von der Eiffestraße im Westen bis nach Bergedorf im Osten. Die Konsequenz daraus hätte lauten können: Wir bauen die Hauptstraße wieder zurück auf zwei Spuren. Hat man aber nicht. Statt dessen wurde den Auto-besitzern erlaubt, ihre Fahrzeuge jeweils links und rechts am Straßenrand zu parken. Dadurch wurde ohne Kosten auch wieder eine zweispurige Straße. Sie blieb allerdings eine baulich vierspurige Straße. Und deshalb kann das Stück vor der Kindertagesstätte im Moment nicht in eine 30er Zone umgewandelt werden. (mn)
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