Generationswechsel bei „Ahoy“-Hamburg

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Wenn die „Ahoyer“ auftreten, dann immer in schmucken Uniformen – die aktuell in Freiburg im Breisgau maßgefertigt werden Foto: to
 
Heike und Klaus Braun vor ihrem Haus in Oststeinbek Foto: to

Der Spielmannszug aus Billstedt wird jetzt vom Nachwuchs geleitet. Weitere Mitspieler gesucht

Von Thomas Oldach
Billstedt/Oststeinbek
Sie sind Deutscher Meister 2012 gewesen, haben den EM-Titel 2008 geholt und waren 2013 beim Internationalen Musikfestival in Shanghai dabei: Das Show-Musikkorps „Ahoy“ ist seit mehr als 40 Jahren eine echte Institution – bei der es jetzt einen Generationswechsel gibt. Heike und Klaus Braun haben das Heft des Handelns aus der Hand gegeben und an jüngere Kräfte weitergereicht – nämlich an Jan Merkel (29) als Ersten und Michael Wilhelm (39) als Zweiten Vorsitzenden. Doch die Gründungsmitglieder bleiben dem Verein als Vizepräsidenten erhalten – „unser Blut ist schließlich orange“, sagen die beiden Ex-Chefs bezogen auf die Traditionsfarbe des Vereins unisono.

35 Frauen und Männer


Angefangen hatte ihr Engagement bereits 1965 im Spielmannszug von Vorwärts Billstedt der damaligen Betreuer Erwin und Lissi Witt (heute noch „Ahoy“-Präsidentin). Die Eltern der heute 63-jährigen Heike Braun verabschiedeten sich 1975 vom Sportverein Vorwärts und gründeten das heutige Show-Musikkorps „Ahoy“. Im Jahr 2000 übernahmen der damalige Oberstabsfeldwebel Klaus Braun (heute 68) und seine Frau den „Taktstab“. Mit Erfolg: Denn es gibt kaum eine andere Musikformation, die aus einem herkömmlichen Spielmannszug hervorgegangen ist und nach wie vor so erfolgreich ist. 35 Frauen und Männer sind aktiv dabei, die Nachwuchsabteilung zählt sechs Köpfe, insgesamt sind es aktuell 91 Mitglieder im Alter von acht bis 45 Jahren (Durchschnitt 12,8 Jahre), die Spaß an traditioneller wie moderner Musik haben.

Breites Musik-Repertoire


Denn das Repertoire reicht längst von Mozart über Märsche bis Michael Jackson und Abba. Ist diese Mischung ein Erfolgsgeheimnis? „Ja“, sagen Klaus und Heike Braun, die selbst mit der Lyra (Glockenspiel) im Einsatz war. Acht Mallets (Stabspiel), 13 Flöten, fünf Snaredrums (Trommeln), zwei MultiTenors, drei Bassdrums und drei Cymbals sind unter Führung der Tambormajorin Sandra Lohse ebenfalls bei großen Auftritten dabei. Auftritte, die man auch buchen kann. „Es macht einfach Spaß, Teil dieser musikalischen Gemeinschaft zu sein. Mit ,Ahoy‘ haben wir viele junge Leute nicht nur an das Beherrschen eines Instruments herangeführt, sondern auch viel für das Gemeinwesen getan. Denn gerade in der Gemeinschaft erlangt man eben auch eine hohe soziale Kompetenz“, sagen die beiden Brauns, die heute nach Stationen in Billstedt, Harburg, Neugraben, und Neu Wulmstorf ihren „Heimathafen“ seit acht Jahren in Oststeinbek gefunden haben und 2015 mit der Verdienstmedaille für das Gemeinwohl in Hamburg ausgezeichnet wurden. Doch darauf wollen sie sich nicht ausruhen: „Toll, dass der Generationswechsel geklappt hat. Aber wir bleiben dem Verein in der zweiten Reihe immer noch erhalten“, sagen die „Ahoyer“. Kein Wunder: Bleibt man doch „seinem Kind“ auf ewig verbunden.

Weitere Infos, Buchungen, Mitgliedschaft, Spenden, Trainingszeiten unter www.ahoy-hamburg.de oder Telefon 533 052 87

Info


In Zeiten der Digitalisierung und der immer weiter wachsenden Anforderungen an Jugendliche, sind Vereine, die alte Traditionen erhalten wollen, allgemein auf dem Rückzug. Dies betrifft auch und insbesondere den Bereich der Spielmannszüge, die meist Schützen- oder Sportvereinen angegliedert sind. „Wer heute nur noch auf Traditionelles setzt, hat es sehr schwer“, sagt denn auch Udo Wohnsen, Erster Vorsitzender der Spielmannszugvereinigung Schleswig-Holstein mit 25 Vereinen. Doch sowohl er als auch Stefan Thomsen, Vizepräsident des Musikverbands Schleswig-Holstein (130 Mitglieder) sagt: „Es gibt von Ort zu Ort große Unterschiede. Fakt ist aber: Wer mit der Zeit geht und sich modern aufstellt, vielleicht sogar noch Zeltlager- und Auslandsaufenthalte anbietet, kann die Jugend wieder gewinnen. ,Ahoy‘ macht das vor.“
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