Geringe „Ausbeute“ beim Blitzer-Marathon

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Die meisten Autofahrer hielten sich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen. Einige meinten zu gut: In vielen 30er Zonen erreichten sie gar nicht erst die erlaubte Höchstgeschwindigkeit Foto: mn

46 Schnellfahrer in Billstedt und Horn gestoppt. Polizei zufrieden mit Aktion

Hamburg. „Moin, wissen Sie, was heute für ein Tag ist?“ Mit diesen Worten begrüßte Hauptkommissar Thomas Kellen am vergangenen Mittwoch die Autofahrer, die wegen überhöhter Geschwindigkeit von ihm angehalten wurden. Viele wussten natürlich sofort, was die Stunde geschlagen hatte, denn der Blitzer-Marathon, der auf Initiative des Landes Nordrhein-Westfalen am 10. Oktober in allen deutschen Bundesländern stattfand, war wohl den wenigsten verborgen geblieben.
Rund 15.000 Polizisten, darunter auch Mitarbeiter des PK 42 in Billstedt, machten „Jagd“ auf Raser und Temposünder. Bundesweit etwa 8.600 Kontrollstellen, in Hamburg waren es 389, in Billstedt allein sechs, wurden mehr oder weniger sichtbar an Straßenrändern installiert.
Sinn der Aktion war, das Geschwindigkeitsniveau in der Stadt nachhaltig zu senken und Autofahrer zum Thema „überhöhte Geschwindigkeit“ zu sensibilisieren. Denn ein Großteil der Verkehrsunfälle mit Todesfolge ist nach wie vor auf das zu schnelle Fahren zurückzuführen. Noch immer stirbt in Deutschland alle zweieinhalb Stunden ein Mensch im Straßenverkehr, „Deshalb wird die Hamburger Polizei nicht in ihren Bemühungen nachlassen, die Verkehrsunfallzahlen zu reduzieren,“ so Sandra Levgrün von der Polizeipressestelle Hamburg.
Am 15. Februar 1959 begann in der Bundesrepublik Deutschland die neue Ära der Geschwindigkeitsüberwachung im Straßenverkehr. Im Regierungs-bezirk Düsseldorf kam erstmals ein mobiles Radargerät zum Einsatz. Später kamen die Laserpistole, das Laserfernglas, das Lichtschrankenmessgerät oder die Videokamera im Polizeiauto hinzu.
46 Fahrzeuge angehalten
Zweck dieser Bemühungen war, die Todesrate der Verkehrsteilnehmer zu minimieren. Doch mittlerweile sanieren Städte und Gemeinden mit den Einnahmen aus immer mehr Blitzanlagen und Radarfallen ihre Haushalte.
Laut Torsten Florian Singer, Sprecher der neu gegründeten Initiative „Gemeinsam gegen Blitzerabzocke“, werden 2013 mehr als 600 Millionen Euro durch Blitzer-Einnahmen in ganz Deutschland erwartet.
Mittlerweile erhalten sogar gewinnorientierten Blitzerfirmen von Städten und Landkreisen direkte Aufträge. Konsequenz ist, dass sich die Bundesländer von Tempokontrollen an wirklichen Unfallschwerpunkten immer mehr verabschieden, weil sie nicht einträglich genug sind und zuviel Personal binden.
Um beispielsweise Autofahrer durch Laserpistolen zu überführen, müssen drei Polizisten abgestellt werden. Einer zum Lasern, einer zum Stoppen und einer für die Formalitäten. Das rechnet sich nicht.
Dagegen hilft eigentlich nur noch verkehrskonformes Verhalten aller Autofahrer oder eben einmalige Aktionen wie am vergangenen Mittwoch.
Insgesamt wurden in Billstedt und Teilen von Horn „nur“ 46 Fahrzeuge wegen geringfügiger Geschwindigkeitsüberschreitung zur Kasse gebeten. In ganz Hamburg waren 2.851.
Die positive Bilanz: „Im gesamten Stadtgebiet hatten wir 50 Prozent weniger Unfälle, bei denen Verkehrsteilnehmer verletzt wurden. Das zeigt, wie erfolgreich unsere Aktion war“, so Polizeivizepräsident Reinhard Fallak. (mn)
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