„Glinder Austausch-Kiste“ ist beliebt

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Lioba und Uwe Brück kommen gerne an der „Schatzkiste“ vorbei Foto: Timm

Die kleine Holzbude in Billstedt fördert die Nachbarschaft

Von Frank Berno Timm
Billstedt
Wo gibt es etwas umsonst? In der „Glinder Austausch-Kiste“ von Michael Krempin. Der 23-Jährige ist nach vier Jahren aus den USA nach Hamburg zurückgekehrt und hat von dort die Offenheit für ehrenamtliche Arbeit mitgebracht. Die Glinder Au ist eine schöne Wohnstraße in Billstedt – auf der einen Seite nette Einfamilienhäuser am Hang, auf der anderen Seite eine große Grünanlage mit Wasser, wo man entspannt spazieren gehen kann. Mittendrin, am Rand einer Einfahrt, steht seit kurzem ein kleines Holzbüdchen: Von oben gegen Regen geschützt, ein paar Fächer gefüllt mit Büchern und Krimskrams, ein Gästebuch. Wer mag, kann etwas mitnehmen, auch der umgekehrte Weg ist Absicht: So finden Gegenstände aller Art neue Besitzer und, das ist das Angenehme, Geld ist bei der „Tauschkiste“ nicht im Spiel.

„Man kommt ins Gespräch“

Michel Krempin hat die „Glinder Austausch Kiste“ aufgebaut: „Man kommt mit den Leuten ins Gespräch“, sagt er. Was morgens hineingelegt wird, sei abends wieder weg. Einmal hätte jemand sogar ein Fahrrad abgestellt, das sei nach 20 Minuten weggewesen. Am meisten, erzählt Krempin, würden Bücher in die Kiste gestellt und mitgenommen. Die Befürchtung, die Glinder Kiste könne zur Müllablage missbraucht werden, hat sich indes nicht bewahrheitet. Fonduestäbchen, die auch nach einem Monat keinen neuen Besitzer fanden, hat Krempin weggeworfen, genauso eine angebrochene Flasche Massageöl. „Jeder hat viel zu viel“, findet er, da findet sich doch genug für die „Kiste“. Krempin hat bis Mai in den USA „Internationale Beziehungen“ studiert. An einer katholischen Uni in West-Virginia, wo er mit einem Sportstipendium war, gebe es ganz viel Ehrenamt, der Staat sei nicht allzu reich. „Vielleicht hat sich da mein Bewusstsein entwickelt“, vermutet Krempin, der jetzt sein Studium fortsetzt. Kirchsteinbek ist seine Heimat, Krempin ist hier aufgewachsen, er findet, dass sich der Stadtteil seinen dörflichen Charakter bewahrt hat, „ich kenne hier noch viele Leute“. Und die werfen beim Spazierengehen einen Blick in die Box, legen etwas hinein. Andere, berichtet Krempin, stoppen einfach auf dem Heimweg von der Arbeit. Die Tauschbox wird gerne angenommen und von den Nachbarn als eine wahre Bereicherung für den Stadtteil wahrgenommen.

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