Glinder Bürgerinitiative kämpft für Vielfalt

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Bei der Mahnwache am Glinder Berg Foto: Hans-Jürgen Preuß
 
Hans-Jürgen Preuß ist Sprecher der Initiative Foto: Möller

Ausstellung an Schulen geplant. Früherer Pastor Hans-Jürgen Preuß engagiert sich immer noch

Von Christa Möller
Glinde
Hans-Jürgen Preuß ist Pastor im Ruhestand – wobei das Wort Ruhestand nicht so ganz wörtlich zu nehmen ist. Schon zu Beginn seines Berufslebens engagierte sich der 76-Jährige politisch und machte sich in Bürgerinitiativen stark für seine Überzeugungen. Geboren wurde er bei Landsberg an der Warte, kam im August 1945 mit seinen Eltern nach Hamburg. Dort, sowie in Berlin und Heidelberg, studierte er Theologie. Seine erste Stelle trat er 1967 in der Sankt Pauli-Kirche an. Als in der unmittelbaren Nachbarschaft Abriss und Neubauvorhaben drohten, wehrte er sich gemeinsam mit anderen, „um die Kahlschlagsanierung zu verhindern“. Später war er Pastor in Allermöhe-Reitbrook und setzte sich unter anderem in der Bürgerinitiative gegen die südliche Güterumgehungsbahn ein, aber auch gegen den Transrapid sowie für Lärmschutz an der Autobahn 25.

Pastor in Unruhestand


Mit dem Ruhestand folgte 2001 der Umzug nach Glinde – aber das war für Hans-Jürgen Preuß noch lange kein Grund, sich zurückzuziehen – ganz im Gegenteil. Zunächst war er eine Wahlperiode lang im Seniorenbeirat aktiv. Dadurch kenne er die politische Szenerie im Ort gut, wie er sagt. Und als am 16. September 2011 der „Tønsberg“-Laden am Glinder Berg eröffnete, wo die bei Rechtsextremen beliebte Modemarke Thor Steinar verkauft wird, sah er erneut dringenden Handlungsbedarf. Gemeinsam mit anderen Glindern engagiert er sich seither in der Initiative „Glinde gegen rechts“, deren Gründungsmitglied und Sprecher er ist. Bis zu sieben Aktive kommen bei den Mahnwachen vor dem Laden an der Möllner Landstraße (montags bis freitags von 16 bis 18 Uhr, sonnabends von 13 bis 15 Uhr) zusammen, wo sie lautstark auf ihr Anliegen aufmerksam machen. „Wir sind zuversichtlich, dass der Laden noch in diesem Jahr verschwinden wird“, sagt Preuß. Zum einen laufe im September der Mietvertrag aus, zum anderen kommen immer weniger Kunden.
„Die Kunden wissen, dass sie Kleidung kaufen, deren Kennzeichnung, Symbolik und Inschriften der rechten Szene zuzuordnen sind“, ist er überzeugt und hält auch die Namensgebung keinesfalls für zufällig: „Tønsberg ist eine Stadt in Norwegen, wo sich ein nationalsozialistisches Konzentrationslager befand“, erläutert der Glinder. Die Initiative „Glinde gegen rechts“ hat gemeinsam mit dem Parteienbündnis, dem CDU, SPD und Grüne angehören, zum 4. Jahrestag eine vom Kurator des Jüdischen Museums in Oslo geplante Ausstellung im Bürgerhaus präsentiert. Titel: „Tønsberg und Thor Steinar – vom nationalsozialistischen Konzentrationslager zum rechten Szene-Laden“. Die Ausstellung soll im Frühjahr anlässlich der Internationalen Wochen gegen Rassismus vom 10. bis 23. März im Rahmen des Geschichtsunterrichts Thema an Glinder Schulen sein. Außerdem plant die Initiative gemeinsam mit dem Flüchtlingsverein und anderen Organisationen ein interkulturelles Fest mit Flüchtlingen. Die Initiative „Glinde gegen rechts“ steht außerdem unter anderem in Verbindung mit dem Bergedorfer Verein für Völkerverständigung, dem Freundeskreis Gedenkstätte Neuengamme und dem Ausschwitz-Komitee in Hamburg. „Es ist eine tolle Erfahrung, dass man im Ruhestand noch so viele Möglichkeiten hat und es so viele Dinge gibt, mit denen ich mich beschäftigen kann“, sagt Preuß.

Keine Langeweile


Als die ersten Lampedusa-Flüchtlinge nach Hamburg kamen, entstand der Kontakt zwischen der „Bürgerinitiative gegen rechts“ und der Glinder Moschee. Bis heute sind übrigens außer Preuß noch weitere Mitbegründer der Initiative treu geblieben. Der engere Kern der Bürgerinitiative, die kein Verein ist, umfasst etwa zwanzig Mitglieder. „Bei Veranstaltungen kommen etliche dazu“, erläutert Preuß. Bis vor drei Jahren hat er Studienreisen in europäische Länder organisiert. Seine Freizeit verbringt er gern mit Familie und Freunden, hat Spaß in seiner Männerrunde in Ochsenwerder und ist jedes Jahr drei Tage mit früheren Klassenkameraden auf Tour. Und dann ist da ja auch noch der Garten. Kein Wunder, dass Hans-Jürgen Preuß sagt: „Langeweile haben wir eigentlich nicht.“
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6 Kommentare
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peter walter aus Billstedt | 22.01.2016 | 07:00  
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Elke Noack aus Rahlstedt | 30.01.2016 | 12:19  
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peter walter aus Billstedt | 30.01.2016 | 16:56  
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Elke Noack aus Rahlstedt | 30.01.2016 | 19:43  
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peter walter aus Billstedt | 31.01.2016 | 02:22  
1.240
Elke Noack aus Rahlstedt | 31.01.2016 | 10:11  
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