Halle des Anstoßes

Anzeige
Unmittelbar angrenzend am geplanten Standort der neuen Halle liegen 100 Wohnungen/Appartements Simulation: Finanzbehörde
 
Anwohnerin Anke Singer ist Mit-Initiatorin eines Bürger- begehrens

Anwohner empört: Wurden nicht in Planung miteinbezogen

Von Klaus Schlichtmann
Borgfelde. Der Grundstein ist noch nicht gelegt, es liegt noch nicht einmal eine Baugenehmigung vor. Und dennoch bahnt sich in Hamburgs kleinstem Stadtteil Borgfelde (Neuwerk ausgenommen) bereits jetzt ein Konflikt zwischen Anwohnern und Behörden um eine neue Sporthalle auf dem Gelände der Berufsschule W8 an der Burgstraße an.
Die Aktion neue Sporthalle trat am 7. Oktober in eine entscheidende und auch umstrittene Phase. An diesem Tage rückten Arbeiter mit Motorsägen an und fällten 23 Spitzahornbäume, um Platz zu schaffen für den Neubau. „Um Tatsachen zu schaffen!“, behaupten einige Anwohner gereizt, die von dieser Fällaktion überrascht wurden. „Wir fühlen uns übergangen, wir Anwohner hier in Borgfelde sind überhaupt nicht eingebunden worden in dieses weitreichende Projekt, weder in der Planung noch in der Informationspolitik in dieser Sache“, erklärt Anke Singer, die unmittelbar an dem geplanten Standort der Halle in einer Eigentumswohnung lebt. Schon jetzt ist das Schulgelände eine Baustelle: Das alte Verwaltungsgebäude an der Klaus-Groth-Straße ist abgerissen, eine Baugrube ausgehoben worden. Hier entsteht ein neues, geräumiges Verwaltungsgebäude, das mit dem denkmalgeschützten Schulbau von 1921 durch eine überdachte Brücke verbunden wird. Bislang wurden hier Berufsschüler aus dem Friseur-, Kosmetik- und Maskenbildner-Handwerk unterrichtet, doch demnächst kommen die Auszubildenden aus der Schule für Gesundheitspflege (W1) hinzu, die Gesamtschülerzahl in Teil- und Vollzeit steigt dann auf zirka 1.300.
Die neue Sporthalle soll hinter dem Hauptgebäude errichtet werden - 34,5 Meter lang, 16,8 Meter breit, 660 Quadratmeter groß inklusive Sozialräumen. Das Spielfeld ist mit 430 Quadratmetern konzipiert, Zuschauer-Tribünen sind nicht vorgesehen. Die alte Turnhalle von 1916 wird saniert und umgebaut, hier entstehen unter anderem eine Mensa und eine Mediathek.
Diese alte Halle wird bislang auch von Sportvereinen wie dem HTB 62 genutzt. „Wenn es dann im März 2015 soweit ist, werden wir mit unseren entsprechenden Abteilungen in die neue Halle umziehen“, erklärt Vereinsvorsitzender Hans-Joachim Heeg, „einerseits ist das schade, anderseits wird die neue Halle einige Vorteile bieten, auch in Punkto Sicherheit.“

Bedenken wegen Lärm und Parkplatznot

Die größten Bedenken der Anwohner waren bislang eine mögliche Nutzung der Sporthalle auch als Mehrzweck-Halle und die damit verbundenen Lärmbelästigungen bei der An- und Abfahrt. Doch eine andere Nutzung als ausschließlich eine sportliche durch Schüler und Vereine schließt die Finanzbehörde als Bauherr aus. Eine weitere Sorge beschäftigt die Anlieger. Anke Singer: „Nach dem Bebauungsplan sind nur wenige Meter von unseren Schlafzimmerfenstern Parkplätze geplant, das führt doch unweigerlich zu Ruhestörung! Und überhaupt: Die Parkplatz-Situation in unserem kleinen Viertel ist durch viele neu entstandene Wohnungen jetzt schon prekär - wie soll das denn erst nach Fertigstellung der neuen Halle werden?!“

Das meinen die Parteien

Längst hat die Diskussion um die Sporthalle auch die Parteien erreicht und beschäftigt. Grundsätzlich wird der Bau begrüßt, Tenor: Bewegung und Sport sind wichtig. So stellt die geplante Halle für den CDU-Bezirksabgeordneten Holger Schmidt „eine Bereicherung für den Stadtteil dar und eröffnet gleichzeitig die Chance für die Sportvereine, ein breiteres Angebot vorzuhalten.“ Hinsichtlich der nötigen Baumfällungen räumt er allerdings ein, dass es im Vorwege zu Problemen gekommen sei.
Auch Dr. Michael Osterburg, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bezirk Mitte, ist nicht generell gegen die neue Sporthalle. „Aber das ganze Prozedere im Vorfeld war doch recht undurchsichtig, auch für uns schwer zu durchschauen.“ Besonders ärgert ihn die ausgeweitete Rodung des Geländes, denn nach alten Plänen sollte die Halle nicht so nah an die Grundstücksgrenze gesetzt werden. Auf dem aktuellen Plan aber ist sie um 2,3 Meter versetzt worden - und deswegen wurden nun auch zwei Bäume gefällt, die 250 Jahre überstanden haben, auch die verheerenden Brandnächte im Krieg.
Dr. Osterburg: „Das waren sehr wertvolle Bäume, ihre Fällung ist eine Katastrophe!“ Er schließt nicht aus, dass seine Partei einen Antrag einbringen wird, alle Arbeiten einzustellen, die mit dem Bau der neuen Sporthalle zu tun haben. Susanne Buhl (SPD), Sprecherin des Regionalausschusses Hamm, Horn, Borgfelde, hält eine Sporthalle im Stadtteil für sinnvoll, fordert jedoch eine Erklärung für die Baumfäll-Aktion. „ Es hat uns schon schockiert, dass die Baumfäll-Aktion so kurzfristig angesetzt wurde“, sagt Buhl.
„Auf unserer nächsten Sitzung am 12. November möchten wir Aufklärung darüber haben, warum das so gelaufen ist. Wir möchten, dass die Verwaltung in Zukunft sensibler mit den Bürgern umgeht!“ Ähnlich äußert sich auch der umweltpolitische Sprecher der SPD Arik Willner: „Uns haben die Fällungen vollkommen überrascht. Der Vorgang muss jetzt bedingungslos aufgeklärt werden, das hat uns der Bezirksamtsleiter auch zugesagt. Der Umweltausschuss wurde nicht in die Lage versetzt zu handeln. Das ist nicht akzeptabel.“
Anwohnerin Anke Singer handelt bereits jetzt. Sie ist Mit-Initiatorin eines Bürgerbegehrens, das den Bau stoppen soll. 2000 Unterschriften von Bürgern im Bereich Hamburg-Mitte sind dafür zunächst erforderlich - und Anke Singer ist zuversichtlich: „Wir schaffen das!“ (ks)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige