Hamburg: Abtauchen und Leben retten

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Sascha Melcher, Matthias Voutta, Lehrgangsteil- nehmer Gunnar Egner und Holger Feldmann (v. li.) Fotos: cm
 
Mit ihrem autonomen Tieftauchgerät starten die angehenden Berufstaucher zur Übung im Tauchcontainer

Billstedter Feuerwehrleute im Spezialeinsatz. Anspruchsvolle Ausbildung und grenzüberschreitende Einsätze

Von Christa Möller
Hamburg. Einfach mal abtauchen – wer möchte das nicht? Aber so ganz wörtlich ist das zumeist nicht gemeint – es sei denn, die Rede ist von der Spezialeinsatzgruppe Tauchen - kurz SEGT - der Berufsfeuerwehr Hamburg, die in Billstedt stationiert ist.
Mit vier Mann Besatzung ist ihr Dienstfahrzeug im Notfall zügig vor Ort. Die zwei Taucher ziehen sich während der Fahrt um. „Die neue Herausforderung hat mich gelockt“, sagt Berufsfeuerwehrmann Christian Wolter. Der 43-Jährige ist seit zwanzig Jahren bei der Feuerwehr, schon lange taucht er privat. Das tut übrigens etwa die Hälfte der Feuerwehrtaucher.
Sascha Mützelfeldt (30) ist schon einige Zeit an der Billstedter Wache, kennt daher die Gruppe und möchte gern dazugehören. Sebastian Mahrt (30) schätzt die geregelten Übungsdienste, „da wird man routinierter.“ Denn regelmäßige Tauchgänge gehören, ebenso wie Schwimmtraining, auch nach der Ausbildung zur Tagesordnung. Mützelfeldt und Mahrt nennen die Herausforderung, sowohl physisch als auch psychisch, als Grund, sich zu bewerben. Sie gehören zu zehn Lehrgangsteilnehmern, die nach drei Monaten demnächst ihre Prüfung ablegen. Alle haben nach der 18-monatigen Ausbildung zum Berufsfeuerwehrmann eine zweijährige Zusatzausbildung als Rettungsassistent absolviert. Zukünftig wird die dreijährige Ausbildung zum Notfallsanitäter gefordert.

Abwechslungsreiches Lehrprogramm

Auf dem Lehrprogramm steht das Tauchen im Container mit hydraulischem Rettungsgerät. Es gilt, mit Rettungsschere und Rettungsspreizer eine Autotür zu öffnen. „Nur wir und die Feuerwehr in Lemgo haben so einen Tauchcontainer“, sagt Wachführer Holger Feldmann stolz. Vor zehn Jahren haben die Kameraden den dreißig Kubikmeter Wasser fassenden Container mit Sichtfenstern in Eigenleistung gebaut, denn „so einen Ausbildungsabschnitt kann man im echten Leben schlecht demonstrieren“, sagt Feldmann. Die Hamburger SEGT ist vergleichsweise groß und eine der wenigen Berufsfeuerwehren mit Tauchergruppe im norddeutschen Raum. Nur Kiel, Lübeck und Flensburg sowie Wolfsburg, Hannover und Bremen haben ebenfalls Berufsfeuerwehrtaucher im Einsatz.

48-Stunden-Woche

Nachwuchs mit Feuerwehrausbildung, der den körperlichen und gesundheitlichen Anforderungen für die SEGT gewachsen ist, sei allerdings nicht so leicht zu finden, so der Wachführer. Alle 129 Billstedter Berufsfeuerwehrleute sind DLRG-Wasserrettungsschwimmer, 45 haben die Zusatzausbildung als Taucher und sind im Schichtdienst mit 48-Stunden-Woche in drei Wachabteilungen aktiv, übernehmen allerdings ebenso die normale Feuerwehrarbeit wie etwa Brandbekämpfung oder die Rettung der Katze vom Baum. „Der Feuerwehrbeamte ist ein Multifunktionsbeamter“, erklärt Wachführer Feldmann. „Tauchen ist allerdings unsere Erstfunktion, weil wir ein sehr hohes Einsatzaufkommen haben“, ergänzt Sascha Melcher. Zehn bis zwanzig Minuten betrage das Zeitfenster, in dem eine Menschenrettung wahrscheinlich sei. In diesem Jahr konnten die Taucher ein Mädchen an den Landungsbrücken retten, das nach dreißig Minuten unter Wasser auf dem Wege der Besserung sei – ohne Folgeschäden.
Sascha Melcher kam als ausgebildeter Berufstaucher 1999 zur Berufsfeuerwehr, seit 2007 ist er in Billstedt Ausbildungskoordinator und Lehrgangsleiter. Er weiß: „Das Handling über Wasser ist schon sehr anspruchsvoll, unter Wasser ist null Sicht.“

90 Einsätze im Jahr

Etwa neunzig Mal rücken die Feuerwehrtaucher im Durchschnitt jährlich aus, in manchen Jahren bis zu 150 Mal. Ziele sind die Elbe, die Alster und die Fleete, aber auch die bis zu 27 Meter tiefen Badeseen sowie die Gewässer in der Umgebung. Die SEGT wird auch zum Großensee bei Trittau oder nach Hemmoor zum bei Tauchern beliebten 55 Meter tiefen Kreidesee gerufen.
Mehr Geld gibt es trotz höherer Belastung und zusätzlicher Verantwortung nicht. Die SEGT wurde 1996 eingerichtet. Zum Vergleich: In München besteht die Tauchgruppe der Feuerwehr bereits seit 1938.
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