Hamburg: Arbeiten und Wohnen an der Bille

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Schöner kann man auf dem Wasser kaum wohnen: ein Wohnschiff an der braunen Brücke Fotos: Dombert

Die schönsten Seiten des Flusses lassen sich nur vom Wasser aus entdecken. Leinen los!

Von Stefan Dombert

Hamburg Mitte. Es gibt sie noch, Hamburgs verborgene Kleinode. Eines davon ist zweifelsohne die etwa 65 Kilometer lange Bille, deren offizielle Quelle bei Linau liegt, aus dem Koberger und Linauer Moor gespeist wird und sich durch Glinde, Bergedorf und den Hamburger Osten schlängelt. Ausgeprägte Seerosenfelder, Allee-artiger Baumbewuchs am Ufer und viele Sehenswürdigkeiten am Wasser machen die Bille zu einem Eldorado für Wassersportler mit und ohne Motor. Das Wochenblatt schipperte flussabwärts

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Die Bille war von jeher ein Industriegewässer. In Bergedorf zum Beispiel wird die Bille seit dem Jahre 1208 aufgestaut und bis ins letzte Jahrhundert wurde die herrschaftliche Kornwassermühle betrieben. Besonders in Billbrook und
Rothenburgsort sind auch heute noch Fabriken angesiedelt, die den Schiffsverkehr nutzen. Beispiele dafür sind die Ölmühle und das Kieswerk an den
Elbbrücken. Zunehmend wird die Bille auch als Wohnquartier entdeckt – und das nicht nur auf den noch unerschlossenen Grundstücken, beispielsweise in Hamm-Süd, sondern vor allem auch durch Wohnschiffe. Diese waren bisher besonders für Pächter von Bootsanlegern vorgesehen. Doch jetzt werden immer mehr Liegeplätze für Wohnschiffe errichtet, zum Beispiel am Berliner Bogen. So zeigt die Bille weiter selbstbewusst ihre beiden Gesichter – den rauen Industrie-Charme und das verträumte Wohn-Idyll.

Farbige Brückengeländer für die Arbeiter

Rote Brücke, Gelbe, Blaue, Braune, Grüne und Schwarze Brücke – viele Brückennamen in Billbrook haben einen besonderen Hintergrund. Mit ihrer Hilfe wurden in den letzten Jahrhunderten die Arbeiter zu den Sammelplätzen bzw. Viehmärkten gelotst. Viele von ihnen waren Analphabeten oder des Deutschen nicht mächtig, sodass man ihnen mit der Farbe des Brückengeländers die Orientierung erleichterte. Heute hat sich der Fluss vielerorts zum Naturparadies entwickelt: An der Bille sind äußerst viele Tierarten heimisch: Eisvogel, Kormoran, Brandgans, Fischreiher und Bisamratte, um nur einige zu nennen.

Der Fluss als Wohnraum

Immer mehr Menschen entdecken diesen Fluss als Heimat auch für sich. Der Trend zu Wohnschiffen ist auch auf der Bille angekommen. Ein Beispiel sind die neuen „Floating Homes“ am Berliner Bogen, die zur Zeit vermarktet werden. Wer es sich leisten kann, findet hier ein ungewöhnliches Zuhause. Und es sollen noch weitere Wohnschiff-
anlagen erschlossen werden.
Den Charme der Bille machen ihre vielen Gesichter aus. Industrie, Natur, Wohnwelt und Wassersport-Eldorado – welches andere Hamburger Gewässer hat so viele Facetten?
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