Hamburg: Gullydeckel als Souvenir

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Gerd von Borstel vor einer Collage seiner Sammlung in der Wohnung in Horn. Die Deckel kann man unter www.gullygerdsreisen.de im Internet ansehen
 
Nur noch zu erahnen: Die Schrift auf dem Schachtdeckel am Schloßgarten Fotos: je

Gerd von Borstel ist einer von weltweit rund 40 Drainspottern

Von Martin Jenssen
Wandsbek/Horn Wenn einer eine Reise macht, dann kann er nicht nur viel erzählen. Manchmal kommt er dabei auch auf verrückte Ideen. So zum Beispiel Gerd von Borstel, Gullydeckelsammler aus Horn. Auf seinen Reisen ist er kein Hans Guck-in-die-Luft. Sein Blick geht oft nach unten, heftet sich auf das Straßenpflaster. Er sucht nach Schacht- oder Gullydeckeln mit interessanten Motiven.
Weltweit gibt es nur rund 40 ernsthafte Sammler von solchen Deckeln. Gerd von Borstel ist einer von ihnen. Zum Glück sind Gullydeckelsammler sehr vernünftige Leute. Sie reißen die Deckel nicht aus der Straße, gefährden nicht den Autoverkehr. Radfahrer und Fußgänger fallen nicht in dunkle Löcher. Den Freunden der Schachtdeckel genügen Fotos für ihre Sammlungen.
Da „Gullydeckelsammler“ oder „Schachtdeckelsammler“ keine so schönen Ausdrücke sind, nennen sie sich die Deckelliebhaber lieber „Drainspotter“, nach den Train- und Planespottern (Hobbyfotografen von Zügen und Flugzeugen).

Gullygerds Reisen

Wie wird man ein Drainspotter? Gerd von Borstel hatte früher die Fotos von seinen Reisen immer durch Aufnahmen der Ortsschilder getrennt. Das wurde ihm irgendwann zu langweilig. So begann er 2006 damit, die Reisebilder durch Aufnahmen von Schachtdeckeln mit verschiedene Städtewappen und Städtenamen zu trennen. Und wer einmal damit begonnen hat, seinen Blick auf die Eingänge zur „Unterwelt“ zu werfen, der kommt davon nicht wieder los. „Es ist faszinierend, was man dabei alles entdecken kann“, sagt der Sammler.
Da er die meisten „Deckel“ auf seinen Reisen fotografierte, ist es nur logisch, dass Gerd von Borstel seine Sammlung im Internet unter dem Titel „Gullygerdsreisen“ veröffentlicht hat.
Vor allem Städte, die früher einmal sehr reich waren, haben eine große Gullydeckelkultur. Sie ließen ihr Stadtwappen oder bekannte Wahrzeichen auf den Schachtabdeckungen abbilden. „In Hamburg kann man interessante Deckel am Rathausmarkt, in der Mönckebergstraße und am Jungfernstieg entdecken“, verrät der Sammler aus Horn. „Das Motiv auf diesen Deckeln ist immer das Stadtwappen. Aber es gibt zahlreiche Variationen in der Ausführung.“
Interessant: Einige Deckel in der Hansestadt tragen die Aufschrift ROM. Diese Deckel stammen nicht aus der italienischen Hauptstadt. ROM ist die Abkürzung von Rudolf Otto Meyer, der im Jahre 1921 eines der ersten Großheizkraftwerke in Hamburg errichtete und die Schachtdeckel mit seinen Initialen versah.

Prag lohnt sich

Früher gab es in Deutschland noch zahlreiche Gießereien, die Schacht- und Gullydeckel produzierten. Inzwischen hat Indien die Vormachtstellung in der Gullydeckelherstellung übernommen. Zahlreiche Länder aus Europa und Amerika lassen dort produzieren.
In Deutschland ist vor allem Dresden ein „Goldgräberort“ für Drainspotter, findet Gerd von Borstel. Allein zwischen dem Hauptbahnhof und dem Kulturpalast entdeckte er acht unterschiedliche Schachtabdeckungen mit dem Dresdner Stadtwappen. Sogar kolorierte Deckel gibt es dort zu sehen. Ein weiteres Dorado für Drainspotter ist die tschechische Hauptstadt Prag. Auch in Hamburg geht Gerd von Borstel immer wieder auf Gully-Entdeckungsreise.
Vor allem Altona und Wandsbek sind für ihn interessant, da diese Stadtteile erst 1937 von Hamburg eingemeindet wurden und bis dahin noch eine eigene Wasserver- und Entsorgung hatten.
Zahlreiche Deckel im Bezirk Wandsbek tragen die Aufschrift „Kanalisation oder Canalisation Wandsbek“. In der Straße am Schloßgarten, wenige Meter vom Bahnübergang entfernt, fand der Sammler jedoch einen außergewöhnlichen Deckel mit der Aufschrift „Wasserwerk Wandsbek“. Die Schrift auf diesem Deckel ist jedoch kaum noch zu lesen. Gerd von Borstel bittet die Wandsbeker: Bitte melden, wenn es noch irgendwo einen Deckel mit der Aufschrift „Wasserwerk Wandsbek“ in leserlicher Form gibt. Informationen an den Sammler bitte unter Telefon 88884887 oder an die Mailadresse info@gullygerdsreisen.de.
u Außer im Internet kann man Bilder von Gerd von Borstels Gullydeckeln zur Zeit im „Café Klassenraum“ (Marienthaler Straße 149) in Hasselbrook bestaunen.
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