Hamburg-Horn: Ein Spielparadies für Kinder

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1956: Ein Auto, eine Schottsche Karre, ein Motorrad und viel Platz zum Spielen Foto: Kirchenarchiv
 
2015: Heute ist Platz für über 60 parkende Autos, aber kein Platz für spielende Kinder Foto: Gerd von Borstel

1956 wurde rund um die Martinskirche „Verstecken“ gespielt. Teil 17 der Serie „Horn – damals und heute“

Von Gerd von Borstel
Horn
In der 17. Folge unserer Serie „Horn – Damals und Heute“ in Zusammenarbeit mit der Geschichtswerkstatt Horn drehen wir die Zeit zurück, als es für die Kinder noch völlig ungefährlich war, „auf der Straße“ zu spielen. Als Beispiel hat die Geschichtswerkstatt dazu ein Vergleichsfoto ausgewählt, was den „unendlichen Platz“ verdeutlicht, den die Kinder in den 1950iger -Jahren zum Spielen hatten. Die historische Aufnahme zeigt die Martinskirche, aufgenommen aus der Boberger Straße. Die Martinskirche war noch vor 60 Jahren ein beliebter Spielplatz für Horner Kinder – einschließlich des Autors. Ganz hoch in der Gunst stand „Verstecken“. Abgezählt wurde an der Kirchentür, Verstecke boten die dichten Büsche rund um die Kirche bis hin zum Gemeindehaus genug. Der Niedergang zum Heizungskeller war eigentlich tabu, aber wenn man sich nicht vor dem Küster fürchtete und schnell genug laufen konnte, war auch das ein tolles Versteck. Geschichtenball an der Kirchenwand, Cowboy und Indianer, Sandburgen auf dem heutigen Kirchenparkplatz buddeln – für all das war hier der ideale Platz. Auf der gegenüberliegenden Seite, vor den Rotklinkerhäusern parkte 1956 noch kein einziges Auto. Die fast 2.000 Quadratmeter große Fläche, die heute 32 Parkplätze bietet, war naturbelassen und nicht asphaltiert. Die Bäume am Straßenrand, heute so hoch wie die Häuser dahinter, waren damals gerade gepflanzt. Hier war der beste Platz für Ballspiele jeglicher Art: Völkerball, Fußball und Schlagball (Baseball sagte damals noch keiner) konnten gefahrlos gespielt werden, ohne zu befürchten, ein Auto zu treffen.

Viel Platz für Spiele


Beliebt war in der Zeit auch Kippel-Kappel, welches ähnlich wie Schlagball – aber statt mit einem Ball, mit einem kleinen Stöckchen – gespielt wurde. Man bildete zwei Mannschaften. Benötigt wurde nicht viel (außer Platz): Der Kippel war ein rund zehn bis 15 Zentimeter langes, an beiden Enden zugespitztes Stück Holz von wenigen Zentimetern Durchmesser. Der Kappel war ein möglichst runder, harter und gerader Knüppel von rund 0,5 bis ein Meter Länge. Mit ihm ritzte man eine Rille in den Boden, legte den Kippel quer darüber. Dann schob man den Kappel in die Rille unter den Kippel und versuchte ihn so weit wie möglich wegzuhebeln. Die älteren Leser werden sich an dieser Stelle bestimmt sofort an die weiteren Spielregeln erinnern; die jüngeren geben einfach mal bei Google den Begriff „Kippel Kappel“ ein. Ein anderes, sehr beliebtes Spiel war „Länderstechen“. Je nach Anzahl der Teilnehmer wurde ein mehr oder weniger großer Kreis – die Erde – auf den Boden geritzt. Von seinem Standpunkt am Rand versuchte man im Kreis den Schraubenzieher so oft wie möglich stechend in die Erde zu werfen und diese Punkte zu einer geschlossenen Form zu verbinden. Dann konnte man in „sein Land“ treten und von dort weiterspielen, bis der Schraubenzieher einmal
umfiel. Dann war der Nächste dran. Sieger war, wer zum Schluss das größte Land besaß.Wie das Vergleichsbild aus dem Jahre 2015 zeigt, ist heute keines dieser Spiele dort mehr möglich. Abgesehen von den Autos sind selbst die Hecken fürs Versteckspiel verschwunden.

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