Hamburg-Horn: Große Höfe am Bauerberg

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1895: Stolz präsentiert die Familie Lübbers den neu gestalteten Eingangsbereich zum Hof Foto: Fotograf unbekannt, Privatarchiv Peters
 
2017: Ab 1955 entstanden an gleicher Stelle Wohnblöcke und eine Ladenzeile Foto: Gerd von Borstel
Hamburg: Dunkersweg |

Zeitreise: Chronist Gerd Rasquin blickt zurück. Teil 22 der Serie „Horn – damals und heute“

Von Gerd von Borstel, Recherche: Gerd Rasquin
Horn
In der 22. Folge unserer Serie in Zusammenarbeit mit der Geschichtswerkstatt Horn kommen wir noch einmal zurück zur Keimzelle unseres Stadtteils: dem Bauerberg. Bereits in der 15. Folge haben wir den Hof von Peter Behrmann an der Ecke zum Dunkersweg vorgestellt. Heute bleiben wir gleich an der Einmündung zur Horner Landstraße stehen und schauen auf einen weiteren großen Hof, den der Fotograf im Winter 1895/96 ablichtete. Der Horner Chronist Gerd Rasquin weiß davon folgendes zu berichten: Die Südwestecke Horner Landstraße/Bauerberg war gerade neu gestaltet worden, denn man hatte die alte Schmiede vorn an der Straße abgebrochen, um den Fußweg verbreitern zu können. Gleichzeitig musste das nun kürzer geratene Gartengefälle durch Felsvorsetze abgestützt werden, wie schon vom Blohm's Park bekannt. Die nun neue Ansicht des Bauernhauses war Anlass genug, den örtlichen Fotografen von nebenan zu bemühen. Auf dem Foto stehen links die Hofbesitzer, das Ehepaar Julius und Therese Lübbers. Die Geschichte des Hofes begann im 17. Jahrhundert, als die Bauernfamilie Bostelmann hier einen Hof und zwei Katen errichtete. Einer der Söhne war auch Horner Bauernvogt. In der Landherrenschaft war er für die Einhaltung der Dorfordnung zuständig und vertrat gleichzeitig die Dorfbevölkerung gegenüber der Obrigkeit. Letzter Bostelmann war Jacob Hinrich, dem selbst aber kein Sohn geboren wurde. Um den Hof weiterführen zu können, musste die Tochter Anna einen Landwirt heiraten. Der kam aus Moorfleet und hieß Hermann Jacob Lübbers (1791 - 1861). Auch er genoss bald in Horn großes Ansehen und wurde ebenfalls Bauernvogt.

Entwicklung nach dem Krieg

Mit Rückgang der Landwirtschaft in Horn wurde Anfang der 1920er-Jahre der Scheunenteil mit den Stallungen abgebrochen und eine neue Hauswand errichtet, hinter der eine zusätzliche Wohnung entstand. Neben dem letzten Familienmitglied Gustav E. Lübbers, Beamter bei der Steuer-Deputation, wurde das noch immer strohgedeckte Bauernhaus von 1921 bis zur Ausbombung 1943 an verschiedene Privatpersonen vermietet. Nach dem Krieg lag die Fläche lange Zeit brach. Erst 1955 wurde die Ladenzeile zwischen Hertogestraße und Bauerberg errichtet. Zeitgleich ließ das Landeskirchenamt die Häuser Bauerberg 7 und 9 erbauen, deren Mieter 1956 erstmals im Adressbuch erscheinen. Die davor liegenden Häuser Bauerberg 3 und 5 folgten ein Jahr später – erbaut von der Awog (Angestelltenwohnungsbau). Sie ließ zur selben Zeit auch die übrigen Wohnblöcke in diesem Areal errichten. Das Eckhaus an der Horner Landstraße kam als letztes hinzu; seine Mieter erschienen 1958 im Adressbuch. Das Haus bietet ein kleines Kuriosum: Wohnungen und Laden im Erdgeschoss tragen die Hausnummer Horner Landstraße 165, der Laden im Obererdgeschoß hat die Adresse Bauerberg 1 (heute Zahnarztpraxis). Erste Ladenmieter waren die „Neue Sparcasse von 1864“ (unten) und Möbel Mauer (oben). Nachdem Hans Mauer Ende der 1960iger-Jahre diesen Ausstellungsraum aufgab, übernahm die Sparkasse die Räumlichkeiten und ließ die beiden bis dahin getrennten Stockwerke mit einer Wendeltreppe verbinden. Nach dem Umzug der Sparkasse auf die gegenüberliegende Straßenseite wurden die Räume von einer Apotheke und einer Zahnarztpraxis genutzt.

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