Hamburg: Ratten müssen gemeldet werden

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Eine wilde Müllkippe auf dem Geesthang hinter einem Hotel: ein Paradies für Ratten Foto: fbt

Müll und Speisereste ziehen die vermehrungsfreudigen Tiere in der ganzen Stadt an

Von Frank Berno Timm
Hamburg
Ratten sind meldepflichtig. Überall, wo Dreck und Schmutz nicht beseitigt werden, kommen sie zum Vorschein. Neben dem Parkplatz am Geesthang wächst wildes Gebüsch. Es ist längst mannshoch geworden. Geht man hinein, liegt eine alte, sichtbar verschmutzte Matratze neben dem Trampelpfad. Ein paar Schritte weiter steht ein ausrangiertes Sofa, das vor langer Zeit bessere Tage gesehen hat. Müll, ja Unrat, rottet zwischen den Pflanzen. Auf der anderen Straßenseite ist ein Durchgang zur Billstedter Hauptstraße mit einem kleinen Beet daneben. Hier muss jemand seine Schnellimbiss-Mahlzeit abgehalten haben – ausgediente Teller und anderer Abfall liegen zwischen den Sträuchern. Keine Frage: Hier würde sich eine Ratte wohlfühlen. Auch offenstehende Müllcontainer oder nicht geleerte Papierkörbe sind für die Tierchen ein Vorgriff auf das Paradies. Reinhard Fiedler von der Hamburger Stadtreinigung sagt auf Anfrage des Hamburger Wochenblatts, im Sommer seien Ratten jedes Jahr zu finden: „Wo Müll ist, da sind immer Ratten.“

1640 Meldungen in Hamburg

In gesamten Bezirk Mitte waren es im letzten Jahr 247 Nager, die dem Hygieneinstitut gemeldet wurden – in ganz Hamburg 1640. Sprecherin Sinje Lehmann ergänzt, in den Jahren zuvor seien es 1.281 (2015) bzw. 1.465 (2014) gewesen. „Die Zahl der Meldungen unterliegt immer gewissen Schwankungen – das ist normal, bedeutet keinen Trend.“ Meldungen? Wer eine Ratte sieht, ist verpflichtet, das den Behörden mitzuteilen, so regelt es die entsprechende Verordnung. Unterschiede, sagt die Hygieneinstituts-Sprecherin, seien unter anderem das unterschiedliche Meldeverhalten der Bevölkerung, das etwa auch durch die Medienberichterstattung ausgelöst werde. Eine Rolle spielen warme bzw. kalte Winter, das Nahrungs- und Wasserangebot und andere Faktoren. Ein Rückschluss auf eine Zu- oder Abnahme der Zahl der Ratten sei „aus diesen Meldungen nicht möglich“. Wie hoch die Dunkelziffer nicht gemeldeter Ratten ist, weiß niemand. Liegenbleibende Abfälle aus Vogelfütteraktionen, achtlos weggeworfene Lebensmittelreste, offene Müll- und Biotonnen, unverschlossene Komposthaufen und Lebensmittelreste in der Kanalisation bedeutet das laut Sinje Lehrmann „ausreichendes Nahrungsangebot für Ratten“. Überall, wo sie dies vorfänden, kämen sie in der Stadt auch „grundsätzlich vor“.

Keine Vögel füttern

Entsprechend empfehle es sich, bei einem Befall zusätzlich zu den Bekämpfungsmaßnahmen „das Nahrungsangebot zu begrenzen“, also keine Vögel füttern oder Lebensmittelreste offen kompostieren. Laut Angaben auf der Website des Hygieneinstituts auf hamburg.de bringt es eine weibliche Ratte auf ungefähr 600 Nachkommen im Jahr. Die Tiere seien „enorm anpassungsfähig“ und es gelinge nicht, sie „aus unserem engeren Lebensumfeld vollständig zu vertreiben“.

Hygieneinstitut für öffentlichen Grund zuständig

Für die Bekämpfung ist laut Hygieneinstitut bei privaten Grundstücken der Eigentümer, auf öffentlichem Grund das Hygieneinstitut verantwortlich. Privatleute könnten Rattengift auslegen oder einen Fachmann beauftragen; bei Mehrfamilienhäusern sei in der Regel fachliche Hilfe notwendig. Nach einigen Wochen folge eine Kontrolle. Wenn das Hygieneinstitut feststelle, dass bauliche Maßnahmen zu ergreifen seien und der der Grundeigentümer diese nicht freiwillig ergreife, „kann das Bezirksamt dem Grundeigentümer auferlegen, diese Missstände abzustellen“, so Sinje Lehmann.

Schädlingsbekämpfung

Das Hygiene-Institut nennt auf seiner Website folgende Nummern für die Rattenmeldung: Telefon 42845-7972 oder per Fax 42845-7971
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5 Kommentare
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Rainer Stelling aus St. Georg | 16.08.2017 | 07:58  
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Michael Wüst aus Ahrensburg | 16.08.2017 | 17:37  
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Rainer Stelling aus St. Georg | 17.08.2017 | 17:40  
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Michael Wüst aus Ahrensburg | 17.08.2017 | 18:10  
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Rainer Stelling aus St. Georg | 18.08.2017 | 05:54  
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