Hamburg: Spannende Zeitreise

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Gebannt hören die Schüler zu, als Gunter Lucks ihnen von seinen Kriegserlebnissen erzählt

Zeitzeuge Günter Lucks erzählt in der Stadtteilschule Öjendorf von seinen Kriegserlebnissen

Von Mathias Sichting
Hamburg. Bombenhagel, Kriegsverletzung und Gefangenschaft. Die Schüler der Klasse 9a und b sitzen wie gebannt auf ihren Stühlen. Man könnte eine Stecknadel fallen hören. Auf dem Podium sitzt Zeitzeuge Günter Lucks. Der 86-jährige Autor aus Horn liest den Schülern Auszüge aus seinen zwei Büchern vor und erzählt vom Krieg. „Ich war Hitlers letztes Aufgebot“ und „Hitlers vergessene Kinderarmee“ erschienen 2009 und 2014 in Kooperation mit dem Journalisten Harald Stutte im Rowohlt-Verlag. Stefanie Böhmann, Klassenleiterin und Deutschfachleiterin an der Stadtteilschule Öjendorf, hat Günter Lucks zum Vorlesemarathon „Lies mal!“ am vergangenen Donnerstag eingeladen. Seine Berichte aus der Kinderarmee Hitlers werfen bei den Neuntklässlern zahlreiche Fragen auf. Günter Lucks ist Mitglied in der Zeitzeugenbörse. „Wir Zeitzeugen führen regelmäßig Schulbesuche durch und erzählen den Kindern aus der Vergangenheit. Die Schüler wollen allerdings nicht nur stupide etwas vorgelesen bekommen, sondern Fragen stellen und Geschichten hören. Man muss seinen Vortrag also möglichst lebendig gestalten“, weiß Lucks. Die Frage nach dem „Warum“ beschäftigt die Schüler am meisten.
„Wir wollten mit dem Vorlesemarathon die Lesefreude bei unseren Schülern wecken, da wir in diesem Bereich leider häufig Rückstände feststellen müssen. Wenn es spannende Leute gibt, die etwas zu erzählen haben, sitzen die Schüler auch mal eine Stunde lang still“, sagt Stefanie Böhmann. Insgesamt sechs Lesungen fanden im Mehrzweckraum des Neubaus der Stadtteilschule statt. Kerzen und gelbe Röschen sorgten für ein wenig Atmosphäre.
Interessant war für die Schüler in Günter Lucks Lesestunde unter anderem die Frage nach dem Verbleib des Bruders Hermann, der während einer Hamburger Bombennacht den Luftschutzraum verließ und nicht zurückkehrte. Aber auch Lucks Tätowierung der Blutgruppe am linken Oberarm oder Fragen nach der Dauer der Ausbildung zum Kindersoldaten in der SS beschäftigten die Schüler.


Lucks Leben
Oktober 1928 – Lucks wird in Hamburg Eilbek geboren
Juli 1943 – Günter Lucks überlebt die schweren Bombenangriff der Operation Gomorrha in Hamburg, verliert aber seinen Bruder Hermann
Januar 1945 – als 16-Jähriger meldet er sich freiwillig für die Front
März 1945 – Übernahme in die Waffen-SS
April 1945 – Fronteinsatz im tschechisch-österreichischen Grenzgebiet gegen Rote Armee
Anfang Mai 1945 – Lucks wird schwer verletzt
Ende Mai 1945 – Lucks kommt in russische Gefangenschaft
September 1945 – Transport in Lager in Tallinn
Mitte 1948 – Internierung in Lager Moskau
Januar 1950 – nach fünf Jahren darf Lucks zurück nach Hamburg
Februar 2015 – Lucks drittes Buch „Der rote Hitlerjunge“ erscheint im Rowohlt-Verlag
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