Hamburg: U-Bahn-Idee kontra Stadtbahn-Konzept

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Die CDU hat auf ihrem neuen Flyer eine Stadtbahn auf den Jungfernstieg platziert Foto: Jens Ode/wb

Eine immens teure U 5 oder eine Stadtbahn mit möglichen Hindernissen: Hintergründe zur aktuellen Diskussion

Hamburg. Die Strecke, die Hochbahn-Chef Günter Elste und Verkehrssenator Frank Horch (parteilos) präsentierten, wirkte wie mit dem dicken Filzstift über den Stadtplan gezogen. Doch die Idee einer neuen U-Bahn-Linie, die frühestens ab 2020 für mindestens 3,8 Milliarden Euro gebaut werden könnte, lässt bei vielen Bürgern Hoffnung aufkommen. Hoffnung in einer Diskussion, die seit Jahren rollt, aber nicht ans Ziel kommt.
Nun wird es Vorprüfungen für eine U 5 von Bramfeld über Steilshoop bis zum Osdorfer Born geben. Diskutiert werden eine Nordvariante über Lokstedt oder eine Südvariante über Ottensen, dazu ein U-Bahnhof Universität und eine Verlängerung der U-Bahn in die Horner Geest. Dabei gelten Grundsätze „kostenstabilen Bauens“, heißt es aus der Senatspressestelle, bei der Planung wolle man gründlich und nicht übertrieben hektisch agieren.
Sechs Wochen vor den Bezirks- und Europawahlen und zehn Monate vor den Bürgerschaftswahlen ist damit das Thema Infrastruktur in den Mittelpunkt gerückt, auch wenn betont wurde, es handele sich nicht um Wahlkampf, sondern man sei „zutiefst überzeugt von dem Konzept“ (Horch). Bürgermeister Scholz nähert sich einen Schritt seiner Aussage im Juli 2013 im Wochenblatt-Interview: „Wir werden auch noch in den Zwanziger und Dreißiger Jahren in Hamburg U- und S-Bahnen bauen“, hatte der erklärte Stadtbahn-Gegner betont. Sein Parteigenosse Elste ist zwar für eine Stadtbahn, bezweifelt jedoch „die Akzeptanz der Anwohner einer möglichen Trasse.“ Fakt ist, dass Hamburg dringend ein zusätzliches Schienenverkehrsmittel benötigt. 728 Millionen Mal haben die Hamburger im Vorjahr Bahn, Bus und Fähren benutzt. Dies bedeutet, so hieß es zu Jahresbeginn auf eine Senatsanfrage aus der SPD, eine Steigerung um 18 Prozent seit 2007. Und die Fahrgastzahlen steigen weiter. Doch selbst wenn der nächste Senat eine Machbarkeitsstudie durchführt, bedeutet das nicht, dass der übernächste Senat wirklich baut.
Die Handelskammer begrüßte die Mobilitätspläne des Senats, forderte jedoch, entlang der Metrobuslinie 5 - mit 60.000 Passagieren Europas meistfrequentierte Buslinie - eine oberirdische Lösung, „was Hunderte Millionen Euro sparen könnte“. Die FDP hält die Richtung für richtig, die Kosten jedoch für immens und fordert Ausfädelungen aus dem bestehenden Schienennetz. CDU und Grüne forcieren weiter eine Stadtbahn. Die CDU wirbt in Flyern, man habe aus dem gescheiterten Planungsversuch von 2008 bis 2011 gelernt, und legt ein Konzept für vier Stadtbahntrassen mit 17 Linien vor. Für 2,7 Milliarden Euro bekäme Hamburg 93,4 Kilometer Stadtbahn oder zehn bis 25 Kilometer U-Bahn. Ab 2016 könne der erste Abschnitt der Stadtbahn gebaut werden, 2029 sei das Netz fertig.
Bei der Präsentation der U-Bahnpläne wurde übrigens zum Vergleich München herangezogen, das mit 103 Kilometern U-Bahn ein ähnlich großes Netz habe wie Hamburg. Aber: in München gibt es außerdem 79 Kilometer Trambahnlinie. (sta)
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2 Kommentare
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A. K. aus Eppendorf | 15.04.2014 | 12:10  
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Erich Heeder aus Billstedt | 18.04.2014 | 12:00  
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